Münstersches Gespräch zur Pädagogik behandelte inklusive Bildung

Inklusion will die gleichberechtigte Teilhabe aller, unabhängig von ihren vielfältigen Begabungen und Einschränkungen, am gesellschaftlichen Leben ermöglichen. Deshalb ist sie auch ein aktuelles Thema für und an Schulen.

Das wurde beim diesjährigen 31. Münsterschen Gespräch zur Pädagogik deutlich, das am Donnerstag und Freitag (3. und 4. April 2014) in der Katholische Akademie Franz-Hitze-Haus in Münster stattfand. Veranstalter war die Schulabteilung des Bischöflichen Generalvikariats (BGV) Münster in Kooperation mit dem Landeskompetenzzentrum für individuelle Förderung, der wissenschaftlichen Arbeitsstelle Evangelische Schule und der Franz-Hitze-Akademie.

Mit 200 angemeldeten Lehrkräften war die Veranstaltung ausgebucht. Sie stand in diesem Jahr unter dem Titel "(Keine) Angst vor Inklusion". Wie relevant dieses Thema ist, machte der Leiter der bischöflichen Schulabteilung, Dr. William Middendorf, schon in seiner Begrüßung deutlich: "Inklusive Bildung beschäftigt Politik und Öffentlichkeit inzwischen in einem Maße, das für bildungspolitische Themen schon als herausragend bezeichnet werden kann." Kurz ging Middendorf auf den ab dem nächsten Schuljahr geltenden schulgesetzlichen Auftrag der inklusiven Bildung und die aktuellen politischen Auseinandersetzungen zwischen Land und Kommunen über die Finanzierung angemessener Rahmenbedingungen ein.

Die pädagogische Herausforderung bestehe im "angemessenen Umgang mit Vielfalt", also in individueller Förderung in heterogenen Lerngruppen. Dabei seien nicht nur Beeinträchtigungen oder der Bedarf an sonderpädagogischer Förderung Kriterien für Heterogenität, sondern ebenso Geschlecht, ethnische Herkunft, soziales Milieu sowie besondere Leistungspotenziale. "Inklusion bedeutet eben, alle einzubeziehen", sagte Dr. Middendorf.

Potenziale standen denn auch im Mittelpunkt des ersten Hauptreferats. Dieses hielt Prof. Christian Fischer vom Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Münster. Für seinen Vortrag hatte er Praxisbeispiele unter anderem aus Kanada ausgewählt. Anhand derer stellte er Ansätze vor, um Lernvoraussetzungen und -möglichkeiten der Schülerinnen und Schüler in heterogenen und inklusiven Lerngruppen diagnostizieren zu lassen. Es gebe Potenziale in verschiedenen Bereichen, denen Beeinträchtigungen in anderen gegenüber stehen könnten, führte der Erziehungswissenschaftler aus. Eingang hatte er den Begriff der Inklusion noch einmal verdeutlicht.

Konkrete Hinweise für die Unterrichtsgestaltung gab dann die Professorin Annette Textor von der Universität Bielefeld. In ihrem Referat stellte sie mit dem so genannten Bielefelder Ansatz fünf Leitprinzipien einer Inklusiven Didaktik vorstellte, die sie anhand praktischer Beispiele aus der eigenen empirischen Schulforschung veranschaulichte.

Welche Auswirkungen eine inklusive Schul- und Unterrichtsentwicklung auf die Lehrerrolle haben kann, erläuterte die Hochschullehrerin Dr. Bettina Amrhein von der Universität Köln. Dabei zog sie als Modell ein Projekt aus Kanada heran. Ihren Fokus richtete sie unter anderem auf die Arbeit von Lehrkräften in multiprofessionellen Teams. Zugleich behandelte sie die Frage nach Unterstützung, die Lehrerinnen und Lehrer für ihre inklusive Arbeit erhalten müssen.

Im vierten Referat zeigte Prof. Ewald Terhart von der Universität Münster auf, welche Herausforderungen an die Lehrerbildung und die Entwicklung beruflicher Professionalität von Lehrkräften der Umgang mit Heterogenität mit sich bringt. Zugleich stellte er Umsetzungsmöglichkeiten dar.

Spannend entwickelte sich die Abschlussdiskussion. Dabei tauschten sich neben Prof. Terhart für den Bereich Wissenschaft Volkhard Trust von der Matthias-Claudius-Schule in Bochum für den Bereich Schulpraxis und die leitende Ministerialrätin Gabriele Mauermann für das Schulministerium mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus. Schnell zeigte sich, dass viele Lehrkräfte inklusive Bildung mit tragen, aber die personelle und sächliche Unterstützung noch zu klären ist. Vor allem sprachen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sich für personelle Unterstützungsmaßnahmen bei inklusiven Lerngruppen und transparente Zuteilungskriterien für Hilfen aus. Auch müsse die Lehrerbildung sich verstärkt der Inklusion widmen, für die auch eine höhere Aufgeschlossenheit in Schule und Gesellschaft notwendig sei.

Ergänzend zu den Referaten boten sechs Arbeitskreise Raum für die schulische Praxis. Dabei wurden beispielhafte Projekte wie die Villa Interim in Münster und die Fortbildungsangebote der Bezirksregierung Münster am Standort Stift Tilbeck vorgestellt.

Die Organisatoren der Tagung – neben Prof. Fischer von der Uni Münster und Dr. Uta Hallwirth von der wissenschaftlichen Arbeitsstelle Evangelische Schule auch Dr. Stephan Chmielus und Dr. William Middendorf von der bischöflichen Schulabteilung – zeigten sich mit dem Ablauf der Tagung hoch zufrieden. Dabei galt ihr Dank besonders Andrea Leifhelm und Anke Geilhardt als guten Geister im Hintergrund.

Text: Bischöfliche Pressestelle
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