Große Prozession

"Die öffentliche Demonstration unseres Glaubens durch die ‚Große Prozession’ ist über die Fürbitte hinaus Jahr für Jahr auch zu einer inneren Besinnung auf unseren öffentlichen Auftrag als Christinnen und Christen in dieser weltgeschichtlichen Stunde geworden."

Das hat der Bischof von Münster, Dr. Felix Genn, am 6. Juli in Münster betont. Im St.-Paulus-Dom feierte der Bischof zum Abschluss der Großen Prozession die Heilige Messe. Zuvor waren die Gläubigen durch die Münsteraner Altstadt gezogen, ausgehend von der Stadt- und Marktkirche St. Lamberti bis hin zum Dom. In seiner Predigt sagte Bischof Genn, dass die Gläubigen einen Gebetsweg wie die Große Prozession nur gehen könnten, "wenn wir über unsere Sorgen hinaus die unzähligen menschlichen Nöte und Schicksale in den Blick nehmen, denen wir in einer globalisierten Welt begegnen."

In diesem Zusammenhang erinnerte der Bischof an "die Not in Syrien, an den Krieg, der nun schon Jahre währt und kein Ende findet, an die enorme Kriegsgefahr im Irak, an die Flüchtlingsströme verzweifelter Menschen aus Afrika, die immer wieder neue Opfer fordern, an die leidvollen Auseinandersetzungen in der Ukraine, an die Konfliktherde in Afrika, zum Beispiel in Nigeria oder der Zentralafrikanischen Republik." Der Bischof gedachte auch der Jugendlichen, die in Israel ermordet worden sind. Ihr Tod, so sagte Bischof Genn, könne möglicherweise neue Eskalationen von Gewalt und Gegengewalt auslösen, "weil sich uns Menschen das spontane Gesetz der Rache und Vergeltung als Zeichen vermeintlicher Stärke oft näher legt, als den demütigen, aber wahrhaft starken Weg der Versöhnung ernsthaft zu wagen." Der Bischof betonte, dass der christliche Weg nicht der Weg von Gewalt, Waffen und Krieg sei, sondern der der Liebe. Er warb dafür, auch im Alltag, "in Situationen, wo wir vielleicht müde geworden sind, zu verzeihen. noch einmal einen Versuch zum Frieden zu wagen, noch einmal den anderen, der uns ‚auf den Geist geht’, im Gebet dem Herrn anzuempfehlen, um ihn mit den Augen Jesu sehen zu können."

Jesus, so betonte Bischof Genn, fordere die Gläubigen dazu auf, als seine Jüngerinnen und Jünger von ihm zu lernen. "Könnte es nicht sein, dass wir neu lernen sollen, ohne zu klagen und zu seufzen, in seinem Geist und von ihm bestimmt, wenigstens ein wenig von seinem Kreuz mit zu tragen in der inneren Solidarität mit den anderen und im kräftigen Engagement und Einsatz für die Ärmsten?" fragte der Bischof. Christinnen und Christen seien herausgefordert, durch öffentlich-gesellschaftliches und politisches Engagement "im Hier und Jetzt am Aufbau des Reiches Gottes in dieser Welt mitzuarbeiten." Als ein Beispiel nannte Bischof Genn die Arbeit der Kommission zum Schutz des ungeborenen Lebens, die in dieser Woche in Münster ihr 40-jähriges Bestehen begangen hat. "Hier ist mir deutlich geworden, wie sich katholische Frauen und Männer ganz konkret bewähren, weil sie von Jesus lernen. In diesen 40 Jahren ist sowohl durch diese Kommission als auch durch den unermüdlichen Einsatz der Beratungsstellen des Sozialdienstes katholischer Frauen Menschen in äußerst schwierigen Situationen geholfen worden. Hier hat sich der Geist Jesu, der lebendig macht, gezeigt", sagte Bischof Genn. Die Auseinandersetzungen um die moderne Medizin und die Bio-Technik hätten diese hoch engagierten Christinnen und Christen nicht müde werden lassen, deutlich zu machen, "dass die Botschaft dieses Friedenskönigs im Kampf für das ungeborene und geborene Leben auch heute Perspektiven eröffnet, die einer Kultur des Todes wehren." Auch in den kompliziertesten Zusammenhängen moderner Medizin und Technik, könne man viel von Jesus lernen, wenn man bereit sei, "zu ihm zu kommen, sein Joch auf sich zu nehmen, sich mit ihm zu verbinden, um aus seiner Perspektive zu denken, mitzufühlen und zu leben."

Der Großen Prozession voraus getragen wurde eine Nachbildung des historischen Pestkreuzes, dessen Original im Stephanuschor des Doms hängt. Es verweist auf die Ursprünge der Großen Prozession im Jahr 1383. Nach einer Pest-Epidemie und einem Großbrand gelobten Bürgerschaft und Geistlichkeit damals, künftig jährlich bei einer Buß- und Bittprozession um Schutz vor solchem Unglück zu beten.

Während der diesjährigen Prozession spielte das Blechbläserensemble "blechgewand(t)". Bei der Statio sang die Capella Ludgeriana unter Leitung von Domkapellmeister Andreas Bollendorf, die Orgel spielte Prof. Tomasz Adam Nowak. Beim Pontifikalamt im Dom sang der Stadtdekanatschor unter Leitung von Bezirkskantorin Jutta Bitsch.

Text: Bischöfliche Pressestelle
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