Gottesdienst zum 50jährigen des Ökumene-Dekrets im Paulusdom

Mit einem Ökumenischen Gottesdienst im St.-Paulusdom und einem Abend der Begegnung im Bischöflichen Priesterseminar Borromaeum wurde am 21. November des 50. Jahrestages der Verabschiedung des Ökumenismusdekrets des Zweiten Vatikanischen Konzils gedacht.

Beteiligt waren hochrangige Vertreter der evangelischen, orthodoxen und katholischen Kirche.

Bischof Dr. Felix Genn hob in seiner Begrüßung hervor, das Dekret habe "den Weg zur Beteiligung der katholischen Kirche an offiziellen ökumenischen Dialogen eröffnet" und "den Anstoß zu einer Fülle von ökumenischen Initiativen auf Gemeindeebene gegeben". Es habe "Bewusstsein für die schon bestehende Gemeinschaft unter allen Getauften geschaffen und das Verlangen bestärkt, diese Gemeinschaft auch sichtbar zum Ausdruck zu bringen". Diese "Zeit des Gebetes" solle helfen, die Einheit aller Christen wieder herzustellen.

Aus Sicht von Dr. Johann Weusmann, Vizepräsident der evangelischen Kirche im Rheinland, der für die evangelischen Landeskirchen im Bereich des Bistums sprach, hat das Dekret die "Öffnung der katholischen Kirche für die ökumenische Bewegung" markiert. Im Nachgang sei vieles möglich und selbstverständlich geworden: Konfessionsverbindende Ehen, ökumenische Gottesdienste, gegenseitige Gemeindevereinbarungen und diakonische Hilfe oder ein gemeinsames und entschiedenes Eintreten für Menschen im Land und in der Welt. Manche Fragen seien noch offen, weshalb Weusmann betonte: "Wir sind aufeinander angewiesen, wenn wir die Fülle des Heiligen Geistes erfahren wollen", betonte Weusmann.

Bischof Genn sagte in seiner Predigt, man dürfe von Herzen dankbar sein für die vielfältigen Früchte, die das Bemühen um die Wiederherstellung der Einheit der Christen gebracht habe. Er betonte die Notwendigkeit, "miteinander im Hören auf das Wort Gottes zu bleiben". Dieses "Bemühen, Christus immer tiefer zu erfassen, immer mehr zu erkennen, was ihn umtreibt, Ihn als die Mitte unseres Denkens und Handelns zu wissen" werde dazu führen, dass "wir, ob evangelisch, katholisch oder orthodox, immer evangeliumsgemäßer, immer evangelischer, immer universaler und katholischer" werden: "Ja, wir werden immer orthodoxer, weil wir tiefer eindringen in die Wahrheit der Lehre und so fähig werden, dieser Lehre gemäß in der Liebe Orthopraktiker zu werden". Der Bischof äußerte, er sei "fest davon überzeugt, dass wir auf diesem Weg auch in sehr strittigen Fragen zueinander finden werden", auch wenn er sich überfordert sieht, "sensible Fragen nach der Einheit der Kirche in Amt und Eucharistie durch eine menschlich produzierte, ‚gemachte‘ Übereinkunft einfach so" zu regeln. Er lebe "in der Offenheit, dass der Herr uns überraschen kann, uns Lösungen anbietet". Das gemeinsame Beten helfe, "in diesen Entwicklungsprozessen miteinander und füreinander zu leiden".

Zum Zeichen des gegenseitigen Anteilgebens und Anteilnehmens an den Stärken der verschiedenen Konfessionen wurden spezifische Gaben aus der jeweiligen Tradition in die Feier eingebracht. Oberkirchenrat Dr. Ulrich Müller von der Evangelischen Kirche von Westfalen präsentierte ein Faksimile der "Barmer Theologischen Erklärung", Archimandrit Theofanis Lappas der orthodoxen Kirche eine Christus-Ikone und Elisabeth Stolpe vom Bund der Evangelisch-freikirchlichen Gemeinden ein Bildnis eines Heilig-Geist-Fensterbildes aus der Versöhnungskirche in Taizé.

Nach dem Vaterunser sprach die Superintendentin Meike Friedrich ein Geistliches Wort. Sie beschrieb des ökumenischen Aufeinander-zu als Wandergemeinschaft, bei der die Schwestern und Brüder von Gott geleitet würden. Manchmal sei man sich nahe gekommen, manchmal habe es an Achtsamkeit und Geduld füreinander gefehlt, so beim Text "Rechtfertigung und Freiheit", der als Absage an den ökumenischen Weg verstanden worden sei. Was für die einen schweres Gepäck sei, sei von anderen leicht zu tragen. Die Evangelischen Pilger freuten sich etwa daran, ordinierte Frauen zu haben, ihre Präsides zu wählen oder Menschen in eingetragenen Lebensgemeinschaften den Segen nicht länger vorzuenthalten. Sie empfänden aber anderes als trennend. Keiner erkläre solche Lasten leichtfertig zum Weggepäck, alle sähen sich dazu vom Geist getrieben. "Dennoch stehen wir heute hier gemeinsam. Und wir sind weiterhin fest verabredet, unseren Weg zu machen, miteinander unserem gemeinsamen Ziel entgegenzugehen", endete die Repräsentantin des Kirchenkreises Münster zuversichtlich: "Also frohgemut weiter in unser gemeinsames, verheißenes Land".

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Text: Bischöfliche Pressestelle
Kontakt: Pressestelle[at]bistum-muenster.de