Die ersten Weichen wurden nach dem Abitur gestellt. Anderthalb Jahre lebte Rauschel in der ökumenischen Gemeinschaft von Taizé in Frankreich. Als Freiwilliger half er bei den internationalen Jugendtreffen mit, leistete Netzwerkarbeit für die Gemeinschaft in verschiedenen Ländern und wurde während der gesamten Zeit von einem Ordensbruder spirituell begleitet. „Damals habe ich erlebt, wie wertvoll es ist, jemanden an seiner Seite zu haben, der zuhört und einen ein Stück des Weges begleitet“, erinnert er sich.
Diese Zeit prägte ihn nachhaltig. Nach seinem Theologiestudium sammelte Rauschel praktische Erfahrungen: in der Jugendbildungsarbeit, in der geistlichen Begleitung und schließlich in der Hospizbewegung. Dort ließ er sich zum Sterbe- und Trauerbegleiter ausbilden. „Mich hat interessiert, was Menschen wirklich trägt – und wie Begleitung in existenziellen Situationen aussehen kann“, erklärt Rauschel.
Auch persönliche Erfahrungen haben seinen Blick geschärft. Nach seiner Zeit in Taizé erkrankte Rauschel schwer. Die Erkrankung verzögerte seinen Studienbeginn und ließ ihn erfahren, wie wichtig Menschen sind, die einen durch Krisen begleiten. „Ich habe selbst erlebt, wie gut es tut, wenn jemand da ist und einem Orientierung gibt.“
Beruflich führte ihn sein Weg zunächst in ein Altenpflegeheim in Dülmen, später als Jugendseelsorger und Geistlicher Leiter des KjG-Diözesanverbandes nach Essen. Seit März arbeitet Rauschel im Bischöflichen Generalvikariat Münster als Referent für zielgruppenorientierte Pastoral mit dem Schwerpunkt Sterben, Tod und Trauer. Dort beschäftigt ihn unter anderem die Frage, wie Trauerpastoral weiterentwickelt und besser vernetzt werden kann.
Gerade hier sieht er viele Berührungspunkte zur Ehe-, Familien- und Lebensberatung. „Wenn ein Kind stirbt oder ein schwerer Verlust eine Familie trifft, betrifft das immer auch Beziehungen und das ganze Familiensystem. Da gibt es viele Schnittstellen“, sagt er. Dass der Masterstudiengang nun in Münster angeboten wird, kam für ihn genau zum richtigen Zeitpunkt. Gemeinsam mit seiner Frau entschied er sich, die Herausforderung trotz Beruf und zwei kleiner Kinder anzunehmen.
Besonders reizt ihn am Studium nicht nur die fachliche Weiterbildung, sondern auch die persönliche Entwicklung. „Ich freue mich darauf, anders aus diesem Studium herauszugehen, als ich hineingehe“, begründet der 35-Jährige. Beratung bedeute für ihn vor allem, Menschen nicht vorschnell Lösungen anzubieten: „Ich glaube, gute Beratung beginnt damit, einen Raum zu öffnen und erst einmal zu fragen: Was brauchen Sie?“
Für Rauschel ist das weit mehr als eine berufliche Qualifikation. Er versteht die Arbeit als Ausdruck dessen, wofür Kirche da ist: „An solchen Orten entscheidet sich, ob Kirche das Evangelium lebt und wirklich für die Menschen da ist“ sagt er. Deshalb wünsche er sich, dass Angebote wie die Ehe-, Familien- und Lebensberatung auch in Zukunft gestärkt werden: „Dort geht es um Beziehungen, um Familien und darum, dass Menschen gut miteinander leben können. Das ist für mich echtes Kerngeschäft.“
Ann-Christin Ladermann

