,MOAS‘ rettet Flüchtlinge in Seenot

Vom Militärchef zum Lebensretter für Tausende von Menschen: Diesen Weg ist Martin Xuereb gegangen. Für die gemeinnützige Stiftung ,Migrant Offshore Aid Station‘ (MOAS) ist er Direktor auf dem Schiff ,Phoenix‘.

Dessen Besatzung rettet und betreut Flüchtlinge, die auf nicht seetüchtigen Booten das Mittelmeer auf dem Weg nach Europa zu überqueren versuchen. Am 1. September sprach Xuereb in Münster mit Weihbischof Dr. Stefan Zekorn, im Bistum Münster Bischöflicher Beauftragter für die Weltkirche, über die Mission von MOAS. Mit dabei waren der stellvertretende Generalvikar und Mitbegründer der ,Aktion Hoffnungsschimmer‘, Dr. Jochen Reidegeld, sowie Dr. Elke Kleuren-Schryvers aus Kevelaer, Vorsitzende von ,Humanität e.V.‘, und ihr Mann Peter Tervooren.

Sie alle hörten von Xuereb und dem MOAS-Deutschland-Direktor Mathias Dentler die Geschichte von MOAS. Gegründet haben die Stiftung Christopher und Regina Catrambone, ein Unternehmerpaar aus dem Inselstaat Malta. Nachdem im Jahr 2013 etwa 400 Flüchtlinge vor der italienischen Insel Lampedusa ertrunken waren und Papst Franziskus vor Ort die Gleichgültigkeit gegenüber dem Flüchtlingselend scharf verurteilt hatte, rief das Paar mit privatem Vermögen als Startkapital MOAS ins Leben.

Xuereb ist Direktor des operativen Geschäfts. Früher war er auf Malta ,Chief of Defense‘, also Militärchef. Nach seiner Pensionierung ist er seit 2014 mit seiner Besatzung, die aus erfahrenen Seeleuten, Rettern und medizinischem Personal besteht, auf der ,Phoenix‘ auf dem Mittelmeer unterwegs. Schwerpunkt ist die Flüchtlingsroute Libyen – Italien. "2014 haben wir in 60 Einsatztagen rund 3.000 Menschen gerettet", erzählte er dem Weihbischof, "2015 waren es seit dem 2. Mai bis heute rund 8.000 Menschen." Noch bis Ende Oktober werde die ,Phoenix‘ im Einsatz sein.

Dabei arbeitet das Team eng mit den zuständigen italienischen Behörden zusammen. So werde es für Hilfseinsätze vom Koordinationszentrum zur Seenotrettung (MRCC) in Rom angefordert, sichte aber auch selbst Flüchtlingsboote. Entweder nehme man dann die Menschen an Bord oder bleibe in ihrer Nähe bis zum Eintreffen der Marine. Rund 415 Personen könne die 40 Meter lange ,Phoenix‘, ein umgerüsteter Fischtrawler, aufnehmen. Sie erhielten an Bord eine Erstversorgung mit Lebensmitteln, Wasser und – bei Bedarf – mit Medikamenten. Auch psychologische Betreuung stehe zur Verfügung. Dann bringe die ,Phoenix‘ die Flüchtlinge zu italienischen Häfen, zu denen das MRCC sie dirigiert.

Für seine herausfordernde Aufgabe nannte Xuereb einen ganz persönlichen Antrieb. 2013 musste er – damals noch im maltesischen Staatsdienst – auf einem Flüchtlingsboot mit mehreren hundert Toten die Leiche eines Achtjährigen bergen. "Seine Fäuste waren neben dem Kopf geballt, sein Gesichtsausdruck war verzweifelt", schilderte der 47-Jährige, "er starb im Wissen, völlig verlassen zu sein, seine letzten Gedanken müssen schrecklich gewesen sein." Diesen Anblick habe er nie vergessen.

Trotz der Arbeit, der Gefahren und der Kosten der Mission – immerhin arbeitet sie unter anderem auch mit Drohnen, die das Meer nach Booten absuchen – ist Xuereb von deren Berechtigung zutiefst überzeugt. "Wenn wir menschliches Leben wertschätzen, dürfen wir dafür keinen Preis ansetzen", betonte er. Jedes einzelne Leben sei den Einsatz wert. "Wenn wir nach der Rettung einer Mutter ihr Kind wieder in die Arme geben können oder ein alter Mann aus Dankbarkeit vor uns auf die Knie fällt, das sind Momente, die alles verändern", schilderte Xuereb.

Für eine solche Veränderung plädiert er auch mit Blick auf die europäische Flüchtlingspolitik. Denn: "Was wir tun, ist keine Lösung, Migration ist ein komplexes Thema, sehr politisch, mit vielen nationalen Interesses verbunden", meinte Xuereb. Und er kritisierte: "Was wir zurzeit an europäischer Flüchtlingspolitik erleben, ist keine humanitäre Krise, sondern eine Krise der Humanität." Ein Perspektivwechsel sei nötig: "Wir müssen die Perspektive der Menschen einnehmen, die keine Chance haben und keine andere Option als die Flucht." In diesem Sinne müssten positive Veränderungen auch in den Herkunftsländern gefördert werden. "Denn wer nur ein kleines bisschen Hoffnung, ein kleines Licht am Ende des Tunnels sieht, der möchte trotz Armut in seiner Heimat bleiben, statt eine lebensgefährliche Flucht zu riskieren", ist sich Xuereb sicher. Nur, wer keine Strukturen, keine Stabilität, keine Sicherheit in seinem Land finde, begebe sich auf die Flucht. Deshalb sei MOAS auf einem "Kreuzzug der Humanität" – damit noch viele Menschen sprichwörtliche Lichter am Ende des Tunnels sehen, anstatt zu Hunderten im Mittelmeer zu ertrinken.

Für die Fortsetzung ihrer Arbeit benötigt die Mission MOAS Spenden. Weitere Informationen gibt es unter www.moas.eu/de/.

Text: Bischöfliche Pressestelle
Kontakt: Pressestelle[at]bistum-muenster.de