Guter Hirte mit Humor und Pragmatismus

, Bistum Münster, Kreisdekanat Kleve

Was macht einen guten Priester aus? Um das anschaulich zu erklären, fährt man am besten nach Elten und besucht Pastor Günter Leuken. Der 92-Jährige ist ein humorvolles Original und im schönsten Sinne des Wortes ein Seelsorger. Einer mit hoher Empathie, innerer Weite, tiefer Gelassenheit und pastoralem Pragmatismus – gespeist aus einer tiefen Gläubigkeit, die nicht verengt, sondern Freiheit eröffnet. Vor 65 Jahren, am 2. Februar 1961, wurde er im Dom zu Münster zum Priester geweiht. Auf den Fotos von damals sieht Günter Leuken Heinz Rühmann aus den Pater-Brown-Filmen täuschend ähnlich.

Seit 65 Jahren ist Günter Leuken Priester – das Eiserne Weihejubiläum feiert er am 1. Februar in Elten.

© Bistum Münster

Porträtfoto von Karin Wollschläger

Die Autorin: Dr. Karin Wollschläger ist Co-Büroleiterin Hauptstadt/Ostdeutschland bei der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Sie ist am Niederrhein aufgewachsen und kennt Günter Leuken seit ihrer Kindheit.

© KNA/Oppitz

Zahllose Anekdoten kann er aus seinem Weihekurs erzählen. Man hat den Eindruck, dass die 50 jungen Männer viel heiteren Unsinn gemacht haben und das Priesterwerden damals von größerer Leichtigkeit begleitet war. Doch den jungen Günter Leuken trieben auch die tiefen Gottes- und Existenzfragen um, das Ringen um den eigenen richtigen Weg. Halt gab ihm dabei sicher die vorbehaltlose Unterstützung seiner Eltern in Geldern, deren einziger Sohn er war. Zugleich sah er in seinem Umfeld, dass Lebenswege längst nicht immer gerade verlaufen. 

In dieser Gemengelage entwickelte Günter Leuken eine hohe Sensibilität für die Bruchlinien des Lebens, die ihn – gepaart mit seinem Gottvertrauen – zu einem guten Seelsorger macht, der Menschen beisteht, Unklares mit ihnen aushält und ihnen Mut macht. Der aber auch gesellig ist und gern mit ihnen feiert, vor allem Schützenfeste (nicht nur, weil er selbst ein guter Schütze ist).  Günter Leuken ist stets nah bei den Menschen und teilt mit ihnen Freude und Hoffnung, Trauer und Angst, wie es an einer zentralen Stelle der Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils (1963-65) heißt.

Dieser große Aufbruch-Moment der katholischen Kirche prägte vor allem seine Kaplansjahre. Günter Leuken probierte eifrig die neuen Möglichkeiten aus, wie etwa die Messe „zum Volk“, mitunter sogar schneller als die Bistumsleitung in Münster. Legendär wurden auch seine Jazz-Messen. 1974 wurde Günter Leuken Pfarrer von Asperden und blieb es 34 Jahre lang bis zu seiner Emeritierung 2007 und dem Umzug nach Elten. 

Als meine Eltern 1976 heirateten, fragte ihn meine evangelische Mutter, ob sie für die Hochzeit katholisch werden solle – wozu sie bereit gewesen wäre. Seine für die damalige Zeit ungewöhnliche Antwort lautete: „Du bist mir evangelisch lieber, als wenn du nur der Hochzeit wegen katholisch wirst. Wäre ich Kind evangelischer Eltern, wäre ich jetzt vermutlich evangelischer Pfarrer.“ 

Nicht nur in ökumenischer Hinsicht bewies Günter Leuken früh Weitsicht und zeichnete sich durch eine große innere Freiheit aus. Auch Messdienerinnen gab es in Asperden schneller als anderswo. Ich erlebte Günter Leuken als einen Pastor, der sich in Reformfragen nicht mit Münster oder gar Rom anlegte, sondern einfach in seiner Pfarrgemeinde nach pragmatischen Wegen suchte, den Menschen in ihren Anliegen gerecht zu werden.

Auch seine Predigten, die er teils – großes Highlight – mit Diabildern ergänzte, weiteten oft den Blick. Wenn er etwa erläuterte, dass im alten Ägypten bei der Inthronisation des als Gott verehrten Pharao dessen Mutter den Ehrentitel „junge Frau“ bekam. Am Asperdener Pfarrhaus steht in großen Lettern das, was Günter Leuken authentisch verkörpert: „Pastor bonus“ – guter Hirte. Er hat mein Bild von einer menschlichen Kirche nachhaltig geprägt. So lange es gute Hirten wie ihn gibt, ist nichts verloren.

Die Autorin
Dr. Karin Wollschläger, ist Co-Büroleiterin Hauptstadt/Ostdeutschland bei der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Sie ist am Niederrhein aufgewachsen und kennt Günter Leuken seit ihrer Kindheit.

Info
Pastor Günter Leuken lädt zur Feier seines Eisernen Priesterjubiläums am Sonntag, 1. Februar, ab 9 Uhr in die Pfarrkirche St. Vitus in Emmerich-Hochelten ein. Im Anschluss an die Festmesse ist im St.-Martinus-Stift Elten ein Frühstücksempfang. Statt über Geschenke freut er sich über Spenden für die Caritaskonferenz St. Vitus Emmerich.