Wer zurzeit das Kirchenfoyer in Münster betritt, begegnet einer Frau, deren Leben ebenso bewegend war wie ihre Kunst: Gemeint ist die Ordensfrau und Künstlerin Tisa von der Schulenburg, im Ursulinenorden bekannt als Schwester Paula.
Rupert König, Monika Schwerdt-Zumkley, Gabriele Sobke (Kunstkreis Kirchenfoyer) und Prof. Friedrich Bahmer (von links) freuen sich auf die Ausstellung mit Werken von Tisa von der Schulenburg.
Am Freitag, 17. April, um 19 Uhr eröffnet das Kirchenfoyer in Kooperation mit dem Ursulinenkloster Dorsten, der Tisa-von-der-Schulenburg-Stiftung und der Gesellschaft für Leprakunde Münster eine Ausstellung mit rund 30 Werken. Darunter befinden sich seltene Originale – Zeichnungen und Bronzeskulpturen. „Wir sind stolz, diese beeindruckenden Werke hier in Münster präsentieren zu können“, sagt Rupert König, Leiter des Kirchenfoyers. Im Ruhrgebiet sei die Künstlerin weithin bekannt und hochverehrt – in Münster dagegen werde sie neu entdeckt.
Tisa von der Schulenburg wurde 1903 in Tressow in eine Adelsfamilie geboren. Früh zeigte sich ihr künstlerisches Talent: Bereits als Jugendliche stellte sie ihre Scherenschnitte dem berühmten Maler Max Liebermann vor. Studien in Berlin und Paris sowie Begegnungen mit bedeutenden Persönlichkeiten prägten ihr künstlerisches Schaffen.
Doch ihr Leben wurde von den politischen Umbrüchen des 20. Jahrhunderts erschüttert. 1934 emigrierte sie mit ihrem ersten Mann nach England. Während des Zweiten Weltkriegs verlor sie mehrere Familienmitglieder, darunter ihren Bruder Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg, der als Widerstandskämpfer am Attentat auf Adolf Hitler beteiligt war und hingerichtet wurde. Diese Erfahrungen hinterließen tiefe Spuren – in ihrem Leben und in ihrer Kunst. 1950 fand sie einen Neubeginn: Sie konvertierte zum katholischen Glauben und trat in das Ursulinenkloster in Dorsten ein. Dort lebte und arbeitete sie fortan als Schwester Paula. Bis zu ihrem Tod im Jahr 2001 blieb sie künstlerisch aktiv.
Viele ihrer Werke erzählen von Menschen am Rand der Gesellschaft. Besonders die Lebenswelt der Bergleute im Ruhrgebiet begleitete sie. Schon während ihres Exils in England zeichnete sie arbeitslose Bergarbeiter – später setzte sie dieses Thema in Deutschland fort. Auch ihr Einsatz für Leprakranke hinterließ künstlerische Spuren. Prof. Friedrich Bahmer von der Gesellschaft für Leprakunde erklärt: „Sie hat während ihrer Aufenthalte in Äthiopien intensiv mit Leprakranken gearbeitet und eine ganze Serie von Zeichnungen geschaffen, die das Leid, aber auch die Würde dieser Menschen zeigen.“
Neben ernsten Themen finden sich auch überraschend bunte Motive. Erst im hohen Alter begann Schwester Paula, farbenfrohe Blumenbilder zu malen – eine Reaktion auf die Frage einer Mitschwester, ob sie nicht auch einmal etwas Fröhliches zeichnen könne.
Eine besondere Verbindung zur Künstlerin hat Monika Schwerdt-Zumkley, die ehrenamtlich im Kirchenfoyer tätig ist. Ende der 1960er-Jahre absolvierte sie ihre Ausbildung zur Hauswirtschafterin im Dorstener Ursulinenkloster und begegnete dort täglich Schwester Paula. „Sie war eine Frau mit großer Würde“, erinnert sich Monika Schwerdt-Zumkley. „Jeden Morgen blieb sie kurz in der Küchentür stehen, wechselte ein paar Worte mit uns – und ging dann ins Atelier. Dort arbeitete sie den ganzen Tag.“
Die Ausstellung im Kirchenfoyer umfasst eine große Bandbreite: Scherenschnitte aus frühen Jahren, Tuschezeichnungen, religiöse Plastiken und eindrucksvolle Bronzearbeiten. Ein besonderes Werk zeigt Kardinal Clemens August Graf von Galen beim Predigen in der Lambertikirche. „Uns war wichtig, das gesamte Spektrum ihres Werkes sichtbar zu machen“, erklärt König. „Nicht nur religiöse Kunst, sondern auch Szenen aus dem Leben der Menschen.“
Noch bis Sonntag, 12. Juli, haben Besucherinnen und Besucher Gelegenheit, die Ausstellung im Kirchenfoyer zu besuchen.