Katholische Naturkita Liebfrauen startet mit neuem pädagogischen Profil

, Kreisdekanat Coesfeld

Kaum liegen große Äste und kleine Stöcke bereit, beginnen die Kinder zu spielen. „Komm, wir bauen was für Tiere“, ruft ein Junge. „Au ja“, lautet die einhellige Antwort der anderen. Beate Bunge, die sich ab August als Verbundleiterin für drei der sechs Kindertageseinrichtungen der Pfarrei St. Martin engagiert, beobachtet die Szene und lächelt. „Naturmaterialien regen Kinder zu einem besonders kreativen Spiel an. Schnell entwickeln sie gemeinsam Ideen“, erklärt sie. Davon finden sich auf dem weitläufigen Außengelände der Liebfrauenkita in Nottuln reichlich. Neben einem alten Baumbestand, der an heißen Tagen natürlichen Schatten spendet, gibt es viel Platz, um sich auszutoben und die Natur zu entdecken. „Wir sind mit den Kindern viel draußen. Sie sind immer sehr interessiert und finden spannende Dinge aus der Natur, die sie in ihr Spiel integrieren“, bestätigt Heike Bauland, stellvertretende Kitaleiterin.

Im Vordergrund spielen Kinder mit Stöcken, dahinter stehen vier Erwachsene und schauen es sich an.

Naturmaterialien sind bei den Kindern in der katholischen Naturkita Liebfrauen in Nottuln beliebt. Das erleben Kathrin Boor vom Kirchenvorstand St. Martin, Pfarrdechant Norbert Caßens, Beate Bunge, künftige Verbundleiterin, und Heike Bauland, stellvertretende Kitaleiterin (von links).

© Bistum Münster

Mit dem neuen Kindergartenjahr 2026/2027 startet die Einrichtung, die 65 Kinder in vier Gruppen besuchen, mit einem neuen Konzept. „Das Team hat im vergangenen halben Jahr mit viel Engagement daran gearbeitet. Die Religions- und die Naturpädagogik bilden künftig zwei Schwerpunkte unserer Arbeit“, erklärt Bunge und fügt hinzu: „Das zeigt sich auch im neuen Namen und Logo der Einrichtung: Katholische Naturkita Liebfrauen.“ Hinter dem Konzept steht die Überzeugung, dass es nichts Besseres als die Natur gibt, um Erfahrungen mit allen Sinnen zu machen. „Die Natur ist für uns ein wichtiger und ganzheitlicher Bildungsort. Die Kinder erleben Jahreszeiten und entdecken Zusammenhänge“, erklärt Bunge. Zum Auftakt finden die diesjährigen Projekttage zum Thema Natur statt. „Dafür dekorieren wir gerade die ganze Kita. Es gibt Wald- und Suchspiele, Wasserprojekte und Bastelangebote mit Naturmaterialien. Und zum Abschluss findet noch das Theaterspiel ‚Der Grüffelo‘ statt“, verrät Bauland.

Dechant Norbert Caßens und Pastoralreferentin Lena Reiker verantworten den religionspädagogischen Bereich. „Die örtliche Nähe zur Kirche bietet viele Möglichkeiten zum Beispiel für Umzüge am Palmsonntag oder zu St. Martin. Aber es sind auch kindgerechte Kirchenerkundungen oder Gottesdienste möglich, die wir ebenso in der Kita selbst feiern“, erläutert Caßens. Zudem liege die Verbindung von Natur und Glaube nah. „Natur ist auch Schöpfung, hinter der ein Schöpfer steht“, fügt er hinzu. Ziel sei es, den Kindern das christliche Menschenbild und die damit verbundenen Werte mit auf ihren Lebensweg zu geben. Dabei nutzt die Pfarrei auch das Fortbildungsprogramm „Kita – Lebensort des Glaubens“ des Bistums Münster. So haben einige Mitarbeiterinnen beispielsweise an der Qualifizierung zu seelsorglichen Begleiterinnen teilgenommen.

Auch baulich hat sich die Einrichtung stetig weiterentwickelt. „Bereits vor mehr als 15 Jahren haben wir unsere Räume an die Bedürfnisse und die pädagogischen Prinzipien angepasst“, berichtet Kathrin Boor vom Kirchenvorstand. In den vergangenen drei Jahren wurde die Einrichtung zudem von Grund auf saniert. Die Maßnahmen reichten beispielsweise von der Dachsanierung über energetisch optimierte Beleuchtungskonzepte und neue Innentüren mit Sichtfenstern bis hin zur Erneuerung der Fußböden. „Investiert wurde bislang eine mittlere sechsstellige Summe. Sehr dankbar sind wir dabei für die finanzielle Unterstützung des Kreises Coesfeld“, sagt Caßens.

Neben zahlreichen bestehenden Naturprojekten hat Bunge noch ein besonderes Projekt im Blick: „Es ist noch nicht ganz spruchreif, aber wir planen eine Kooperation mit dem Verein AckerRacker. Dafür suchen wir noch eine geeignete Gartenfläche.“ Bei dem auf vier Jahre angelegten Bildungsprogramm bauen die Kinder der Kita gemeinsam ihr eigenes Gemüse an und erleben hautnah, wie aus Samen und kleinen Pflanzen Lebensmittel entstehen. Sie entdecken spielerisch die Natur, lernen den Wert gesunder Ernährung kennen und übernehmen Verantwortung für ihren eigenen Gemüseacker. „Unser Ziel ist es, den Kindern eine Umgebung zu bieten, in der sie Natur, Glauben und Gemeinschaft ganzheitlich erleben können“, betont Bunge.

Michaela Kiepe