Michael Huhn aus Oer-Erkenschwick leitet ehrenamtlich Beerdigungen

, Kreisdekanat Recklinghausen

Ein ganzes Leben noch einmal in den Blick nehmen, die Geschichte eines Menschen würdigen und Angehörigen in einer schweren Zeit beistehen – dieser Aufgabe widmet sich Michael Huhn künftig als ehrenamtlicher Beerdigungsleiter in der Pfarrei St. Josef.

Der 70-Jährige aus Oer-Erkenschwick bringt dafür nicht nur viel Lebenserfahrung, sondern auch einen vielseitigen beruflichen und akademischen Hintergrund mit. Huhn ist Diplom-Theologe und absolvierte ein Magisterstudium der Geschichte, Philosophie, Germanistik und Judaistik. Nach einigen Jahren an der Universität Münster wechselte er 1994 zum Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat in Essen. Bis zu seiner Pensionierung vor vier Jahren war er zunächst als Länderreferent unter anderem für Haiti, später als Leiter einer Projektabteilung und schließlich als Archivar tätig. „Die 28 Jahre bei Adveniat und die vielen Reisen haben mich geprägt“, sagt der gebürtige Oerer.

Seiner Heimatpfarrei ist Michael Huhn eng verbunden. Als Kommunionhelfer, Lektor, Pfarrarchivar und Mitglied verschiedener Gremien engagiert er sich seit vielen Jahren im Gemeindeleben. Als er erstmals auf die Ausbildung zum ehrenamtlichen Beerdigungsleiter angesprochen wurde, reagierte er zunächst zurückhaltend. Doch die Idee ließ ihn nicht mehr los. „Warum nicht noch einmal etwas Neues machen?“, fragte er sich. Kurz vor Beginn des Kurses entschied er sich zur Teilnahme. Von den ursprünglich 15 Teilnehmenden erhielten schließlich 13 die kirchliche Beauftragung – darunter auch Michael Huhn. 

Michael Huhn aus Oer-Erkenschwick hat sich für den ehrenamtlichen Trauer- und Begräbnisdienst fortgebildet und leitet ab September in seiner Pfarrei ehrenamtlich Beerdigungen.

© Bistum Münster

Ganz neu ist die Aufgabe für ihn nicht. Im Familien- und Freundeskreis hat er bereits mehrfach bei Beerdigungen gepredigt. Zudem verfügt er über eine Ausbildung zum Gottesdienstleiter. „Vor Menschen zu stehen und zu ihnen zu sprechen, ist mir nicht fremd“, erklärt er.

Besonders ansprechend findet er die Möglichkeit, sich intensiv mit dem Leben eines Verstorbenen auseinanderzusetzen. „Bei einer Beerdigung wird ein ganzes Leben noch einmal betrachtet“, sagt Huhn. Es gehe darum, Menschen ehrlich zu würdigen und ihrer Persönlichkeit gerecht zu werden. Zugleich verstehe er seine Aufgabe als praktische Seelsorge. „Der Tod ereignet sich mitten im Leben und verweist auf ein neues Leben. Für uns Christen ist er nicht das Ende. Eine Beerdigung ist ein besonderer Moment, in dem wir davon Zeugnis ablegen“, betont er.

Für ihn bilden die Gespräche mit den Hinterbliebenen einen besonderen Aspekt. „Zuhören ist oft wichtiger als vieles andere“, sagt Huhn. Wenn Angehörige erzählen könnten, was das Leben eines Verstorbenen geprägt habe, entstehe häufig ein persönliches und tröstliches Bild des Menschen. Zu seinem Dienst gehöre neben der Gestaltung der Trauerfeier auch das Gebet für und mit den Hinterbliebenen. Gerade in Zeiten tiefster Trauer, wenn die Worte fehlen, könne dieses stellvertretende Gebet Trost und Unterstützung schenken. Viele Menschen wüssten dies zu schätzen, wenn sie selbst nicht beten können oder möchten.

Den Ausbildungskurs erlebte Huhn als große Bereicherung. Besonders schätzte er den Austausch mit den anderen Teilnehmenden, die unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven einbrachten. Gleichzeitig bot die Ausbildung Raum, sich intensiv mit Fragen von Sterben, Tod und Trauer auseinanderzusetzen. In seiner Abschlussarbeit beschäftigte er sich mit der Geschichte des Todes und dem Wandel der Bestattungskultur.

Der Vater von fünf erwachsenen Kindern liest viel, hält Vorträge zu historischen Themen und setzt sich weiterhin intensiv mit theologischen und gesellschaftlichen Fragestellungen auseinander. Mit seinem neuen ehrenamtlichen Engagement möchte er Menschen in schwierigen Situationen begleiten und ihnen Halt geben – mit Empathie, Aufmerksamkeit und einem offenen Ohr.

Informationen zum nächsten Ausbildungskurs, der 130 Unterrichtsstunden umfasst und Anfang kommenden Jahres erneut vom Kreisbildungswerk Recklinghausen angeboten wird, gibt es per E-Mail an info[at]kbw-recklinghausen.de.

Michaela Kiepe