Wer bin ich? Was macht mich aus? Und wie sehen mich andere? Fragen wie diese beschäftigen besonders Jugendliche auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Genau diesen Fragen widmet sich die Ausstellung „Ach, wie gut, dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß!“, die derzeit in der Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle (EFL) des Bistums Münster am Antoniusplatz in Münster zu sehen ist.
Die Arbeiten der Schülerinnen zum Thema Identität greifen das Gefühl auf, unterschiedlichen Rollen gerecht werden zu müssen, oder stellen die Frage, ob das Bild, das Menschen von sich zeigen, überhaupt ihrer wirklichen Persönlichkeit entspricht.
29 Schülerinnen des Kunst-Grundkurses der bischöflichen Marienschule haben sich unter der Leitung ihres Lehrers Thomas Gerhards intensiv mit dem Thema Identität auseinandergesetzt. Entstanden ist eine Ausstellung, die zeigt, wie unterschiedlich junge Menschen sich selbst und ihre Lebenswelt wahrnehmen. Dabei begegnen den Besucherinnen und Besuchern nicht nur Zeichnungen und Malereien: Auch Drahtskulpturen, Installationen, Fotografien, Collagen, modellierte Objekte und mehrere Video- und Audioarbeiten laden dazu ein, genauer hinzuschauen – und nachzudenken.
„Das Thema fanden die Schülerinnen sehr spannend“, berichtet Gerhards. „Sie haben schnell gemerkt, dass es auf die Frage nach der Identität keine eindeutige Antwort gibt.“ Deshalb habe er seinen Schülerinnen bewusst große Freiheiten gelassen. Nach ersten Impulsen aus der Kunstgeschichte entwickelten sie ihre Ideen eigenständig weiter, verwarfen Ansätze, experimentierten mit Materialien und fanden schließlich ganz persönliche Ausdrucksformen. So setzt sich eine Schülerin mit dem Leben zwischen Dorf und Stadt auseinander und verbindet in einem Video die Ruhe ihrer Heimat mit dem Lärm Münsters. Eine andere verarbeitet die Erfahrung, zwischen zwei Kulturen aufzuwachsen. Wieder andere beschäftigen sich mit Schönheitsidealen in sozialen Medien, mit Erwartungen anderer oder mit den Brüchen zwischen äußerer Fassade und innerem Erleben.
Eindrucksvoll sind Arbeiten, die persönliche Erfahrungen offen thematisieren. So erzählt eine Schülerin in einer Audioarbeit von gesundheitlichen Krisen und davon, wie ihr das Schwimmen Kraft gegeben hat. Andere Werke greifen das Gefühl auf, unterschiedlichen Rollen gerecht werden zu müssen, oder stellen die Frage, ob das Bild, das Menschen von sich zeigen, überhaupt ihrer wirklichen Persönlichkeit entspricht.
Dass die Ausstellung ausgerechnet in den Räumen der EFL gezeigt wird, ist kein Zufall. Für EFL-Leiterin Ursula Demmel passt das Thema zur täglichen Beratungsarbeit. „Wenn Menschen sich fragen, was ihre Identität bestimmt, ob sie im Einklang mit ihren Möglichkeiten leben oder Spannungen zwischen Wunsch und Wirklichkeit erleben, dann sind das genau die Fragen, mit denen wir hier häufig zu tun haben“, sagt sie. Die Ausstellung eröffne deshalb einen besonderen Zugang zu Themen wie Sinnsuche und persönlicher Entwicklung.
Die Ausstellung ist noch bis Dienstag, 14. Juli, in der Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle des Bistums Münster zu sehen. Für einen Besuch ist eine Anmeldung im Sekretariat unter Telefon 0251 13533-0 erforderlich.