Die Vorbereitung auf die Bischofswahl führte sie zu drei Treffen an geheimen Orten. Sie verliefen abgeschirmt, Vertraulichkeit war selbstverständlich. „Man durfte mit niemandem darüber sprechen“, erzählt sie. Gleichzeitig wuchs in ihrem Umfeld die Neugier. Inhaltlich ging es anfangs nicht um Namen, sondern um Grundlagen. „Wir haben zunächst darüber gesprochen, was ein neuer Bischof mitbringen soll“, berichtet sie und nennt Beispiele: Entscheidungsfähigkeit, die Bereitschaft, eingeschlagene Reformwege fortzuführen, Offenheit für synodale Prozesse und eine verlässliche Zusammenarbeit mit den Gläubigen. Erst danach wurden Kandidatennamen gesammelt und schrittweise verdichtet, bis sich drei Namen herauskristallisierten.
Besonders prägend war für Heikaus die Zusammenarbeit mit dem Domkapitel. Mit einer gewissen Anspannung sei sie in die erste Sitzung gegangen. Doch ihre Vorstellungen hätten sich schnell aufgelöst. „Es war sofort eine herzliche und warme Stimmung und ein Miteinander auf Augenhöhe, ohne Hierarchien oder Hemmschwellen.“ Unterschiedliche Perspektiven habe sie nicht als Hindernis wahrgenommen, sondern als Bereicherung. Für Heikaus ist klar: „Diesen Weg kann ich anderen Bistümern nur empfehlen.“
Bis zum Tag der Vorstellung blieb auch bei den Mitgliedern des Gremiums die Spannung, welcher Kandidat von der aus Rom zurückgeschickten Liste vom Domkapitel ausgewählt würde. Erst eine Einladung zu einem Treffen vor der offiziellen Vorstellung brachte Gewissheit. „Wir waren alle sehr aufgeregt“, erinnert sich Heikaus. Als sich schließlich die Tür öffnete und der neue Bischof den Raum betrat, veränderte sich die Stimmung schlagartig. „Es war sofort eine positive Atmosphäre, die von Erleichterung im Raum geprägt war.“
Diese erste Begegnung prägt bis heute ihr Bild von Heiner Wilmer. Besonders beeindruckt hat sie seine Zugewandtheit. „Er hat uns alle mit Namen angesprochen.“ Für Heikaus zeigt sich darin Wertschätzung. „Er ist sehr nahbar“, sagt sie weiter. Auch in diesem besonderen Moment habe er eine große Ruhe ausgestrahlt, sei präsent gewesen, „bei sich und bei uns im Raum“. Dass er nun Bischof von Münster ist, hält sie für folgerichtig: „Wir hätten ihn nicht vorgeschlagen, wenn wir es ihm nicht zugetraut hätten.“
Die Zeit der Bischofswahl hat bei Heikaus Spuren hinterlassen. Die 32-Jährige hat erlebt, dass Kirche auch offen und gemeinschaftlich arbeiten kann. Für sie persönlich ist daraus mehr gewachsen als eine Erinnerung. Es ist ein Weg geworden, der sie vom Ehrenamt in die hauptberufliche Pastoral geführt hat. „Ich wollte es zumindest versuchen“, sagt sie. Heute ist Heikaus in einer neuen Rolle angekommen. Seit August 2025 absolviert die gelernte Kauffrau für Büromanagement die Ausbildung zur Pastoralreferentin in der Pfarrei St. Josef in Oer-Erkenschwick. Der Schritt habe sich über Jahre angebahnt. „Man hat mir immer mehr zugetraut als ich mir selbst“, sagt sie lächelnd, und irgendwann sei klar gewesen, dass sie es versuchen wolle.
Der Gottesdienst zur Einführung von Bischof Heiner Wilmer am Sonntag, 21. Juni, um 14 Uhr wird im WDR-Fernsehen sowie auf dem Facebook- und YouTube-Kanal des Bistums Münster übertragen. Auch auf den Domplatz wird es eine Übertragung geben.
Michaela Kiepe

