Medizinische Angebote bündeln zu zukunftsfähigen Versorgungsstrukturen

Katholische Krankenhäuser sind nicht nur im Bistum Münster unverzichtbar, sondern auch "grundsätzlich in unserer Gesellschaft". Eindeutig hat sich Bischof Dr. Felix Genn am Abend des 20. April vor 130 Vertretern aus Kirchengemeinden und Kliniken im Diözesancaritasverband zur kirchlichen Gesundheitshilfe bekannt.

Die Krankenversorgung sei ein unverhandelbarer Grundauftrag der Kirche. Um diese in einem schwierigen Wettbewerbsumfeld zu erhalten, sprach sich Genn für eine von Vertrauen und Solidarität geprägte Entwicklung von Verbundstrukturen aus. Er fragt "Ist ein ,katholischer Krankenhausplan‘ eine realistische Option?" Die Schließung des Emsdettener Krankenhaus könne ein Lehrbeispiel sein, dass innerkirchliche Koordination notwendig sei.

Die Probleme der Marienhospital-Gesellschaft im Kreis Steinfurt zeigten auf, in welch "schwierigem Spannungsfeld sich gerade konfessionelle Träger zwischen Fürsorgepflicht, wirtschaftlicher Effizienz und öffentlichem Vertrauen" bewegten. Er bedauere sehr, dass Kirche hier nicht als Hilfsinstanz, sondern als Teil des Problems wahrgenommen worden sei. Kritisch merkte Genn an, dass durch Einzelinteressen viel Zeit und Vertrauen verloren gegangen sei. Deutlich geworden sei, wie "begrenzt die Einflussmöglichkeiten des Bistums sind."

Im Sinne der Glaubwürdigkeit sieht es Genn geradezu als Pflicht an, sich darüber zu verständigen, was aus dem Anspruch des "Katholischen" und "Christlichen" für die Gesamtlandschaft von Trägern und Kliniken strukturell folgt. Hier sei er auch dankbar, dass sich eine Initiative von Ärzten und Geschäftsführern gegründet habe, die sich mit dem christlichen Profil der Krankenhäuser auseinandersetze. Das sei keine "Feierabendveranstaltung", sondern könne "zum Gelingen unserer Arbeit beitragen und damit die Zukunftsfähigkeit katholischer Krankenhäuser sichern."

Eine Umfrage dieser Initiative habe ergeben, dass die Mitarbeiter die besondere "Beziehungsqualität" der katholischen Krankenhäuser gegenüber den Patienten durchaus wahrnehmen. Zudem schätzten sie den respektvollen und würdigenden Umgang untereinander als auch mit den Vorgesetzten. Diese Beziehungsqualität ergebe sich aber nicht von allein, sondern hieran müsse beständig aktiv gearbeitet werden.

Während diese "weichen Faktoren" selbst beeinflusst werden könnten, seien die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen im Wesentlichen vorgegeben. Wirtschaftlichkeit sei auch in der katholischen Soziallehre gefordert. Aber bei allen Forderungen nach Effizienzsteigerung und trotz allen Wettbewerbsdrucks dürfe der Mensch als Ziel allen Handelns nicht aus dem Blick verloren werden. Auf dem Gesundheitsmarkt dominiere die Überlebensfrage, und die stelle sich auch katholischen Krankenhäusern. Es verwundere deshalb nicht, wenn sich kirchliche Häuser im Tagesgeschäft weniger als Kooperationspartner denn als Rivalen sähen. Fraglich sei allerdings, ob dies tatsächlich wirtschaftlich effizient und damit auch der Patientenfürsorge dienlich sei.

Wettbewerb dürfe nicht "das letzt-bestimmende Prinzip" des Zusammenwirkens der katholischen Krankenfürsorge sein. Aus christlich-sozialethischer Perspektive müssten sich die Kräfte des Wettbewerbs "sozialen und menschendienlichen Zwecken" beugen und eingegrenzt werden. Da ein Ausstieg aus dem System keine Option sei, müsse überlegt werden, welche Spielräume der Wettbewerb lasse. Genn fragte dazu: "Welches sind die Werte und Prinzpien, die wir für angemessen halten, den Wettbewerb zu gestalten?"
Die im Vortrag aufgeworfenen Fragen griffen die Teilnehmer in einer engagierten Diskussion auf. Deutlich wurde, dass durch wirtschaftlichen Druck gerade die kleineren und mittleren Krankenhäuser in der Existenz bedroht sind. Weitere Schließungen seien nicht auszuschließen. Wichtig sei, dass in der Region Gespräche über eine zielgerichtete, zukunftsträchtige Versorgung der Patienten geführt würden. Hierfür wurde ein "Frühwarnsystem" gefordert.

Bischof Genn sicherte zu, dass er mit den Leitungen und Mitarbeitern der Kliniken im Gespräch bleiben wird. Aus der Diskussion nehme er mit, dass Seelsorge ein essenzielles Merkmal eines katholischen Krankenhauses ist.

Bildunterschrift: Bischof Genn warf vor 130 Vertretern aus katholischen Kliniken und Seelsorgern im Bistum Münster die Frage nach der Notwendigkeit eines katholischen Krankenhausplans auf.

Text: Bischöfliche Pressestelle / 21.04.16
Kontakt: Pressestelle[at]bistum-muenster.de
Fotos: Harald Westbeld/Caritas