Kommuionkinder aus Ostbevern werden in Münster zu Dombaumeistern
Konzentriert tupft Lisa-Marie einen kleinen Tropfen Klebstoff auf den funkelnden grünen Stein, dann drückt sie ihn auf die goldglänzende Folie, die schon die Umrisse des Domes zeigt.
Die Neunjährige aus Ostbevern begutachtet kritisch das Resultat und nimmt den nächsten Stein in die Hand.
Eine halbe Stunde hat sie noch Zeit, um ihre eigene kleine Schatzkiste zu basteln. Als Vorbild dienen ihr die kostbaren Reliquienschreine im St.-Paulus-Dom in Münster, die Lisa-Marie erst wenige Minuten zuvor in der Domkammer bestaunt hat. Gemeinsam mit zwölf anderen Kindern aus ihrer Pfarrei, die alle am Sonntag, 14. Mai, zur Erstkommunion gehen, nimmt sie an einem "Domworkshop" teil, bei dem Kinder auf ganz besondere Weise das Gotteshaus erkunden können.
Seit dem Domjubiläum im Jahr 2014 organisiert Mario Schröer von der Dompädagogik zwei-stündige Kurse für Kinder am St.-Paulus-Dom. Ob als Bildhauer, Goldschmied oder Glaskünstler – bei allen Angeboten können sich die Mädchen und Jungen in traditionsreichen Handwerken versuchen, mit denen schon die alten Baumeister dem Dom sein heutiges Aussehen verliehen haben. Seit 2016 werden die Workshops speziell für Kommuniongruppen angeboten. Jeder Kurs beginnt zunächst je nach Schwerpunkt mit einem Gang durch die Domkammer, den Kreuzgang oder den Dom. Anschließend dürfen die Kinder selbst aktiv werden. "Der Blick der Kinder für Kunst wird viel intensiver geschärft, wenn sie mit ihren eigenen Händen etwas erschaffen", erklärt Mario Schröer. Dabei gehe es nicht darum, das perfekte Kunstwerk zu kreieren, im Mittelpunkt stünden die liturgischen Inhalte.
Und so lernen Lisa-Marie und die anderen Kinder unter Leitung von Kunsthistorikerin und Künstlerin Stephanie Sczepanek viele "Funkelnde Schätze" – so der Titel des Workshops – in der Domkammer kennen. Sie erfahren, dass die kostbaren Reliquiare kleine Knochenfragmente von Heiligen enthalten und dürfen sich auch die Reliquien am Altar des Domes anschauen. "Die Hand ist unser Werkzeug und das ist ein riesengroßer Schatz", erklärt Sczepanek, bevor sie die Mädchen und Jungen nach ihren eigenen Schätzen fragt. Fotos, Steine, Schmuck – die persönlichen Schätze der Kinder sind ganz unterschiedlicher Art.
Über eine steile Wendeltreppe gelangen sie schließlich in den Bastelraum, wo sie selbst goldene Kästchen basteln. Für die neunjährige Merle ist schnell klar, was sie in ihrem neuen Schatzkästchen verwahren wird: "Mein Kristallstein, den ich geschenkt bekommen habe, – und meine Liebesbriefe!"
Bildunterschrift: Konzentriert bastelt Lisa-Marie (9) an ihrer eigenen goldenen Schatzkiste.
Sie funkeln und glänzen, die Schatzkisten von Merle (9), Luzie (9), Lisa-Marie (9) und Laura (8) (von links).
Text: Bischöfliche Pressestelle / 04.05.2017
Kontakt: Pressestelle[at]bistum-muenster.de
Foto: Bischöfliche Pressestelle/Ann-Christin Ladermann
