Kreisteam der Ehe-, Familien- und Lebensberatung besuchte Hindutempel

"Vanakkam" bedeutet im Tamilischen "Einander grüßen". So wurden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstellen (EFL) im Kreis Recklinghausen herzlich willkommen geheißen bei ihrem Besuch im hinduistischen Sri Kamadchi Ampal Tempel, der seit 1989 in Hamm besteht und 2002 am heutigen Standort eingeweiht wurde.

Die Begegnung und der Austausch mit anderen Kulturen und Religionen in der Region haben sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der EFL als Jahresthema gesetzt. Ihr Ziel ist es, das Beratungs- und Unterstützungsangebot weiter auf Menschen mit verschiedenen kulturellen Hintergründen abzustimmen. Neben einem Moscheebesuch stehen in diesem Jahr Gespräche mit einer türkischen sowie einer russischen Psychotherapeutin auf dem Programm.

Viele Tamilen leben heute in der Region. Zehntausende Flüchtlinge aus Sri Lanka kamen ab 1983 nach Deutschland, als sich der Konflikt zwischen der singhalesischen Mehrheit und der tamilischen Minderheit verschärfte. Viele von ihnen wurden in Nordrhein-Westfalen aufgenommen und sind heimisch geworden. Die Gläubigen trugen durch ihre Spenden dazu bei, dass der größte tamilische Hindutempel Mitteleuropas nach südindischem Modell entstand. Tiefe Frömmigkeit erlebten die EFL-Kolleginnen und -Kollegen unmittelbar bei einem der dreimal täglich stattfindenden Gottesdienste und bei einer Hochzeitszeremonie, die parallel zur Führung durch den Tempel stattfand. Geleitet von dem Priester Paskaran, dem spirituellen Zentrum des Heiligtums, wurde die mehrstündige Zeremonie mit vielen Gästen in farbenprächtiger Kleidung und mit traditioneller Musik gefeiert. Angelika Eichhorst, ehrenamtliche Führerin, schilderte, dass alle Menschen im Tempel der "Göttin mit den Augen der Liebe" willkommen sind: "Jeder kann kommen, Gott hört auf alle Namen", fasste sie die Haltung im hinduistischen Glauben zusammen. Die Göttin stellt den weiblichen, mütterlichen Aspekt Gottes dar, und die hinduistischen Gläubigen kommen aus ganz Europa, um wie bei einer Mutter ihre Sorgen loszuwerden und Trost und Beistand zu finden. Das EFL-Team erfuhr, dass nicht wenige Tamilen an der Marienwallfahrt in Kevelaer teilnehmen, da sie sich der Gottesmutter sehr verbunden fühlen. Jesus wird in Südindien als einer derjenigen verehrt, der die absolute Wahrheit gesprochen habe. Im Tempel selbst treffen unterschiedliche hinduistische Strömungen und tamilische Volkskulte aufeinander und tolerieren sich. In der Nähe des Tempels wird aktuell der Bau eines Kulturzentrums, einer Bibliothek und eines Museums mit Fortbildungsangeboten geplant, um die Integration der Tamilen zu fördern und einen kulturellen Austausch zu ermöglichen.

An die Führung schloss sich ein reger Austausch im Gespräch an, bei dem Eichhorst bereitwillig die Fragen des Teams beantwortete. Gleich zu Beginn erntete sie spontane Lacher, als sie die Frage "Was bedeutet Heirat im Hinduismus?" mit "Lebenslänglich!" beantwortete. Ernster wurde es, als es um die gesellschaftliche Stellung und soziale Situation der Frauen in Indien und Sri Lanka ging. "Sie sind auf dem Stand wie unsere Urgroßmütter", erklärte sie. Auch das Kastenwesen bedeute für viele in Indien unüberwindliche Hürden im gesellschaftlichen Leben. Kinder würden traditionell im Glauben der Mutter erzogen, wobei die Ausübung der Rituale wichtig sei. Dazu gehörten beispielsweise die Waschung der Tempelstatuen, in denen die göttliche Kraft verehrt werde. Ein Gemeindeleben wie in den christlichen Kirchengemeinden kenne man am Hindutempel hingegen nicht.

Zum Abschluss stärkten sich die EFL-Teammitglieder bei einem tamilischen Buffet mit verschiedenen vegetarischen Köstlichkeiten und waren sich einig, dass dieser Besuch "mit allen Sinnen" noch lange nachwirken werde.

Bildunterschrift: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der EFL-Beratungsstellen im Kreis Recklinghausen informierten sich in Hamm am Sri Kamadchi Ampal Tempel über den Hinduismus.

Text: Bischöfliche Pressestelle / 17.05.17
Kontakt: Pressestelle[at]bistum-muenster.de
Foto: Eichhorst