Haus der Familie in Münster feiert 60-jähriges Bestehen

Es ist "seit 60 Jahren ein springender Punkt, und das mitten in Münster": So beschreibt Geschäftsführerin und Leiterin Edith Thier das Haus der Familie in Münster.

Die Einrichtung feiert am Freitag, 23. September, ihr 60-jähriges Bestehen mit mehr als 200 Gästen, einem interreligiösen Konzert und einer internationalen Suppenküche. Außerdem ist in der Einrichtung am "Krummen Timpen" bis Donnerstag, 6. Oktober, eine interreligiöse Fotoausstellung zu sehen, die zum Thema Glaubensleben Arbeiten je eines christlichen, eines jüdischen und eines muslimischen Künstlers zeigt.

Ursprünglich, berichtet Thier, habe man eher das Konzept einer klassischen Jubiläumsveranstaltung verfolgt. Dann aber habe man angesichts der Flüchtlingssituation, die auch Münster verändert habe und verändere, das Jubiläum umgeplant. "Denn das, was wir in der Einrichtung bereits mit vielen Initiativen wie dem transkulturellen und interreligiösem Lernhaus der Frauen umsetzen und leben, muss sich auch im Jubiläum selbst widerspiegeln", erklärt Thier. Deshalb findet nun ein Konzert mit der interkulturellen Formation Avram statt. Bei der anschließenden Internationalen Suppenküche könne man für kreatives Projekt mit geflüchteten und deutschen Kindern spenden. Und, das ist Edith Thier besonders wichtig: "Es kommen auch Menschen, die bei solchen Anlässen sonst nicht so unbedingt eingeladen werden."

Dass das 60-jährige Bestehen überhaupt gefeiert werden kann, weil sich das Haus der Familie als Einrichtung der Familien- und Erwachsenenbildung einen Namen in Münster gemacht hat, führt sie unter anderem darauf zurück, dass die Einrichtung in Münster bestens vernetzt ist und Menschen in verschiedenen Lebenssituationen anspreche. "Von Anfang an, also von vor der Geburt, bis ins Alter können Menschen hier durch Angebote Orientierung und Bildung erfahren", sagt Thier. Diese inhaltliche Breite kommt an: Rund 16.000 Erwachsene und 4.500 Kinder nehmen jährlich an Angeboten des Hauses der Familie teil.

Die Angebote umfassten die Bereiche Elternschule, Erziehung, Theologie, Essen und Trinken, Nähen, Kultur sowie Fitness und Entspannung. Circa 1.500 Veranstaltungen mit rund 21.000 Unterrichtsstunden gebe es jährlich, schätzt Thier. Wichtig sei vor allem die Unterstützung für Menschen in schwierigen Lebenssituationen. Gerade beispielsweise nach dem Verlust eines Kindes, bei Krisen durch Arbeitslosigkeit, Beziehungsprobleme oder Krankheit oder für geflohene Menschen biete das Haus der Familie eine Anlaufstelle.

Das Erfolgskonzept des Hauses der Familie vermutet deren Leiterin darin, "dass wir eine Einrichtung sind, die sich aktuellen Herausforderungen stellt." Das Haus sei eine "lernende Organisation", in der sich Mitarbeitende und Angebote nach aktuellen gesellschaftspolitischen Entwicklungen richteten. Als Beispiel dafür hätten sich die dezentralen Angebote beispielsweise in Kindertagesstätten und Familienzentren ausgeweitet: 40 Prozent der Angebote fänden nicht am "Krummen Timpen", sondern vor Ort bei den Menschen statt. Außerdem gehörten Projekte mit "bildungsungewohnten Familien" heute fest zum Programm.

Grundsätzlich seien alle Angebote offen "für Menschen aller Kulturen und Religionen, die Bildung und Begegnung suchen." Denn: "Wir vertrauen auf die Ressourcen eines jeden Menschen und darauf, dass sich Menschen auf Bildung und Begegnung einlassen, und damit über ihre Grenzen hinauswachsen und Zukunft gestalten", fasst Edith Thier die Haltung des Hauses zusammen. Diese ist damit auch eindeutig christlich: "Für uns gilt die Zusage Jesu: ,Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.‘"

Die katholische Ausrichtung spiegele sich in der Arbeit wider. "Es ist eine Haltung von Leitung, Mitarbeitenden, die sich äußert in Angeboten, Teamkultur, Begegnung mit Kursleitenden, Teilnehmenden und Gästen in unserer Einrichtung", sagt Thier, "wir sind uns bewusst, dass vieles von dem, was wir umsetzen, auch Geschenk ist." Ein Geschenk, das das Haus der Familie auch über sein 60-jähriges Bestehen hinaus möglichst vielen Menschen machen möchte.

Text: Bischöfliche Pressestelle / 22.09.16
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Foto: Haus der Familie