Ein Espresso. Ein Lächeln. Ein kurzes Gespräch. Manchmal braucht es nicht viel, damit Menschen miteinander in Kontakt kommen. Mehmet Saripinar hat daraus ein Lebenskonzept gemacht. Der Gründer der „Flotte Bohne“ ist überzeugt: Kaffee verbindet. Diese Überzeugung hat auch schwierige Zeiten überstanden. Nachdem er sein Café „Flotte Bohne“ in Münster nach belastenden Erfahrungen schließen musste, hätte Saripinar der Stadt den Rücken kehren können. Stattdessen entschied er sich, mit „Flotte Bohne on Tour“ neue Orte der Begegnung zu schaffen.
Diese Haltung bringt er vom 28. bis 30. August auch zum NRW-Tag und Stadtfest in Münster mit. Am Stand des Bistums Münster auf dem Überwasserkirchplatz wird Saripinar mit seiner Ape „Flotte Bohne on Tour“ Espresso, Cappuccino, Latte Macchiato und weitere Getränke ausschenken.
Als Mehmet Saripinar vor mehr als zehn Jahren seine erste mobile Espressobar auf die Straße brachte, wollte er nie einfach nur Kaffee verkaufen. Von Anfang an ging es ihm um Begegnung. Später eröffnete er mit der „Flotte Bohne to stay“ ein Café mitten in Münster. Für ihn war es ein Ort, an dem Menschen miteinander ins Gespräch kommen konnten. Damit verkörpert er auf besondere Weise das Motto des Bistums beim NRW-Tag: „Zusammen geht was“.
Schon damals beschrieb der Barista Kaffee als etwas, das Menschen unabhängig von Herkunft, Beruf oder Lebenssituation zusammenbringt. „Viele verbinden einen Barista mit Latte Art oder perfektem Milchschaum. Für mich war das nie der eigentliche Kern. Kaffee war immer die Brücke zum Menschen. Die Flotte Bohne sollte ein Ort sein, an dem jeder willkommen ist und Gespräche beginnen.“ Heute setzt Saripinar diese Idee mit seinem mobilen Konzept „Flotte Bohne on Tour“ fort. Mit seinem italienischen Kleintransporter, einer Ape, reist er zu Veranstaltungen und Begegnungsorten.
Gleichzeitig arbeitet Saripinar an einem weiteren Herzensprojekt. Mit einem umgebauten VW T2 aus dem Jahr 1972 möchte er künftig auf Reisen gehen. Sein Traum ist es, als Barista an unterschiedlichen Orten Espresso zuzubereiten, Kaffeekulturen kennenzulernen und Menschen zu begegnen. „Nicht als Tourist, sondern als Teil der Orte, an denen ich für eine Zeit bleiben darf“, beschreibt er seine Idee.
Dass er nun ausgerechnet am Stand des Bistums Münster Kaffee ausschenkt, hat für Saripinar eine besondere Bedeutung. „Dass ich als Mensch mit muslimischem Glauben Teil eines katholischen Angebots sein kann und als Teil des Teams gesehen werde, empfinde ich als große Wertschätzung. Nach allem, was ich erlebt habe, ist das für mich ein starkes Zeichen. Es zeigt mir, dass Münster für mich keine verbrannte Erde ist. Es waren nie die vielen Menschen dieser Stadt, sondern nur wenige Einzelne, die für schlechte Erfahrungen gesorgt haben. Deshalb bin ich nach wie vor stolz darauf, mein Unternehmen hier angemeldet zu haben.“
Für ihn passt die Botschaft „Zusammen geht was“ perfekt zur eigenen Lebenshaltung. „‚Zusammen geht was‘ bedeutet für mich nicht nur das Miteinander von Kirche, Stadt oder verschiedenen Glaubensgemeinschaften. ‚Zusammen geht was‘ bedeutet, als Menschen zusammenzukommen, unabhängig davon, woran wir glauben oder woher wir kommen.“
In seinen aktuellen Beiträgen auf seinem Instagram-Account „Flotte Bohne“ beschäftigt sich Saripinar immer wieder mit der Frage, wie Menschen heute miteinander leben. Er beobachtet, dass viele zunehmend unter Gleichgesinnten bleiben wollen und gleichzeitig Einsamkeit wächst. „Wenn der andere anders denkt… Wenn Zustimmung nicht mehr selbstverständlich ist… Vielleicht ist echte Nähe genau dort, wo zwei Menschen nicht gleich sein müssen, um füreinander da zu sein…“, schreibt er. Auch deshalb freut sich der Barista auf die Begegnungen beim NRW-Tag.
Und die beginnen bei ihm übrigens mit einem kleinen Detail: „Kaffee auf Du-Ebene“, sagt Saripinar. „Bei mir wird nicht gesiezt.“ Für ihn ist das mehr als eine Form der Anrede. Es ist eine Einladung, einander offen, respektvoll und auf Augenhöhe zu begegnen. Ganz im Sinne des Mottos: „Zusammen geht was.“