„Das ist ein Novum in der Geschichte des Bistums. 1.200 Jahre ist es anders gelaufen“, sagt der 62-Jährige. Umso größer sei für ihn der Moment gewesen, als er kurzfristig in das Gremium nachrückte. „Ich war überrascht und habe mich sehr in die Verantwortung genommen gefühlt.“ Der promovierte und habilitierte Theologe engagiert sich seit vielen Jahren in seiner Heimatpfarrei St. Marien in Lünen sowie im Kreisdekanat Coesfeld, das er seit 2024 im Diözesanrat des Bistums Münster vertritt.
Matthias Laarmann aus Lünen wirkte an der Bischofssuche mit
, Kreisdekanat Coesfeld
Matthias Laarmann ist noch immer bewegt von den historischen Treffen, die bereits einige Wochen zurückliegen. Rückblickend auf seine Erfahrungen, die er so schnell nicht vergessen wird, spricht er mit leuchtenden Augen: Als einer von 16 aus dem Diözesanrat gewählten Katholikinnen und Katholiken war der Lüner gemeinsam mit dem Domkapitel an der Suche nach einem neuen Bischof für das Bistum Münster beteiligt.
Bischof Heiner Wilmer möchte mit den Menschen gemeinsam und nicht von oben herab arbeiten. Er begreift sein Bischofsamt ganz als Dienst und hat die Gabe, in einfachen Worten sehr tiefgründige spirituelle Botschaften zu formulieren.

Die Atmosphäre der Beratungen mit dem Domkapitel hat ihn besonders beeindruckt. „Das war kein Funktionärstreffen, sondern es herrschte ein geistliches Klima“, betont er. Gebet und Liturgie hätten genauso dazugehört wie offene Gespräche. „Man hat einander sehr aufmerksam zugehört. Dabei gab es keinen Unterschied, wer gesprochen hat.“ Die Gesprächsgruppen seien immer wieder neu gemischt worden. „Man hat die Stimmung im gesamten Gremium gespürt, und das hat das eigene Nachdenken verändert“, berichtet Laarmann von den vertraulichen Treffen.
Gemeinsam analysierten Laien und Domkapitel die Lage des größten deutschen Bistums: kleiner werdende Gemeinden, gesellschaftlicher Wandel, Glaubwürdigkeitsfragen, aber auch Stärken und Chancen. „Wir haben versucht, unsere Ist-Zustände, unsere Lücken und unsere Bedürfnisse möglichst vollständig darzustellen“, sagt der Theologe, der am Dortmunder Immanuel-Kant-Gymnasium auch noch Latein und Philosophie unterrichtet.
Ein Satz sei ihm dabei besonders wichtig gewesen: „Wir müssen kleiner und besser werden.“ Das sei keine Resignation, sondern ein Anspruch. Entsprechend klar waren die Erwartungen an den neuen Bischof: „Er soll bildungsaffin sein, geistliche Tiefe haben, öffentlich auftreten können und zugleich Brücken bauen.“ Gerade in einer Kirche mit sehr unterschiedlichen Positionen brauche es eine Persönlichkeit, die Konsens suche, aber nicht eine beliebig verschiebbare Mitte darstelle. „Eine Klammer, die verlässlich katholisch zusammenhält.“
Aus mehr als anfangs 30 vorgeschlagenen Namen kristallisierte sich nach intensiven Gesprächen eine engere Auswahl heraus. Am Ende, so Laarmann, habe ihn besonders erstaunt, dass die Vorschläge der Laien und des Domkapitels eine „enorme Deckungsgleichheit“ gehabt hätten. „Das ist heute nicht selbstverständlich und schon gar nicht in kirchlichen Gremien“, lautet seine Erfahrung.
Am Donnerstag, 26. März, dem Tag der Ernennung des neuen Bischofs von Münster, war die Spannung hoch und die Freude entsprechend groß, als klar wurde: Der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer, ein Kandidat der gemeinsamen Liste, wird neuer Bischof von Münster.
Unvergessen bleibt für ihn das erste Treffen noch vor der öffentlichen Bekanntgabe. „Wir wussten bis zu dem Zeitpunkt nicht, wer es sein wird. Aber als Heiner Wilmer den Raum betrat, gab es erstmal Standing Ovation“, erinnert sich Laarmann. Wilmer habe sich vorgestellt, sei offen, zugewandt und humorvoll gewesen. „Er kann auch über sich selbst lachen. Das kam sehr gut an.“ Besonders habe ihn beeindruckt, dass Wilmer jeden im Raum persönlich angesprochen habe. Für Laarmann stand schnell fest: „Das zeigt, dass er mit den Menschen gemeinsam und nicht von oben herab arbeiten möchte, sein Bischofsamt ganz als Dienst begreift.“

Matthias Laarmann aus Lünen war als einer der 16 Katholikinnen und Katholiken gemeinsam mit dem Domkapitel an der Suche nach einem neuen Bischof für das Bistum Münster beteiligt.
© PrivatWilmer sei ein Kandidat, der zuhört, Brücken baut und geistlich überzeugt. „Er hat die Gabe, in einfachen Worten sehr tiefgründige spirituelle Botschaften zu formulieren“, sagt Laarmann. Das sei in seiner Ansprache im St.-Paulus-Dom deutlich geworden. „Genau das braucht die Kirche jetzt“, ist er überzeugt.
Für ihn persönlich bleibt die Mitarbeit bei der Bischofssuche eine prägende Erfahrung und ein starkes Zeichen für das Bistum Münster. „Es war ein einmaliger Akt des Vertrauens. Ich hoffe sehr, dass die Beteiligung von Laien kein Sonderfall bleibt“, sagt er und fügt er hinzu: „Dieses Miteinander hat gezeigt, wie viel möglich ist, wenn man gemeinsam Kirche sein will.“
Und natürlich hoffe er, dass der neue Bischof von Münster auch eines Tages den ältesten Marienwallfahrtsort des Bistums und damit seine Heimatpfarrei St. Marien in Lünen besuche. Zunächst aber freue er sich auf die Einführung von Bischof Wilmer am Sonntag, 21. Juni, um 14 Uhr in Münster.
Der Gottesdienst wird im WDR-Fernsehen sowie auf dem Facebook- und YouTube-Kanal des Bistums Münster übertragen. Auch auf den Domplatz wird es eine Übertragung geben.
Text: Michaela Kiepe/Foto: privat
