Künstlertreffen zur Umgestaltung der Berliner Hedwigskathedrale

Braucht die Kirche Kunst – die Kirche als Institution, aber auch Kirchen als Gebäude?

Mit diesen Überlegungen haben sich am 17. November die rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Künstlertreffens 2015 des Bistums Münster beschäftigt. Dazu hörten sie im Franz Hitze Haus Münster einen Vortrag von Peter Sichau und Leo Zogmayer. Der Fuldaer Architekt und der Wiener Künstler haben mit ihrem gemeinsamen Entwurf den Wettbewerb zur Neugestaltung der Berliner St.-Hedwigs-Kathedrale gewonnen und stellten diesen – viel diskutierten – Entwurf vor.

In Vertretung von Bischof Dr. Felix Genn begrüßte Generalvikar Norbert Kleyboldt die Gäste. "Wir tun gut daran, uns mit dem Thema Kirchenbau zu beschäftigen", sagte er, "denn die Feier der Liturgie ist immer noch mit das Wichtigste, was wir Christen zu bieten haben."

Als Vorsitzender der Kunstkommission im Bistum führte Pfarrer Thomas Frings in das Thema ein und stellte die Referenten vor. Er sei froh, dass man über das äußere Erscheinungsbild von Kirchengebäuden spreche. "Die Theologie gibt das Fundament, die Architektur den Rahmen", sagte er mit Blick auf liturgische Handlungen.

Leo Zogmayer betonte in seinen Ausführungen, es müsse – gerade angesichts der aktuellen Ereignisse in Paris und ihrer Folgen – vorbei sein mit den "Eitelkeiten der religiösen Institutionen." In diesem Sinne habe man die Hedwigskathedrale von Anfang an als "Kathedrale des 21. Jahrhunderts" geplant. "In ihrer Essenz sind Kunst und Religion gar nicht sehr unterschiedlich", sagte Zogmayer, "beide streben die Öffnung hin zu dem an, was nicht mehr rein mit dem Verstand zu erfassen ist." Der Sakralraum der Kathedrale solle für zwei große Themen zur Verfügung stehen, zum einen für die Kontemplation, zum anderen als Ort des Gotteslobs und der Begegnung, der "Sammlung durch Versammlung" ermögliche.

Konkret sehe der neue Entwurf vor, die Öffnung zur Unterkirche wieder zu schließen und die Versammlung der Gläubigen in konzentrischen Kreisen zu platzieren. "Dadurch vermeiden wir, dass der Raum statisch und seine Dynamik gebunden wird", betonte der Künstler. Der Altar solle ind die Mitte gerückt und als scheinbar schwebende Halbkugel die Kuppelform des Gebäudes aufgreifen. Dank der Vielfalt der räumlichen Beziehungen werde das Zentrum aber nicht überbetont.

Peter Sichau führte aus, er beschäftige sich seit 30 Jahren mit Kirchenbauten. Den sakralen Raum betrachte er inzwischen "als einen der letzten Kunsträume". Mit Bildern zeichnete der Architekt die Entstehungsgeschichte der Kathedrale nach, deren Vorbild ursprünglich das Pantheon in Rom gewesen sei. Sie gelte als erstes klassizistisches Bauwerk Deutschlands.

Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs habe von 1956 bis 1963 der Umbau der 1930 zur Bischofskirche erhobenen Kathedrale mit der Öffnung der Unterkirche eine "wesentliche Überformung" mit sich gebracht. Entwurfsgedanke sei die Visualisierung der Vertikale gewesen. "Diese Idee muss man aus der Zeitgeschichte heraus verstehen", unterstrich Sichau. Auch damals habe man, wie heute, ein raumliturgisches Gesamtkonzept verfolgt, das zu theologischen Erfahrungen in der Liturgie führen solle.

"Wir haben das Überkommene, was war, mit dem Gedanken der Communio verknüpft", sagte Sichaue. Die Kugel, die die Kathedrale mit ihrer Form umschließe, solle spürbar werden, nicht an entscheidender Stelle durch die Öffnung zur Unterkirche unterbrochen werden. In der Kathedrale solle der Blick auf das Wesentliche gehen, ohne zu viel Ablenkung von draußen.

Sichaus Fazit, bevor er und Leo Zogmayer in den Austausch mit den Teilnehmern eintraten: "Uns ging es gar nicht so sehr um die Architektur, um deren Eigenwert, sondern darum, dem Bau seine ursprüngliche Bestimmung zurückzugeben."

Text: Bischöfliche Pressestelle
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