„Es ist mir eine große Ehre, ein Vergnügen und zugleich ein Privileg“, im Oldenburger Münsterland zu sein. „Ich möchte Sie gerne kennenlernen, mitbekommen, wie es Ihnen geht und vor allem ganz viel zuhören“, begründete er bei der Begrüßung in Emstek seine Motivation zu der Veranstaltung. „Meine große Leitfrage für die Pilgertage lautet: Welche Erfahrungen machen Sie mit dem Glauben und mit Gott?“ Die persönlichen Erfahrungen der Menschen seien ihm unglaublich wichtig.
Zum gemeinsamen Pilgerweg eingeladen waren Männer und Frauen aus der Arbeitswelt. Unter den Pilgern waren auch Soldaten, Lehrerinnen, Ingenieure, Monteure, Polizistinnen, Erzieher, Unternehmensberater, Landwirte, Altenpfleger: Arbeitnehmer aus ganz unterschiedlichen Berufen aus allen Regionen des Oldenburger Landes machten sich mit Bischof Heiner auf den rund 10 Kilometer langen Pilgerweg.
Nach einem Picknick in Höltinghausen setzten sich die Teilnehmenden auf Basis eines Verses aus dem Evangelium mit ihrem Glauben im Alltag auseinander. „Spielt der Glaube im Arbeitsalltag eine Rolle“, war eine Frage. „Was ist dir auf der Arbeit heilig“, fragte sich eine andere Gruppe. „Was stärkt mich, um in meinem Beruf arbeiten zu können“, war Thema in einer dritten Gruppe. Nach etwa 45 Minuten intensiver Gespräche wurde mit einem Gebet die zweite Etappe des Pilgerwegs eingeleitet. „Ich bin immer noch ganz erfüllt von den Glaubensgesprächen, ich bin ganz beseelt von ihren Geschichten“, betonte er. Auf Plattdeutsch dankte er den Menschen in Höltinghausen für die gute Bewirtung und die herzliche Gastfreundschaft.
Ziel des Pilgerwegs war der Marienwallfahrtsort Bethen bei Cloppenburg. Unter dem Applaus von rund 1500 Menschen zog die Pilgergemeinschaft auf den Platz an der Basilika. „Ich habe Menschen getroffen und ihnen zugehört, aus unterschiedlichen Berufsgruppen“, berichtete er der Gottesdienstgemeinde. Wilmer betonte die Bedeutung des Wallfahrtsortes nicht nur für das Oldenburger Land, sondern für die Christen in ganz Deutschland darüber hinaus.
Zu Beginn des Gottesdienstes gaben sechs Pilgerinnen und Pilger eine Resonanz aus den Glaubensgesprächen. „Glaube muss glaubwürdig sein. Es kommt nicht auf die großen Taten an, sondern auf die kleinen Dinge im Alltag: das Gespräch an der Supermarktkasse oder in der Kneipe“, sagte eine Pilgerin. „Der Glaube ist Kraftquelle in herausfordernden Lebenssituationen. Das erfahren wir besonders in schwerer Krankheit“, wurde aus einem anderen Gespräch berichtet. Und: „Glaube wird erfahrbar in der Gemeinschaft. Sie sollte im Fokus sein, damit der christliche Glaube weitergetragen wird.“
Später in seiner mit großem Applaus gewürdigten Predigt sprach Wilmer über seinen ersten Pilgertag. Er sprach den Kreuzkampf an, den mutigen Einsatz der Christen im Oldenburger Land. „Treue im Widerstand, damit gutes Leben für alle gelingt. Ein großes Thema, ein Wunsch, ein Ton, der die heutigen Liturgietexte durchzieht“, erklärte er und rief zu gesellschaftlicher Wachsamkeit und innerer Einkehr auf. Mit Blick auf die moderne Erschöpfung in einer hoch technologisierten, aber zunehmend einsamen Leistungsgesellschaft empfahl Wilmer eine Rückbesinnung auf Phasen der Ruhe und des Gebets. In einer von Komplexität und Zukunftsängsten geprägten Zeit brauche es Orientierung und Gemeinschaft, die Halt geben.
Historischen Halt biete dabei die starke Tradition des Oldenburger Landes. Der Geistliche erinnerte an den Mut einer damals 15-jährigen, die inzwischen Großmutter ist. 1936 während des historischen Kreuzkampfes brachte sie nachts heimlich mit anderen Jugendlichen die von den Nationalsozialisten abgehängten Schulkreuze wieder an. Cloppenburg sei damals das politische und der Wallfahrtsort Bethen das geistliche Zentrum dieses mutigen Widerstands gewesen. Er mahnte, diese stolze Tradition fortzusetzen, als Christen für den Glauben und die Demokratie einzustehen sowie anstehende politische Wahlen „bewusst und überzeugt“ mitzugestalten.
„Es ist wunderbar, dass sich so viele Menschen uns angeschlossen haben, um die Eucharistie zu feiern. Wir sind außerordentlich dankbar und glücklich, dass du unser neuer Bischof wirst“, sagte Weihbischof Wilfried Theising. „Herzlich willkommen bei uns!“ Es sei schön, dass er schon vor der Amtseinführung im Oldenburger Land sei. Wilmer sei das Oldenburger Land nicht ganz fremd, berichtet der Weihbischof. „Aber ich glaube, du hast heute mit dem Pilgerweg ein Zeichen gesetzt, um deutlich zu machen: Ich möchte tiefer eintauchen. Ich möchte tiefer in die Begegnung, in das Miteinander. Ich möchte die Menschen hier kennenlernen und für sie als Bischof, als Hirte, als Gesprächspartner, als Seelsorger da sein,“ betonte Theising.
Im Anschluss an den Gottesdiensten blieben viele Hundert Menschen für das Fest der Begegnung und suchten das direkte Gespräch mit ihrem künftigen Bischof.
Johannes Hörnemann/Offizialat Vechta