Menschenwürdig leben: Erste Jugendkatechese 2016 mit Bischof Genn
"Fast acht Milliarden Menschen, doch die Menschlichkeit fehlt." Rhythmisch schallte der Song ‚Astronaut‘ der Musiker SIDO und Andreas Bourani mit dieser Liedzeile durch die Jugendkirche effata(!) in Münster.
Bischof Dr. Felix Genn begrüßte am Abend des 24. Januar rund 60 Jugendliche, darunter Firmgruppen aus Greven und den Münsteraner Stadtteilen Wolbeck, Gremmendorf, Angelmodde und Kinderhaus, zur ersten Jugendkatechese des Jahres. 90 Minuten lang sprach er mit ihnen über das Thema ‚Be human! – Wie kann ich menschenwürdig leben?‘
"Der Song stellt uns Menschen in kein gutes Licht", führte das Katecheseteam um Martin Limberg, Leiter der Diözesanstelle Berufe der Kirche, und Sven Tönies, pastoraler Mitarbeiter der Jugendkirche, ein. Und doch mache das Lied Hoffnung. Denn wer die Menschen aus der Perspektive Gottes betrachte, also von Oben, bekomme eine andere Sicht auf sie.
"Was ist überhaupt der Mensch?" – Keine leichte Frage, die Bischof Genn zu Beginn seiner Katechese den Jugendlichen stellte. Auf der einen Seite gehe es gerade in der jungen Generation häufig darum, immer mehr und alles immer schneller zu leisten. "Eltern, Lehrer, Freunde: Alle wollen, dass ich so werde, wie sie es sind", wies der Bischof auf den Druck hin, der manchmal auf den Jugendlichen laste. Auf der anderen Seite sehe es in der Tiefe vieler Menschen oft leer aus. "Ich kann Hunderte von Facebook-Freunden haben, aber trotzdem einsam sein", sagte er.
Das Erste, was ein Mensch unbewusst im Leben erfahre, sei ein lächelndes Gesicht, das einen anschaue. Diese Ur-Erfahrung mache deutlich: "Es ist gut, dass es dich gibt." Der Bischof betonte damit etwas Grundlegendes: "Menschenwürdig leben kann ich also nur, wenn ich angenommen bin – mit all meinen Stärken und Schwächen." Darin bestehe auch die Grundbotschaft des Christentums: "Du bist von Gott angenommen. Und du bist eingeladen, anderen Menschen diese Botschaft weiterzugeben", sagte er. Das sei christliche Nächstenliebe.
Im zweiten Teil seiner Katechese erklärte Bischof Genn die Rolle der Kirche bei diesem Thema. "Die Bibel spricht davon, dass wir Abbild Gottes sind", sagte er. Gott selbst sei die Liebe. Anhand eines Beispiels aus dem Leben der Jugendlichen verdeutlichte er, was es heißt, von Gott geliebt zu werden. "Ein Säugling kann erst gar nichts, im Gegenteil, er kostet Zeit, Nerven und Geld. Und doch: Wie froh sind die Eltern, dass es uns gibt!" So verhalte sich auch Gott zu den Menschen. Er brauche sie nicht, liebe sie aber trotzdem. Der Bischof lud die Jugendlichen ein, mit Jesus ins Gespräch zu kommen. "Egal wie einsam du mal bist, wir können immer mit Jesus sprechen", sagte er. "Fange einfach an, mit ihm Kontakt aufzunehmen."
Die Worte des Bischofs warfen so manche Fragen bei den Jugendlichen auf. "Sie begegnen ja auch Menschen, die Böses getan haben. Wie gehen Sie damit um?", fragte ihn ein Firmling. Bei seinen Besuchen in Gefängnissen begegne er Menschen, die ein Verbrechen begangen hätten, erklärte der Bischof. "Ich frage den Gefangenen nie, was er getan hat, aber ich danke Gott, dass es mir nicht passiert ist. Jesus hält auch für diesen Menschen eine Chance bereit."
Ein Videoclip des SOS-Kinderdorfs Norwegen, in dem ein frierender Junge ohne Jacke an einer Bushaltestelle in Oslo gezeigt wird, verdeutlichte den Jugendlichen abschließend den Hauptgedanken des Bischofs. "Wenn wir davon ausgehen, dass wir von Gott angenommen sind, dann haben wir nur eine Möglichkeit: Wir müssen unsere Jacke an den Jungen abgeben", erklärte Sven Tönies. "Denn wir können dazu beitragen, die Welt ein bisschen wärmer zu machen." Als Erinnerung erhielten alle Jugendlichen einen Taschenwärmer in Herzform.
"Die Jugendkatechese war richtig modern gestaltet und auch die Themen, die der Bischof angesprochen hat, waren modern", fasste die 16-jährige Greta ihre Eindrücke zusammen. Ihre Freundin Vanessa (15) stimmte zu: "Mir hat es auch gut gefallen, vor allem die Videoclips und dass der Bischof so persönlich gesprochen hat."
Text: Bischöfliche Pressestelle
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