Neues Kursangebot im Haus der Familie in Warendorf

Warum handelt der junge Mann aus Syrien so? Was veranlasst die geflüchtete Mutter zu dieser Reaktion? Carmen Steinhoff stellt sich solche und ähnliche Fragen oft, wenn sie Flüchtlinge in ihrem Deutschunterricht erlebt.

Die ehrenamtliche Lehrerin aus Sendenhorst weiß, dass man Menschen am besten willkommen heißen kann, wenn man etwas über ihr Land und die Kultur weiß.

Der Grundlagenkurs "Sprache und Kultur des arabischen Raums für ehrenamtlich Tätige", den das Haus der Familie in Warendorf seit Ende September erstmals anbietet, ist darum genau das Richtige für Carmen Steinhoff. "Es fällt mir zwar schwer, die arabischen Vokabeln zu lernen, aber auch der Einblick in die Kultur dieser Menschen bringt mich schon in meiner Arbeit weiter", sagt sie.

Mit rund zehn weiteren Ehrenamtlichen aus dem Kreis Warendorf nimmt sie wöchentlich an dem zweistündigen Kurs im Haus der Familie teil. Dozent und Islamwissenschaftler Thomas Thiemann wendet dabei ein Konzept an, das in dieser Form bislang einmalig ist: "Wir setzen jede Stunde unter ein bestimmtes Thema. In der ersten Hälfte beschäftigen wir uns dann mit dem kulturellen Hintergrund, bevor wir in der zweiten Hälfte die wichtigsten arabischen Wörter und Sätze zu dem Oberbegriff lernen", erklärt er. So haben die Teilnehmer schon Einblicke in die Themen "Familie und Freunde", "Ernährung" und "Smalltalk" bekommen.

Beim Thema "Krank sein" hat Thiemann, der zudem als Krankenpfleger arbeitet, besonders viel zu erzählen. Theoretisches Hintergrundwissen reicherte er mit Anekdoten aus dem Krankenhausalltag an. So erfuhren die ehrenamtlichen Frauen und Männer, dass kranke Menschen aus dem arabischen Raum vom Fasten ausgeschlossen sind, arabische Patienten überdurchschnittlich viel Besuch bekommen und die Behandlung durch Ärzte des jeweils anderen Geschlechts viel Einfühlungsvermögen erfordert. Auch die wichtigsten Vokabeln zum Thema "Krank sein" sowie Sätze beispielsweise für einen Arztbesuch lernten die Teilnehmer. Weil der Erwerb der arabischen Schriftzeichen zu umfangreich ist, übersetzt Thiemann die arabischen Wörter bereits in die lateinische Schrift, also Buchstaben. Die richtige Aussprache wird dann gemeinsam geübt.

Für Isabella Matic, Mitarbeiterin des Hauses der Familie, steht mit dem Kursangebot die Hilfe zur Integration im Vordergrund. "Es geht hierbei nicht schwerpunktmäßig um den Spracherwerb, sondern um die Verknüpfung von Kultur und Sprache, um das ‚Willkommen heißen‘ der Geflüchteten", denn, so fügt Matic hinzu: "Die größten Barrieren für Verstehen und Vermittlung sind kulturelle Unterschiede und fremde Sprachen." Mit dem Grundlagenkurs knüpft das Haus der Familie an bereits stattgefundene Kurse zur Qualifizierung Ehrenamtlicher in der Flüchtlingsarbeit an.

Bildunterschrift: Das Wörterbuch "arabisch-deutsch" immer dabei, lernen die Teilnehmer in kleinen Übungen die richtige Aussprache und das richtige Schriftbild der arabischen Wörter.

Text: Bischöfliche Pressestelle / 10.11.16
Kontakt: Pressestelle[at]bistum-muenster.de
Foto: Bischöfliche Pressestelle/Ann-Christin Ladermann