„Mitten im Leben – Seelsorge auf dem Friedhof“

, Stadtdekanat Münster

Menschen kommen mit Blumen zum Grab eines Angehörigen, andere drehen mit ihrem Hund eine Runde oder sind Richtung Aasee unterwegs. Auf dem Zentralfriedhof in Münster ist viel los. Unter dem Titel „Mitten im Leben“ gibt es dort auch in diesem Herbst und Winter wieder ein Gesprächsangebot. Jeden Dienstag von 14.30 bis 16.30 Uhr sind katholische und evangelische Seelsorgerinnen und Seelsorger dafür auf dem Friedhof. 

Markus Kortewille (links) und Margarete Schylek freuen sich auf den Start des neuen Seelsorgeangebotes auf dem Zentralfriedhof.

© Bistum Münster

Treffpunkt ist das Begegnungszentrum am Eingang des Friedhofs. Wer möchte, kann bei einer Tasse Kaffee oder Tee bleiben oder gemeinsam mit einem Seelsorgenden einen anderen Ort auf dem Friedhof aufsuchen. Mit einem Aufsteller wird während der entsprechenden Zeit auf das Angebot aufmerksam gemacht. 

„Wir möchten einfach für die Menschen da sein“, sagt Margarete Schylek, Pastoralreferentin in der Pfarrei St. Liudger. Nicht nur Trauernde sollen sich angesprochen fühlen. Wer Sorgen oder Fragen mitbringt, jemanden zum Reden sucht oder einfach ein Gespräch führen möchte, ist willkommen. „Der Ort selbst eröffnet die Themen – und die Menschen bringen das mit, was sie beschäftigt“, ergänzt sie. Die Gespräche können kurz sein oder länger dauern, spontan entstehen oder sich aus einem Gang über den Friedhof ergeben. Auch ein gemeinsames Gebet an der Kapelle ist möglich. Kerzen sowie kleine Gebets- und Spruchkarten liegen bereit.

Für Markus Kortewille, Geschäftsführer des Zentralfriedhofs, passt der Titel „Mitten im Leben“, den das Team aus Vertretern des katholischen Stadtdekanates, des evangelischen Kirchenkreises und des Friedhofs bewusst gewählt haben, zum Charakter des Ortes. Der Zentralfriedhof sei nicht nur ein Ort für Trauer und Abschied. Auch Spaziergänger, Kultur- und Kunstinteressierte oder Menschen auf dem Weg durch die Stadt kommen vorbei. „Klar darf ein Friedhof ein abgeschiedener Ort sein“, sagt er. Gleichzeitig liege dieser Friedhof mitten im städtischen Leben. Die Seelsorge greife das auf und mache sichtbar: „Da ist jemand zum Gespräch.“

Das Angebot läuft zunächst bis zum 26. Januar. Zusätzlich sind einzelne Termine zu besonderen Zeiten geplant, zum Beispiel an Allerheiligen (1. November) und am 1. Weihnachtstag. Gerade für Menschen, die im vergangenen Jahr einen Angehörigen verloren haben, können diese Tage eine besondere Herausforderung sein. „Man sitzt am Essenstisch und der berühmte Platz ist frei“, beschreibt Kortewille die mögliche Situation. Ein Gang zum Friedhof, ein warmes Getränk und ein Gespräch könnten dann guttun.

Ann-Christin Ladermann