Gläubige ziehen bei Großer Prozession durch Münster
Die jüngste Orientierungshilfe des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zum Thema Familie bedeutet für den Bischof von Münster, Dr. Felix Genn, einen "richtigen Riss" in seinem ökumenischen Mühen.
Das hat der Bischof am 7. Juli 2013 in Münster betont. Im St.-Paulus-Dom feierte Bischof Genn zum Abschluss der Großen Prozession die Heilige Messe.
In seiner Predigt kritisierte er, dass die Orientierungshilfe der EKD "alle Formen von Partnerschaft unterschiedslos auf eine Stufe" stelle. Vor der Messe waren die Gläubigen durch die Münsteraner Altstadt gezogen, ausgehend von der Stadt- und Marktkirche St. Lamberti bis hin zum Dom.
In seiner Predigt sagte Bischof Genn, die Große Prozession, die ihre Ursprünge im 14. Jahrhundert hat, sei eine "Demonstration des Glaubens, ein Zeugnis, das katholische Christen und Christinnen der Stadt Münster in der Öffentlichkeit geben." Sie würden so bekennen, dass Glaube nicht einfach eine Meinung oder Theorie, sondern vielmehr eine Grundhaltung des Lebens sei. Der christliche Glaube, so betonte der Bischof, habe dazu beigetragen, das gesellschaftliche und öffentliche Leben zu gestalten. Noch immer prägten kirchliche Gebäude, Institutionen und Einrichtungen, Pfarreien, Gemeinschaften und Verbände das Leben im Münsterland genauso wie am Niederrhein und im Oldenburgischen: "Westfalen ist geprägt von der Kraft dieses Glaubens", sagte Bischof Genn und räumte zugleich ein, dass es heute eben nicht mehr selbstverständlich sei, dem Glauben eine gesellschaftliche Prägung zuzusprechen.
In diesem Zusammenhang ging der Bischof auf die Orientierungshilfe des Rates der EKD zum Thema Familie ein. Er warb dafür, auch wenn es angesichts von emotional aufgeladenen Diskussionen kaum noch möglich sei, hier auch weiter Differenzierungen und Unterscheidungen vorzunehmen. Bischof Genn: "Es ist doch selbstverständlich und klar, dass wir homosexuell empfindende Menschen nicht diskriminieren dürfen. Gott liebt sie ebenso sehr wie jeden anderen Menschen auch." Das sei in der Vergangenheit nicht immer beachtet worden und habe zu vielen Verletzungen bei Homosexuellen geführt, räumte der Bischof ein. Gleichzeitig sei aber auch klar, "dass es nicht erst aufgrund der Aussage der Heiligen Schrift, sondern bereits von der Naturordnung her, grundlegende Unterschiede zwischen der Ehe von Mann und Frau und gleichgeschlechtlicher Partnerschaft gibt." So könnten schon aus der Natur heraus aus gleichgeschlechtlichen Partnerschaften keine Kinder hervorgehen, während die Ehe von Mann und Frau von der Naturordnung wie von der Heiligen Schrift her "als die Grundlage für die Bildung einer Familie und das Heranwachsen von Kindern" bezeugt werde. "Daran festzuhalten und aus diesem Grunde gegen die Adoption von Kindern im Rahmen von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften zu sein, hat deshalb nichts mit Diskriminierung homosexuell empfindender Menschen zu tun", sagte Bischof Genn. Ebenso wenig sei es vor diesem Hintergrund diskriminierend, "wenn wir mit der Ehe von Mann und Frau diejenige Lebensform in besonderer Weise fördern, welche für den Fortbestand unserer Gesellschaft die beste Grundlage bietet."
Der Bischof betonte, dass es ihn ungemein schmerze, in diesem Zusammenhang nicht die notwendige Unterstützung von der evangelischen Kirche zu erhalten. Auch die Abendmahlsgemeinschaft rücke dadurch in noch weitere Ferne, "weil wir den biblisch begründeten Zusammenhang von Kirche, Eucharistie und Ehe in keiner Weise aufgeben können." Bischof Genn sprach sich dafür aus, "nicht dem zu folgen, was im Augenblick gängig und dem Zeitgeist angepasst ist." Vielmehr warb er bei den Gläubigen dafür, "liebend und friedlich" für die eigene Glaubensüberzeugung einzustehen, Gott zu vertrauen, ihm zu glauben und "in ihm das Licht zu finden, das weiter leuchtet als das, was im Heute für viele scheinbar unmittelbar einsichtig ist, sich aber in seinen Folgewirkungen als trügerisch erweist, weil es nicht bis zum Ende durchgedacht wird."
Der Großen Prozession voraus getragen wurde eine Nachbildung des historischen Pestkreuzes, dessen Original im Stephanuschor des Doms hängt. Es verweist auf die Ursprünge der Großen Prozession im Jahr 1383. Nach einer Pest-Epidemie und einem Großbrand in den Vorjahren gelobten Bürgerschaft und Geistlichkeit damals, künftig jährlich bei einer Buß- und Bittprozession um Schutz vor solchem Unglück zu beten.
Während der diesjährigen Prozession spielte das Ensemble "blechgewand(t)". Die musikalische Gestaltung übernahmen zudem die Chöre der Dommusik Münster und ein Projektchor des Stadtdekanats unter der Leitung von Domkapellmeister Andreas Bollendorf und Bezirkskantorin Jutta Bitsch. Außerdem musizierten die Dombläser, die Orgel spielte Domorganist Thomas Schmitz. Zudem brachte sich auch die polnische Gemeinde musikalisch, durch das Vortragen von einer Lesung und Fürbitten sowie durch das Mitwirken an der Gabenprozession besonders ein.
Text: Bischöfliche Pressestelle
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