Lea Burwinkel geht in eine andere Welt

"Momentan ist noch recht viel zu erledigen, so kurz vor der Abreise", sagt Lea Burwinkel (18) aus Calveslage.

"Mein Nebenjob in einem Gartencenter, organisatorische Dinge zur Vorbereitung auf den Freiwilligendienst, Spenden sammeln für mein Projekt, Swahili lernen und natürlich das Kofferpacken halten mich auf Trab." Am 17. August verlässt sie ihre Heimat und geht für ein Jahr nach Tansania. Dort wird sie über die Fachstelle "Weltkirche" des Bistum Münsters einen Freiwilligendienst absolvieren.

Lea hat gerade ihr Abitur hinter sich gebracht. Noch lautet ihre Adresse Calveslage, doch in rund fünf Wochen lautet sie: Iringa. Dies wird für die nächsten zwölf Monate ihre neue Heimat sein. Eine Entscheidung, die Lea dank der Unterstützung ihrer Familie recht einfach viel: "Meine Familie ist einfach super. Sie steht voll und ganz hinter mir. Doch es wird mir nicht leicht fallen, Mama, Papa und meinen Bruder Linus für die nächsten zwölf Monate hinter mir zu lassen", gibt sie zu. Familie, Freunde und Verwandte, das wird es wohl sein, was sie am meisten in Tansania vermissen wird. "Aber bestimmt auch eine Spül- und Waschmaschine", sagt sie lachend.

Zusammen mit drei weiteren Freiwilligen aus dem Bistum Münster wird Lea im Matumaini Centre arbeiten. Frauen, die aufgrund ihrer unehelichen Kinder verstoßen wurden, erlernen dort das Schneidern. Lea wird sich im Centre um die Kinder der Frauen kümmern und Englisch unterrichten. Dafür muss sie zunächst jedoch erst Swahili lernen, die Muttersprache der Kinder. "Ich habe zwar schon einen Sprachkurs gemacht, aber so viel sagen kann ich noch nicht. Mimi mi Lea (ich heiße Lea) und mambo vipi (was geht) kann ich sagen, aber viel mehr noch nicht. Ich muss noch einiges lernen", gesteht sie.

Schon lange hatte Lea den Entschluss gefasst, nach dem Abitur nicht direkt ein Studium oder eine Ausbildung zu beginnen, sondern erst etwas anderes zu machen. "Auf den Freiwilligendienst des Bistums Münster bin ich durch die Recherche im Internet gekommen. Ich habe mich über die verschiedenen Projekte informiert und mir gedacht, dass passt doch ganz gut." Zunächst bewarb sie sich schriftlich für den Auslandsfreiwilligendienst des Bistums. Später wurde sie zusammen mit 50 weiteren Anwärtern zu einem Auswahltreffen eingeladen. Das sie nach dem Abitur in Tansania tätig werden wird, war jedoch eher ein Zufall: "Ich habe mich für die Stelle im Matumaini Centre entschieden, da mir die Arbeit mit Kindern sehr viel Spaß macht. Das wurde mir durch meine Tätigkeit als Kindermädchen immer wieder bewusst. Zudem denke ich, dass im Projekt ein interkultureller Austausch mit den im Centre arbeitenden "Dadas"( Schneiderinnen) möglich wird. Ich war einfach von dem Projekt überzeugt", erklärt sie. Reaktionen ihres Umfeldes auf ihren Freiwilligendienst im Ausland waren zunächst recht zwiegespalten: "Einerseits haben sie sich gefreut, weil ich eine Zusage bekommen habe. Andererseits ist ein Jahr in einem fremden Land auch nicht ohne."

Am meisten freut sie sich auf die Herausforderung, in einem noch fremden Land zu leben und eine neue Kultur kennenzulernen. Besonders gespannt ist sie auf die tansanische Lebensweise: "Unsere Gesellschaft ist sehr stark leistungsorientiert. So wie ich es von ehemaligen Freiwilligen gehört habe, lebt man in Tansania eher in den Tag hinein. Darauf bin ich neugierig", erläutert sie. Generell ist sie sehr gespannt auf das Leben in dem ostafrikanischen Land und wie es sich von ihrem Leben in Deutschland unterscheidet. Lea hofft, dass sie ihre Lieblingssportarten Volleyball und Tennis auch dort ausüben kann.

In rund fünf Wochen wird sie Deutschland verlassen. Dann geht es mit dem Flugzeug von Düsseldorf nach Daressalam, in die größte Stadt Tansanias. "Ich freue mich schon sehr", lächelt sie, doch denkt sie auch an die Zeit nach ihrer Wiederkehr. "Das Schlimmste ist, dass man ein Jahr lang weg ist. Wenn man wiederkommt weiß man nicht, wer noch da ist", sagt sie nachdenklich. Doch ein Foto von ihren Liebsten nimmt sie als Andenken mit. "Ich hoffe über Skype, WhatsApp und Facebook mit ihnen Kontakt halten zu können. Und mit der Tagesschau-App versuche ich über Geschehnisse in Deutschland auf dem Laufenden zu bleiben." Für die Zeit nach ihrer Rückkehr hat Lea schon Pläne geschmiedet. Sie möchte gerne ein Studium im Bereich Sozialpädagogik oder Soziale Arbeit beginnen. Im Moment richtet sie jedoch den Blick nach vorn. "Natürlich bin ich schon etwas aufgeregt. Dennoch, ich bin mir der Sache ganz sicher. Sonst hätte ich mich nicht beworben."

Zu Leas Projekt gehören das Matumaini Centre, die St. Dominic Savio Primary School und ein Waisenheim. Im Matumaini Centre wird Frauen das Schneidern beigebracht. Die "Dadas" (Schneiderinnen) nähen Laptoptaschen, Kleider, Topflappen, Taschen und vieles mehr. Kindergarten- und Vorschulkindern wird dort Lesen, Schreiben und Rechnen beigebracht. Die St. Dominic Savio Primary School wurde 2005 gegründet und feiert dieses Jahr ihr 10-jähriges Jubiläum. Auf der Schule werden 400 Kinder unterrichtet, bis zu 15 Prozent der Plätze stehen kostenlos für Aidswaisen zur Verfügung. Diese Aidswaisen leben in einem Waisenheim, das in das Projekt integriert ist.

Möchten Sie Leas Projekt in Tansania oder andere Freiwilligen im Ausland der Fachstelle "Weltkirche" unterstützen? Dann wenden Sie sich an: Bischöfliches Generalvikariat, Fachstelle Weltkirche, Referat Freiwilligendienste im Ausland, Domplatz 31, 48143 Münster.

Text und Foto: Eva-Maria Dorgelo
Kontakt: Pressestelle[at]bistum-muenster.de