Es war eine fixe Idee von Jakob Werding aus Münster und seinem Freund Lukas Böck aus Trier. Die Jungs, die von sich behaupten, „ein klein bisschen kirchenverrückt“ zu sein, haben sich nach der Vorstellung von Bischof Dr. Heiner Wilmer am 26. März im St.-Paulus-Dom spontan Vorschläge für sein neues Bischofswappen überlegt – und diese ein paar Tage später an Münsters Diözesanadministrator Dr. Antonius Hamers geschickt. Wenn ein Bischof das Bistum wechselt, wie Wilmer von Hildesheim nach Münster, lässt er sein vorhandenes Wappen meist so überarbeiten, dass es einen Bezug zum neuen Bistum hat.
Die Vorschläge der jungen Leute, die sich über „Pueri Cantores“, dem Verband der kirchlichen Jugendchöre, kennengelernt haben, leitete Hamers an Wilmer weiter. Wie begeistert der künftige Bischof von Münster von der Kreativität der 17- beziehungsweise 18-Jährigen ist, das sagte er Jakob Werding persönlich bei einer zufälligen Begegnung während des Katholikentages in Würzburg: „Supergenial, was Ihr da geschaffen habt.“ Mit kleinen Änderungen schickte Wilmer das Wappen einem Professor für Heraldik nach Rom, der für die abschließende Gestaltung des Wappens kaum noch etwas tun musste. Auch von dem ausgewiesenen Experten gab es für die Arbeit der beiden viel Lob, wie Wilmer beim Gespräch in Würzburg betonte.
Dass ihre Entwürfe, entstanden mit Hilfe eines Grafikprogramms, überhaupt beim Bischof landen und sogar Vorlage für die Anpassung seines Wappens sein würden, damit haben sie nicht gerechnet: „Niemals. Wirklich.“ Als Jakob Werding eine Mail vom Ständigen Vertreter des Diözesanadministrators, Dr. Klaus Winterkamp, in seinem elektronischen Postfach fand, war er deshalb sehr überrascht – und natürlich ebenso erfreut, wie er schnell anfügt: „Die Mail – mit Grüßen von Bischof Wilmer – war eine Einladung, ins Bischöfliche Generalvikariat zu kommen.“
Jakob Werding packte alle Unterlagen zusammen und besuchte Klaus Winterkamp in seinem Büro am Domplatz. Gemeinsam warfen sie noch mal einen Blick auf das Wappen und ergänzten die Vorlage um Bischof Wilmers Wünsche. Der, wie Jakob Werding inzwischen weiß, mag es schlicht und schnörkellos.
Was es mit einem Bischofswappen auf sich hat, was zu berücksichtigen ist und was es ausdrücken soll, darüber hatte sich Jakob Werding zuvor bei einer Internet-Recherche schlau gemacht. „Für viele sehen die Wappen alle gleich aus“, glaubt der Schüler. Bei genauerem Hinsehen entdecke man aber Unterschiede: „Wappen sind etwas sehr Personalisiertes.“
Das Wappen des neuen Bischofs von Münster greift Motive des Wappens auf, das Wilmer zuvor schon als Bischof von Hildesheim hatte. Es ist in drei Felder unterteilt, die jeweils ein für Bischof Wilmer charakteristisches Element enthalten. Die beiden oberen Felder zeigen, angeschnitten, das Wappen des Bistums Münster, einen roten Balken vor goldenem Grund, sowie ein Kreuz, das dem der Ordensgemeinschaft der Herz-Jesu-Priester nachempfunden ist, der Wilmer angehört. Die blaue Farbe symbolisiert die Marienverehrung. Auch Wilmers Bischofskreuz hat diese Form.
Die drei silbernen Schafe auf rotem Hintergrund im dritten Feld des Wappens haben eine doppelte Bedeutung. Zum einen stehen sie für Herkunft und Heimat von Bischof Wilmer im emsländischen Schapen, zum anderen für sein Grundverständnis: Der Bischof ist Teil der kirchlichen Gemeinschaft. Dafür steht auch sein bischöflicher Wahlspruch aus dem 2. Korintherbrief (Kapitel 1, Vers 24): „Wir wollen nicht Herren über euren Glauben sein, sondern Mitarbeiter eurer Freude; denn im Glauben steht ihr fest.“
Das Kreuz oberhalb des Wappens erinnert an das Bernwardkreuz aus Hildesheim. Umrahmt ist das Wappen von einem in Grün gehaltenen sogenannten Prälatenhut. Dessen sechs herunterfallenden Quasten weisen den Wappenträger als Bischof aus.
Viele Details und Kleinigkeiten, mit denen sich Jakob Werding und Lukas Böck mittlerweile gut auskennen – ohne sich für echte Heraldiker zu halten.
Den Gottesdienst zur Amtseinführung von Bischof Wilmer am Sonntag, 21. Juni, werden sie selbstverständlich mitfeiern. Lukas Böck wird dafür extra aus Trier anreisen – und hoffentlich einen guten Platz im Dom bekommen. Jakob Werding hat diesen garantiert: Er singt im Domchor.
Info:
Der Brauch, ein Wappen zu führen, stammt aus der Zeit der Ritter. Diese waren bei Kämpfen an den Wappen auf den Schilden der Rüstungen zu erkennen. Seit dem 13. Jahrhundert fanden Wappen auch im kirchlichen Bereich Einzug, zumal der höhere Klerus oft aus Adelsgeschlechtern stammte, in denen Familienwappen verbreitet waren. Die Kunst der Wappenkunde nennt sich Heraldik. Wappen werden nach festen Regeln erstellt.