Interreligiöse Friedenswallfahrt

Einzelheiten zur interreligiösen Friedenswallfahrt am 28. August haben der Friedensaktivist Rupert Neudeck, Wallfahrtsrektor Domkapitular Rolf Lohmann und weitere Organisatoren im Priesterhaus in Kevelaer vorgestellt.

Der 28. August ist ein ganz besonderer Tag. An diesem Tag hat Martin Luther King 1963 seine historische Rede vor dem Lincoln Memorial in Washington gehalten. Dort sprach er den Satz, der um die Welt ging und der die Menschen, die sich nach Frieden und Gerechtigkeit sehnen, heute noch aufrüttelt: "I have a dream ¬– ich habe einen Traum". Neudeck ist ein Mensch, der in seinem Leben immer wieder gehandelt hat, damit die Welt besser und friedlicher wird, und zwar zunächst in dem Engagement für die vietnamesischen Bootsflüchtlinge mit der Cap Anamur Ende der 70er Jahre, später durch die Gründung des Friedenscorps "Grünhelme".

"We have a dream ¬– wir haben einen Traum", so beschrieben Neudeck, Lohmann und Elke Kleuren-Schryvers von der Aktion ‚Pro Humanität‘, die Idee der interreligiösen Friedenswallfahrt, die in Gesprächen der Beteiligten, die sich um das Thema Frieden und Brückenbauen drehten, entstanden sei. "Ein großes Unternehmen, das nur aus der Liebe zum Frieden enstehen kann", umriss Neudeck die Absicht, Muslime, Juden, Christen, Hindus und Jesiden zusammenzubringen in dem unbedingten Willen, der Welt die "Kraft des Zusammenlebens" zu zeigen. Niemand sei ausgeschlossen, an diesem Tag für den Frieden in besonderer Weise unterwegs zu sein, es sei denn, er schließe sich selbst aus.

"Kennen Sie einen besseren Ort als Kevelaer, um eine solche Wallfahrt für den Frieden durchzuführen?", fragte Neudeck. Lohmann unterstrich dies mit einem Hinweis auf die Gottesmutter, die in Kevelaer als "Trösterin der Betrübten" verehrt wird. So werde die Bedeutung des Ortes im Hinblick auf den Schutz der Menschen vor Hass und Streit und den Willen, in Frieden zu leben, noch deutlicher.

Die theologische Frage, ob man trotz unterschiedlicher Religion zusammen beten könne, ist Neudeck zu theoretisch. "Das ist eine sehr europäische Sicht auf die Dinge." Mit seinen Grünhelmen baue er gerade mit Muslimen eine "Kirchenmoschee" als gemeinsames Projekt in Ruanda, und zwar als Gebetsort an einer Stelle, an der viele Menschen bei dem Völkermord in dem afrikanischen Land ihr Leben verloren hätten. "Dort werden solche Fragen nicht problematisiert."

Bei der Friedenswallfahrt in Kevelaer werde jede religiöse Gruppe eigene Ausdrucksform wählen, um den Wunsch nach Frieden deutlich zu machen. "An dieser Stelle werden wir zusammen sein, den jeweils Anderen in seinem Tun hörend und schauend wahrnehmen, kennenlernen, respektieren und achten", machte der Domkapitular deutlich.

"Der Tag soll ein enthusiastisches Zeichen setzen", betonte Neudeck. "Wir wollen, dass nicht mehr über den Ausbruch von Kriegen und Konflikten gesprochen wird: Wir wollen, dass der Weltfrieden ausbricht." Dies werde dann möglich, wenn die Menschen, die sich in Kevelaer versammeln, das gemeinsame Denken und Streben mit in ihren Alltag nehmen. Von Kevelaer aus müsse ein Stoß durch die Gesellschaft gehen. Die interreligiöse Friedenswallfahrt solle ein Zeichen sein, dass auch in andere Regionen hinein wirke. "Wir müssen nicht immer nach Santiago de Compostela gehen, wir können auch mal nur für einen Tag weg sein und in unserem Umfeld bleiben." Die Botschaft der Wallfahrt ist für Neudeck auch politisch. Gegnerschaft und Hass müssten durch Gemeinsames überwunden werden. Das gelte besonders für die drei abrahamitischen Weltreligionen. "Wir, die wir an den einen Gott glauben, müssen erkennen, dass wir etwas dafür tun müssen, wenn wir den Frieden wollen", ergänzte Neudeck.

Eine neue Friedensstele, die gerade in Kevelaer durch die Anstrengung von Sponsoren, Planern und Handwerkern entsteht, wird zum Abschluss der Wallfahrt in Szene gesetzt. Sie wird das Friedenslicht tragen, das 1949 von Lourdes aus in die Gnadenkapelle von Kevelaer gebracht worden war und seitdem dort brennt. "Das Symbol der Friedenstele soll deutlich machen: Wir wollen für den Frieden brennen", erklärte Lohmann. "Dieses Zeichen und das Licht werden uns nicht nur an diesem Tag begleiten."

Die Wallfahrt am 28. August wird ab 14 Uhr mit dem Start der verschiedenen Religionsgruppen von unterschiedlichen Orten beginnen. Die Muslime machen sich vom Markplatz in Wetten auf den Weg, die jüdischen Wallfahrsteilnehmer beginnen an der Schule in Winnekendonk, die Christen ziehen schließlich vom Schloss Wissen los. Die Religionsgruppe der Hindu beginnt um 15 Uhr an der Hubertuskapelle in Keylaer.

Gegen 15.45 Uhr werden die Pilger auf dem Kapellenplatz in Kevelaer eintreffen. Die Künstlerin Graziella Schazad begleitet die Ankunft der Teilnehmenden musikalisch. Danach beginnt das Programm mit den verschiedenen Darstellungsformen der Religionen. Neudeck wird die gesamte Veranstaltung moderieren. Interessant werden sicherlich auch Video-Live-Schaltungen nach Ruanda zur Baustelle der Kirchenmoschee oder nach Niger. Von dort aus sendet Erzbischof Laurent Lompo eine Botschaft zur Bedeutung des interreligiösen Dialogs für sein Land, in dem überwiegend Muslime und nur zwei Prozent Christen leben. Auch die Ansprache Martin Luther Kings mit seinem Schlüsselzitat wird den Teilnehmenden gezeigt.

"Am Ende der Veranstaltung werden wir uns gemeinsam die Hände reichen und den Kevelaerer Appell für den Frieden sprechen. Die Resolution haben die Religionsgruppen im Vorfeld der Wallfahrt gemeinsam erarbeitet. Aus diesem Tag wird sich sicher ganz viel entwickeln", zeigt Neudeck, mit wie viel Zuversicht er und seine Mitstreiter dem 28. August entgegenfiebern.

Text: Bischöfliche Pressestelle
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