Kirchenfoyer zeigt Fotoausstellung über Bettler und Wohnungslose

Sie gehören mittlerweile zum Stadtbild am Prinzipalmarkt in Münster: Bettler und Wohnungslose. Künstler Andy Leborne hat sich dieser Seite der Armut angenommen.

17 Fotos von Bettlern in Münster stellt er ab Samstag, 21. Januar, im Kirchenfoyer Münster, Salzstraße 1, unter dem Motto "Seitenblick" aus.

"Ich bin eigentlich niemand, der sozialkritisch arbeitet", erklärt Leborne, der sich größtenteils der surrealistischen Fotografie verschrieben hat. Eher aus einem Ärgernis bei einem seiner häufigen Aufenthalte in Münster heraus habe er angefangen, bettelnde Menschen zu fotografieren. Mit "aus der Hüfte geschossen" beschreibt Leborne seine Vorgehensweise, die Bettler unauffällig zu fotografieren. "Die Blicke dieser Menschen auf den großformatigen Bildern haben mir dann aber vor Augen geführt, welche Schicksale sich dahinter verbergen", sagt er. "Mein Blickwinkel hat sich dadurch geändert." Später habe er die Bettler erneut aufgesucht und nach ihrem Einverständnis für eine Veröffentlichung gefragt. "Zurückweisung habe ich nicht erlebt, eher eine große Offenheit", erzählt der Künstler, dessen Fotografien schon in verschiedenen Ausstellungen in Europa und den USA zu sehen waren.

Zu einer Zusammenarbeit mit dem Kirchenfoyer sei es durch einen Zufall gekommen, erklärt Rupert König, Leiter des Kirchenfoyers. In der Kantine der Bezirksregierung habe er in der Warteschlange mit einem Kollegen über ein Kunstprojekt gesprochen. "Andy Leborne stand direkt hinter mir. Wir sind ins Gespräch gekommen und schon nach dem Mittagessen hat er sich die Räumlichkeiten des Kirchenfoyers angeschaut", erzählt er lachend. König ist gespannt auf die Reaktionen, die diese Thematik in seiner Einrichtung auslösen wird. "Zu uns kommen auch viele sozialschwache Menschen, die sich bei einem Kaffee aufwärmen wollen. Das Thema ist hier ständig präsent."

Andy Leborne, der in Florida und Luxemburg lebt, möchte die Besucher mit seiner Ausstellung einladen, ebenfalls ihren Blickwinkel zu ändern. Er selbst habe gelernt, den Bettlern nicht mehr nur im Vorbeigehen einen flüchtigen Seitenblick zuzuwerfen, sondern sie anzusprechen. Dafür stehe auch der Titel "Seitenblick", fügt Rupert König hin. "Bei der Ausstellung geht es weniger um die Bettler und ihre Geschichten, sondern um diesen Seitenblick, den wir für sie haben."

Die Ausstellung im Kirchenfoyer besteht aus 17 Fotos, überwiegend in schwarz/weiß. Mit einer Vernissage wird sie am Freitag, 20. Januar, um 19 Uhr im Kirchenfoyer eröffnet. Bis Samstag, 18. Februar, sind die Fotos dann zu den Öffnungszeiten des Kirchenfoyers, montags bis freitags von 10 Uhr bis 18 Uhr und samstags von 10 Uhr bis 16 Uhr, zu sehen. "Sollten im Rahmen der Ausstellung Spenden eingenommen werden, kommen diese den Bettlern zugute", versichert Leborne.

Weitere Informationen zur Ausstellung und zum Künstler gibt es im Internet unter www.kirchenfoyer.de und unter www.andyleborne.com.


Bildunterschrift: Durch Zufall haben sich Rupert König (links) und Andy Leborne kennengelernt. Ab Samstag, 21. Januar, stellt Leborne seine Fotos von Bettlern in Münster im Kirchenfoyer aus.

Text: Hedda Horstick, Bischöfliche Pressestelle / 18.01.17
Kontakt: Pressestelle[at]bistum-muenster.de
Foto: Bischöfliche Pressestelle/Ann-Christin Ladermann