Kinder- und Jugendjury vergibt Preis beim ‚Kirchlichen Filmfestival‘

Vom 9. bis 13. März findet in Recklinghausen zum siebten Mal das ‚Kirchliche Filmfestival‘ statt. 14 Filme in fünf Tagen flimmern im Rahmen des bundesweit einzigartigen Festivals über die Leinwand des Cineworld in Recklinghausen.

Zum zweiten Mal gibt es neben dem Filmpreis der Erwachsenen auch einen Preis der Kinder- und Jugendjury.

Während Marc Gutzeit, Geschäftsführer des Stadt- und Kreisdekanatsbüros Recklinghausen, noch die Technik vorbereitet, trudeln nach und nach die Mitglieder der Jury im Konferenzraum des Katholischen Zentrums in Recklinghausen ein. Mina, Nils, Eva, Anne, Moritz, Johannes, Steffi, Nadine, Lillith, Felix und Elias treffen sich zum vierten Mal. Sie sind zwischen neun und 17 Jahre alt und werden sich gleich gemeinsam einen Kinderfilm anschauen. Am heutigen Nachmittag steht "Die Winzlinge – Operation Zuckerdose" aus Frankreich auf ihrem Programm. Einige von ihnen gehören bereits seit drei Jahren der Kinderjury an, die jedes Jahr vier besondere Filme im Recklinghäuser Cineworld der Öffentlichkeit vorstellt und im vergangenen Jahr erstmals beim ‚Kirchlichen Filmfestival Recklinghausen‘ auch einen Preis vergeben hat. Organisiert wird das Festival vom ‚Arbeitskreis Kirche & Kino‘ des Katholischen Kreisdekanats Recklinghausen und des Evangelischen Kirchenkreises Recklinghausen.

Auch Horst Walther, Referent beim und Autor des Instituts für Kino und Filmkultur, ist an diesem Nachmittag mit von der Partie. Bevor der Film startet, liefert der Fachmann den Kindern und Jugendlichen noch einige wichtige Informationen. Dann verteilt er verschiedene Aufgaben für die anschließende Diskussion. Es ist der erste Film, der im Rahmen der ‚Kinderfilmfesttage‘ gezeigt wird, der aus realen Naturaufnahmen und animierten Figuren aufwändig gearbeitet wurde. "Wer achtet darauf, was den kleinen Marienkäfer zum Helden macht?", stellt Walther die erste Aufgabe in die Runde. Sofort zeigen einige Finger in die Höhe. Die erste Gruppe ist gefunden. Gruppe Nummer zwei kümmert sich um die Tiere. "Und der dritte Aspekt, auf den einige von euch achten, ist der Ton", verteilt der Filmfachmann eine letzte Aufgabe.

Jedes Jurymitglied stattet sich noch schnell mit ein paar Süßigkeiten aus, und dann geht es los. Zwar nicht in typischer Kinoatmosphäre, aber doch hochkonzentriert. 90 Minuten verfolgen die Kinder und Jugendlichen die Geschichte rund um den Marienkäfer und seine Freunde die schwarzen Ameisen, die er im Kampf gegen die roten Ameisen unterstützt, auf der Leinwand bis zum Abspann. Die roten Wangen verraten, wie der Film die Jury gefesselt hat.

Nun kann die Diskussion starten. Geleitet wird sie von den Aspekten, die Walther den Kindern zuvor mit auf den Weg gegeben hat und den Fragen, die die Jury am nächsten Tag dem Publikum stellen wird: Welche Schulnote erhält der Film und warum? Was war eure Lieblingsszene? Da gehen die Meinungen der Jury auseinander. Von einer Eins bis zu einer Vier plus ist alles dabei. Und jeder kann seine Entscheidung gut begründen. "Interessant ist, dass ihr für andere mitdenkt", sagt Walther. Denn das Argument, dass der Film für jüngere Kinder aufgrund der „Kriegsszenen“ nicht so gut geeignet sei, fällt häufiger. "Auf der anderen Seite konnte man schnell erkennen, wer gut und wer böse ist", ist einem Jurymitglied aufgefallen. Ein anderes sagt: "Ich fand ihn langweilig und bin fast eingeschlafen."
Die Kinder und Jugendlichen kommen ins Gespräch. An dieser Stelle wird deutlich, dass sie nicht das erste Mal Filme bewerten. Die Jury entdeckt Parallelen zu anderen Filmen, versteht die Bildsprache, entdeckt, warum der Held ein Held ist. Walther bestätigt die Eindrücke der Beteiligten. "In Filmen ist die Welt oft einfach dargestellt. Es gibt gut und böse. Das ist in der Wirklichkeit nicht so", warnt er vor falschen Schlüssen.

Warum sich die Kinder und Jugendlichen in der Jury engagieren, wird schnell klar. "Ich gehe gern ins Kino", lautet eine Antwort. "Mit gefällt es, sonst würde ich es nicht machen", begründet ein Junge sein Engagement. "Es ist interessant, einen Film auch einmal mit anderen Augen zu sehen", ergänzt ein Mädchen. "Und wir sehen auch mal Filme, die sonst nicht im Kino in Recklinghausen laufen würden."

Der Austausch macht allen gleichermaßen Freude. "Das Gespräch mit den Filmschaffenden, die häufig bei der Vorführung im Kino dabei sind, gefällt allen besonders gut", nennt Gutzeit einen zusätzlichen Aspekt. Er und Walther hoffen, dass durch die ‚Kinderfilmfesttage‘ nicht nur bei der Kinderjury, sondern auch bei den Besuchern im Kino, sich der Umgang mit dem Medium Film verändert. Finanziell unterstützt wird das Projekt durch ‚KidsFilm – Kinder ins Kino‘ der AG Kino-Gilde e.V. im Rahmen von ‚Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung‘ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Und am Ende haben ‚Die Winzlinge‘ weder die Jury noch das Publikum restlos überzeugt. Das konnte dagegen der finnische Film ‚Vilja und die Räuber‘, der in Anwesenheit der Regisseurin Marjut Komulainen am Samstag, 12. März, um 14.30 Uhr den Preis der Kinder- und Jugendjury erhält.

Bildunterschrift: Die Kinder und Jugendlichen haben Spaß daran, sich über die Filme auszutauschen und diese dem Publikum später vorzustellen.

Text: Bischöfliche Pressestelle / 02.03.16
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