Ich taufe, verheirate, predige und beerdige – alles, was dazugehört
Er tauft Kinder, traut Paare, predigt im Gottesdienst, beerdigt Verstorbene, kann aber parallel Beruf und sogar Familie haben:
Das Amt des Diakons ist in der katholischen Kirche ebenso wichtig wie vielfältig, kann hauptamtlich oder mit Zivilberuf ausgeübt werden.
Über Inhalte und Voraussetzungen informiert am Samstag, 22. November, das Institut für Diakonat und pastorale Dienste (IDP) in Münster (Goldstraße 30). Einer, der das Amt aus eigener Erfahrung genau kennt, ist Dr. Ralf Hammecke aus Münster.
Vor 17 Jahren hat er sich für das Ständige Diakonat entschieden. Nach dem Abitur zog er zunächst ins Bischöfliche Priesterseminar Borromaeum in Münster und studierte Theologie und Volkswirtschaftslehre in Münster und Rom. Nachdem er aber nach dem Studienabschluss seine künftige Frau kennengelernt und sich für einen anderen Weg entschieden hatte, beschloss Hammecke einige Jahre später, sich zum Diakon weihen zu lassen. "Mich hat dieser Wunsch nie ganz losgelassen, ich stand immer mit meinem geistlichen Begleiter in enger Verbindung", sagt der 49-Jährige. Im Zivilberuf ist Hammecke seit 2010 Geschäftsführer der Friedhofskommission in Münster. Zuvor arbeitete er dreizehn Jahre in der Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt in verschiedenen Verantwortungsbereichen.
Seit seiner Weihe im Jahr 2001 ist Hammecke in St. Lamberti und im St-Paulus-Dom mit unterschiedlichen Aufgaben tätig. "Ich taufe, verheirate, predige, begleite Menschen jeden Alters und beerdige – alles, was zur Seelsorge gehört", sagt er.
Aus der Bank ausgeschieden ist er 2004, "vor allem wegen der Familie".
Hammecke und seine Frau haben eine 16-jährige Tochter und einen achtjährigen Sohn. Wechselnde Arbeitsorte, wie sein Job in der Bank sie erfordert hätte, seien keine dauerhafte Option gewesen, auch, weil seine Frau in Münster arbeitet und ihm nicht dauernd hinterherreisen wollte. Zudem promovierte Hammecke von 2004 bis 2007. "Es ist wichtig, dass der Partner unterstützt", betont Hammecke, "vor allem, wenn zum Zivilberuf das Diakonat hinzukommt. Aber ich glaube, dass es uns gut gelingt, Beruf, Familie und Ehrenämter harmonisch zusammenzubringen."
Die Verbindung zum alten Arbeitsfeld bei der Bank spürt der 49-Jährige heute noch. Denn im jetzigen Beruf trägt er weiter wirtschaftliche Verantwortung, auch für die Mitarbeiter. Hinzu kommt die Arbeit als Diakon. Mehr als 40 Beerdigungen im Jahr, Hochzeiten und zahlreiche Taufen mit Vorbereitungsgesprächen sowie die seelsorgliche Begleitung füllen am Wochenende und nach Feierabend Hammeckes Kalender. "Der zeitliche Aufwand ist nicht gering, aber ich spüre das nicht als Belastung", sagt er. In der Predigt etwa könne er Menschen erreichen und ihnen weiterführende Gedanken mitgeben. Auch die zahlreichen Gespräche erfährt Hammecke als Bereicherung. "In diesem Beruf muss man vor allem ein Interesse am Menschen haben und sie zeitgenössisch und persönlich begleiten", erklärt er.
Wichtig sei ihm jedoch ebenso, für seine eigene Spiritualität Freiräume zu haben. "Regelmäßig nehme ich mir am Tag Zeit für das persönliche Gebet. Dann kann ich mich mit grundsätzlichen Fragen konfrontieren und mich der Botschaft des Evangeliums stellen", erläutert Hammecke. Für ihn sei der Glaube heute eine bewusste Entscheidung, etwas, das tief in die Persönlichkeit einwirke, weil es präge und Perspektive gebe.
Auch seine Sozialisation hat Hammecke zum Diakonat bewegt. Bereits mit neun Jahren war er Messdiener am Dom, seine Kinder sind dort ebenfalls aktiv. Kindheit, Jugend, Studium – durchgängig habe er eine Bindung zum katholischen Glauben gehabt. "Es ist wichtig, privates und kirchliches Engagement zu verbinden, das muss passen, ein integraler Bestandteil der Biographie sein, und nicht aufgesetzt erscheinen", beschreibt Hammecke. Für ihn sei das Diakonat "ein erfüllender Weg, der das Alltägliche zu einer ganz anderen, neuen Qualität führt. Ich versuche, meine Überzeugung weiterzugeben, dass wir nicht dem Zufall überlassen sind, sondern unserer christlichen Hoffnung trauen dürfen." Die frohmachende Botschaft des Glaubens an den Auferstandenen immer wieder neu persönlich zu reflektieren und weiterzugeben, führe ihn auch im Amt zur Konzentration auf das Wesentliche des Daseins.
Wichtig jedoch, betont der 49-Jährige, ist ihm bei all der Arbeit seine Familie. "In meiner Partnerin erfahre ich ein Korrektiv", sagt er, "das führt jedoch nicht zu weniger, sondern zu mehr Freiheit. Ich schöpfe Kraft aus meiner Partnerschaft, und unsere Kinder erden mich."
Männer, die sich vorstellen könnten, einen ähnlichen Weg wie Dr. Ralf Hammecke zu gehen, und deren Ehefrauen sind am Samstag, 22. November, von 9.30 bis 12 Uhr in das IDP eingeladen. Thematisiert werden sowohl die theologische Bedeutung des Diakonats als auch der Ausbildungsweg und die Voraussetzungen der Bewerber.
Um Anmeldung bei der Diözesanstelle Berufe der Kirche unter Tel. 0251 / 495-272 oder über die Internetseite www.berufe-der-kirche-muenster.de wird gebeten.
Text: Bischöfliche Pressestelle
Kontakt: Pressestelle[at]bistum-muenster.de
