KAB-Bezirksverband Recklinghausen diskutierte über aktuelle Themen
"Arbeit ist ein wertvolles Gut, und die Rechte von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind es erst recht." Klaus Dieter-Amtmann, Vorsitzender des Bezirksverbandes Recklinghausen der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) gab sich beim diesjährigen Bezirkstag in Herten kämpferisch.
Delegierte und Gäste hatten sich intensiv mit dem Thema Arbeit aus zwei Perspektiven beschäftigt: Mit den drohenden Folgen des geplanten Freihandelsabkommen für Arbeitnehmer und Verbraucher sowie mit der Frage nach einer gelungenen Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
2016 sei ein wichtiges Jahr für den Widerstand gegen die geplanten Freihandelsabkommen der EU, sagte Amtmann. Mit dem Bezirkstag mache die KAB zwei Dinge deutlich: "TTIP und CETA zu stoppen bleibt unser Ziel. Und wir wollen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wieder stärker in den gesellschaftlichen Focus zu rücken – dafür war der Hertener Bezirkstag ein guter Auftakt."
TTIP war ein gefragtes Thema beim Bezirkstag. Rund 70 der 100 Gäste hatten sich zu der von Dr. Stefan Leibold, Theologe aus Münster, moderierten Runde eingefunden. Leibold informierte über die Hintergründe und die Agenda der aktuell verhandelten Abkommen TTIP (Transatlantic Trade and Investment Partnership) und CETA (Comprehensive Economic and Trade Agreement). Anschließend diskutierten der Bundestagsabgeordnete Michael Groß (SPD) und KAB-Diözesansekretär und TTIP-Gegner Hermann Hölscheidt Fragen zu Arbeitsplätzen und Wirtschaftswachstum sowie Arbeitnehmerrechte und Umweltstandards. Hölscheidt warf TTIP vor, durch Schiedsgerichte und geheime Verhandlungen die Demokratie auszuhöhlen. Groß berichte, dass er die Gelegenheit hatte, sich die Vertragsunterlagen anzusehen. Er dürfe aber keine Auskunft über die Inhalte geben. Nach Ansicht des SPD-Politikers müssten alle Abgeordneten des Bundestages ausreichend Gelegenheit haben, sich einen umfassenden Eindruck über die verhandelten Verträge zu verschaffen, bevor sie ihnen zustimmen oder sie ablehnen. Für Groß sind zudem noch längst nicht alle kritischen Punkte geklärt und verhandelt.
Als Gegenentwurf zu den derzeitigen Verhandlungstexten stellte Stefan Leibold das alternative Handelsmandat vor. Zentrale Prinzipien des Mandats sind Menschenrechte, Arbeitnehmerrechte und Umweltschutz als Grundlage für die Handelspolitik der EU. Das Handelsmandat wurde auf EU Ebene von zivilgesellschaftlichen Organisationen entwickelt.
Im zweiten Workshop ging es um die Themen Arbeitswelt und Familie. Familienzeit, Elternzeit für beide Elternteile, Karriere oder doch lieber Familie und Teilzeit? Diese Fragen diskutieren rund 30 Interessierte in drei Gesprächsrunden. Frauen und Männer wünschten sich, heute Familienleben und Beruf als gleichberechtigte Partner zu gestalten, legte Annette Seier, Referentin beim familienpolitischen Institut der KAB Deutschlands, dar. Die Realität sähe häufig anders aus: Die meisten Väter arbeiten Vollzeit und verzichten auf Erziehungszeiten, um keinen Karriereknick zu riskieren. Auch Unternehmen sieht sie in der Verantwortung. "Wenn Betriebe sich die Frage stellen, wie sie ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglichen können, dann kann man auch anders wieder über Arbeitszeitmodelle, Karriere mit Teilzeit und nahtloser Wiedereinstieg reden," sagte die KAB- Referentin.
Aus der Praxis des Kreishauses berichtete der Recklinghäuser Landrat Cay Süberkrüb. Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung stünden verschiedene Angebote zu Verfügung, um Familie und Beruf zu vereinbaren. Dazu gehörten unter anderem verschiedene Arbeitszeitmodelle, Fortbildungen, Wiedereingliederung nach Elternzeit. Derzeit werde auch über eine eigene Kindertagesstätte nachgedacht.
Dr. Josef Hülsdünker, DGB-Regionsgeschäftsführer Emscher-Lippe, stellte den Beschluss ‚Von der eigenständigen Existenzsicherung zur selbstbestimmten Erwerbsbiographie von Frauen und Männern‘ vor. Der DGB hat damit über einen Beschluss abgestimmt, der für die gemeinsame Teilhabe von Frauen und Männer im Erwerbsleben und der Familie steht.
Text: Bischöfliche Pressestelle / 11.03.16
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