Indonesien: Einsatz für den Frieden unter Lebensgefahr
Zu Weihnachten sollen Christen andere Menschen in den Blick nehmen, auch, wenn sie so weit entfernt sind wie zum Beispiel in Indonesien. Dort, auf der Insel Sumba, arbeitet die aus Epe (Gronau) stammende Schwester Mathilde Franke in der Mission.
Die 67-Jährige vom Orden der Schwestern der Liebe vom kostbaren Blut baut zurzeit eine katholische Hochschule mit auf. Zwar spielt ihre zweite Heimat in deutschen Medien kaum eine Rolle, umso mehr aber weiß die Ordensfrau zu berichten über die Lage in dem Inselstaat – gerade in der Advents- und Weihnachtszeit.
Wie schwer es oft sei, Gottes weihnachtliche Geschenke "Liebe und Kraft, Weisheit und Frieden, Vergebung und Geduld ins Leben hineinzustellen", sei ihr angesichts der vielen Gefährdungen auf Sumba im letzten halben Jahr besonders deutlich geworden. Und doch habe die Lage dort viel mit der Weihnachtsbotschaft und dem Einsatz für den Frieden zu tun.
Ausgangspunkt ist die politische Situation. Im August wählten die Sumbanesen den Regierungschef von Westsumba. Laut Schwester Mathilde habe der Amtsinhaber gewonnen. Versuche seiner Gegner, dennoch seinen Herausforderer als Regierungschef zu proklamieren, hätten zu schweren Auseinandersetzungen geführt. "Man glaubt es kaum, auch nicht auf Sumba, dass heute noch Menschen, die einen mit Pfeil und Bogen, die anderen mit Speeren und Lanzen, aufeinander losgehen", beschreibt die Ordensfrau die Situation.
Krieger eines bestimmten Stammes hätten das Wahlbüro, in dem die Stimmen ausgezählt wurden, umzingelt. Unliebsame Mitglieder des Wahlausschusses seien entlassen und dessen Leiter schwer bedrängt worden. "Man zwang ihn, ein gefälschtes Ergebnis zu unterschreiben", schildert Schwester Mathilde. Warum er dies tatsächlich getan habe, habe er – ein früherer Kollege – ihr später erzählt: "Sonst wäre nicht nur ich umgebracht worden;, sondern es wäre zu Kämpfen zwischen den Stämmen und zu großem Blutvergießen gekommen. Außerdem war ich fest davon überzeugt, dass diese Angelegenheit ohnehin vor das Hohe Gericht in Jakarta kommen und der richtige Kandidat per Gerichtsurteil proklamiert werden würde.”
Um sich für ein wahrheitsgemäßes Wahlergebnis einzusetzen, so Schwester Mathilde weiter, sei der noch amtierende Regierungschef Bapak Kornelis Kodi Mete in die Hauptstadt Jakarta geflogen. Bei seiner Rückkehr habe ihn der Stamm der Kodinesen, der ihn unterstütze, bewaffnet empfangen, um ihn zu schützen. Der gegnerische Stamm habe auf eine Gelegenheit zum Angriff gewartet – und trotzdem sei der Regierungschef als überzeugter Katholik auf die Menschen zugegangen und habe sie "wie ein Vater" aufgefordert, friedlich in ihre Häuser zurückzukehren. "Fast den ganzen Weg zum Regierungsgebäude ging er zu Fuß, um den Menschen nahe zu sein, nicht wissend, wer ihm Freund oder Feind ist", berichtet Schwester Mathilde, "er warf sein Leben in die Waagschale für den Frieden."
Inzwischen allerdings habe das Hohe Gericht, ohne die Wahlurnen zu prüfen, den gefälschten Wahlsieg bestätigt und den Herausforderer zum Regierungschef erhoben. Neue Wut bei den Kodinesen sei die Folge gewesen. Nur nach dem persönlichen Einsatz von Kornelis Kodi Mete sei die Wahlfälschung doch noch festgestellt worden. Bis dahin aber habe es schon viele Tote und schlimme Morde gegeben. "Selbst die Kranken im Krankenhaus werden bedroht. Alte Rechnungen werden beglichen, Menschen flüchten zu Verwandten oder notfalls in die Höhlen am Meer. Auch wir mit unseren Haushaltsschülerinnen evakuieren in das Redemptoristenkloster. Es wird geraubt und gestohlen. Ganze Dörfer werden niedergebrannt", beschreibt die Ordensschwester.
Nachdem sich dann herausgestellt habe, dass einer der Richter in Jakarta bestochen worden sei, seien die Unruhen auf ganz Indonesien übergegangen. Das Vertrauen des Volkes "hat Schaden genommen, auch wenn dieser Richter im Gefängnis sitzt und ihm der Schwurfinger abgeschnitten wurde als Zeichen seiner ungerechten Rechtsprechung." Auch der Wahlleiter, der um des Friedens willen das falsche Ergebnis unterschrieben habe, müsse ins Gefängnis.
Für die Lösung der Situation auf Sumba fehle nun die gesetzliche Grundlage. Schwester Mathilde ist sich aber sicher: "Keiner der beiden Kandidaten wird Regierungschef. Vielleicht wird einer von außerhalb ernannt." Die Entscheidung falle am 27. Dezember, bis dahin heiße es: "Warten, hoffen und beten um den Frieden."
Trotz allen Leids erkennt die Ordensfrau in der Situation etwas von der weihnachtlichen Botschaft: "Zwei Männer setzten sich für den Frieden ein: Der Wahlleiter geht ins Gefängnis, weil er Blutvergießen vermeiden wollte; der amtierende Regierungschef – obwohl er Wahlsieger ist – setzt sein Leben aufs Spiel und verzichtet auf den Sieg, weil er Frieden will. Solche Menschen lassen mich auf eine gute Zukunft hoffen – gerade zu Weihnachten."
Text: Bischöfliche Pressestelle
Kontakt: pressestelle[at]bistum-muenster.de
