Haltern am See neue Begegnungsstätte am Asylbewerberwohnheim

Wenn Weihbischof Dieter Geerlings, Halterns Bürgermeister Bodo Klimpel und Pastoralreferent Michael Finck sich allesamt die Ehre geben, dann muss eine Aktion schon etwas Besonderes sein.

So besonders, wie die Überraschungsaufgabe der 72-Stunden-Aktion für die Landjugend Haltern und die Messdienerleiterrunde St. Laurentius, die Bürgermeister Klimpel am Donnerstagnachmittag höchst persönlich verkündete. Das Ziel: Eine Begegnungsstätte für das Asylbewerber-Wohnheim am Lorenkamp in Haltern gemeinsam mit den Asylbewerbern bauen.

Trotz strömenden Regens legen die beiden Gruppen direkt los und stellen kurzerhand provisorisch einen Pavillon auf, statt sich vom Wetter abschrecken zu lassen. Die erste Herausforderung: Planen, was benötigt wird und dann so lange herumtelefonieren, bis nette Helfer aus der Umgebung gefunden sind, die am besten sofort Gerät und Maschinen für den Bau zur Verfügung stellen und Material spenden. Gesagt, getan! Noch am selben Abend kämpfen die jungen Erwachsenen sich wacker durch eine etwa 2m x 3m große provisorische Betonplatte, an deren Stelle am Ende die einladende Begegnungsstätte stehen soll. "Anfangen im Regen ist schon mal ein gutes Zeichen, dass wir das packen wollen", findet David Schütz vom Caritasverband Haltern. Sorgen gab es am Anfang noch wegen der kleinen Zahl der Helfer: "Ursprünglich hatten wir Helfermangel, weil die meisten in der Landwirtschaft tätig sind und es da schwierig ist, am Wochenende frei zu bekommen. Wir haben bei Weitem nicht damit gerechnet, dass sich dann letztlich doch noch so viele frei nehmen und mithelfen", erzählt die 19-jährige Luisa Schulte aus dem Vorstand der KLJB Haltern. "Ich finde das total super, weil es auch den Zusammenhalt der Gruppe enorm stärkt."

Samstag Mittag steht – pünktlich zum Besuch des Weihbischofs – das neue Fundament. Darauf sind Bänke in Beton eingelassen, Steinasche ist ausgelegt und die ersten Pflastersteine werden festgehämmert. Wie ein perfekt eingespieltes Team wirken die jungen Männer, die sich mit viel Präzision um die handwerkliche Arbeit kümmern. Jeder Handgriff sitzt, jeder scheint genau zu wissen, was er zu tun hat: Boden bearbeiten, Schubkarre voller neuer Steine heranfahren, Steine in einer Kette bis zu demjenigen reichen, der sie an der passenden Stelle anreiht und festklopft, weitere Steine mit der Flex anpassen. Zwar wechseln sie gelegentlich durch, doch "jeder hilft irgendwo mit, wo es gerade nötig ist", sagt der 23-jährige Kai Lehmkuhl von der Landjugend Haltern.

Dennoch ist eine relativ feste Arbeitsteilung zu erkennen: Die jungen Männer kümmern sich um die handwerklichen Aufgaben, während die jungen Frauen die wichtigen Telefonate führen, Einkauf, Verpflegung und Materialien organisieren, alles abholen und später den kreativen Teil des Bepflanzens übernehmen. Kai findet es toll, dass die Asylbewerber von der gemeinsamen Arbeit der Gruppen profitieren: "Diese Menschen sind vielleicht selber nicht dazu im Stande, so etwas für sich aufzubauen – sei es finanziell, körperlich oder vom Fachwissen und den Geräten her. Wir machen das, um den Leuten, die sozial benachteiligt sind, eine Perspektive zu geben und ihnen zu zeigen, dass sie in unserer Gesellschaft willkommen sind."

Die Asylbewerber sind bei dieser Aktion ein wenig zurückhaltender. Dennoch ist die künftige Begegnungsstätte schon während ihrer Entstehung zu einem Ort der Begegnung geworden. Immer wieder bringen einzelne sich helfend ein, wollen die Jugendlichen unterstützen. Am Rande der kleinen Baustelle spielt der 23 Jahre alte Richard van Pikarski von der Messdienerleiterrunde St. Laurentius mit vier kleinen Kindern aus dem Asylbewerber-Wohnheim. Zwei von ihnen sitzen auf einem Berg aus Erde in einer Plastik-Muschel, die der junge Mann beim runterrutschen sicher festhält. Die Kinder lachen und haben Spaß. Später erzählt Richard: "Es ist für mich das erste Mal, dass ich hier mitmache und ich finde es unheimlich schön. So eine Aktion öffnet den eigenen Horizont. Ich wusste vorher nicht einmal, dass es dieses Asylbewerberheim gibt." Aber auch die Menschen, die dort leben, haben schon von Beginn an ersten Kontakt zu den fleißigen Helfern gesucht: "Als wir am Donnerstag hier waren und geplant haben, kamen die Bewohner schon nach einer Stunde zu uns und haben uns zum Kaffee eingeladen. Unglaublich liebe Menschen." Kaffeetisch und Stühle für jeden hätten bereits draußen gestanden und ein Sonnenschirm provisorisch als Schutz vor Regen gedient. Von einem der Männer erzählt Richard: "Obwohl er nur gebrochen Deutsch konnte, haben alle verstanden was er meinte. Und er hat sich gefreut, dass wir uns über den Kaffee gefreut haben."

Der 23-jährige Milos Alijevic aus Serbien wohnt schon seit fast acht Monaten mit seiner Frau und seinen zwei und drei Jahre alten Kindern im Asylbewerber-Wohnheim. Er spricht bereits besser Deutsch, als viele andere dort und sagt über die Aktion: "Das ist super, vor allem für die Kinder! Aber auch für uns alle. Wir können hier sitzen und grillen und es sieht auch schön aus. Alle hier sind glücklich und zufrieden damit. Wir verstehen uns gut mit den Jugendlichen und sind alle freundlich zueinander." Grillen werden die Asylbewerber künftig mit einer Grillplatte, die die Jugendlichen spontan aus übrig gebliebenem Beton gegossen haben. Doch noch mehr werden sich die Kinder dort wohl über die Rutsche freuen, die die fleißigen Helfer in stundenlanger Arbeit vom Rost befreit und frisch gestrichen haben. Außerdem wird es dank einer Rasenspende bald einen kleinen Bolzplatz für die Kleinen geben, dessen Stangen gleichzeitig als Wäscheleinen für die Mütter dienen können. Beim Bepflanzen der Blumentöpfe helfen die Asylbewerber – vor allem die Kinder und Frauen – dann ebenfalls eifrig mit.

Caritas-Mitarbeiter David Schütz, der auch Mitglied im Asylkreis ist, erläutert, weshalb er dieses Jahr erneut mit den Messdienerleitern bei der 72-Stunden-Aktion mitgemacht hat: "Wir haben uns sehr gefreut, als der BDKJ sich gemeldet hat. Das hat 2009 schon viel Spaß gemacht, als wir als Get-It-Aktion ein Kräuterbeet für Demenzkranke gemacht haben. Da wussten wir: Das kann nur gut werden!" Um den Erfolg der Begegnungsstätte auch nach der zu sichern und wirklich Begegnungen zu gewährleisten, will er nun seinen Teil dazu beitragen, indem er die Treffen des Asylkreises ein bis zwei Mal im Jahr dorthin verlegt: "Das letzte Projekt hat jetzt schon vier Jahre Freude bereitet. So soll es hier auch sein."

Text: Nicole Priskic/Thomas Mollen
Foto: Michael Bönte
Kontakt: mollen[at]bistum-muenster.de