Notfallseelsorge in der Schule

, Bistum Münster

Ein leerer Stuhl im Klassenraum. Flüsternde Stimmen auf dem Flur. Lehrkräfte, die um Worte ringen, während Schülerinnen und Schüler versuchen zu begreifen, was geschehen ist. Wenn ein tragisches Ereignis das Leben an einer Schule erschüttert, gerät der gewohnte Alltag aus dem Gleichgewicht – und genau in solchen Momenten wird Notfallseelsorge zu einem wichtigen Halt für viele Betroffene.
 

Pfarrer Ingo Janzen, Regionalpfarrer für Notfallseelsorge der Evangelischen Kirche von Westfalen, sprach über die Herausforderungen von Einsätzen an Schulen.

© Bistum Münster

„Die Notfallseelsorge wird als verlässlicher Partner in der Rettungskette immer stärker wahrgenommen“, eröffnete Peter Bromkamp, Ansprechpartner für die Notfallseelsorge im Bistum Münster, den vierten Münsterländer Tag der Notfallseelsorge am 24. April. Rund 70 Mitarbeitende der Notfallseelsorge aus den Kreisen Warendorf, Borken, Coesfeld, Steinfurt und der Stadt Münster kamen zu dem Fortbildungstag im Stadtweinhaus in Münster zusammen. Im Mittelpunkt stand das Thema „Notfallseelsorge in der Schule“ – ein Einsatzfeld, das besondere Anforderungen an die Helfenden stellt. 

Zu Beginn erklärte Pfarrer Ingo Janzen, Regionalpfarrer für Notfallseelsorge der Evangelischen Kirche von Westfalen, dass Einsätze an Schulen für Notfallseelsorgende eine besondere Herausforderung darstellen. Schule sei ein vertrauter Ort, zu dem viele eigene Erinnerungen hätten – zugleich aber ein komplexes System mit festen Strukturen, in das Einsatzkräfte als Gäste eintreten. Besonders wichtig sei es daher, klaren Aufträgen zu folgen, Ruhe zu bewahren und sich eng mit den Verantwortlichen vor Ort abzustimmen. „Wir kommen da rein, wo auf einmal nichts mehr normal ist – und treffen auf sehr viele Menschen mit ganz unterschiedlichen Reaktionen“, machte Janzen deutlich. Gerade deshalb brauche es Geduld, klare Rollenverteilungen und eine gute Zusammenarbeit im Team, um Betroffene wirksam unterstützen zu können.

Verlässliche Strukturen sind wichtig

In drei Workshops wurden anschließend unterschiedliche Aspekte von Schuleinsätzen vertieft. So widmete sich Verena Schrimpf dem Thema „Rituale im Kontext eines schulischen Todesfalles“. Die Referentin für die Schulseelsorgenden im Bistum Münster zeigte auf, wie sehr ein Todesfall das System Schule aus der Bahn werfen kann und wie wichtig verlässliche Strukturen in solchen Momenten sind. „Rituale können helfen, Gefühle auszudrücken und Übergänge zu gestalten. Sie schaffen Orientierung in Situationen, die von Unsicherheit geprägt sind, und stärken das Gefühl von Gemeinschaft“, erklärte sie. 

Anhand mehrerer Beispiele verdeutlichte sie, wie solche Rituale konkret aussehen können: das Gestalten eines Erinnerungsortes, das Schreiben von Kondolenzkarten oder gemeinsame Gedenkminuten. Die Referentin betonte, dass Rituale immer freiwillig bleiben und sich an den Bedürfnissen der Betroffenen orientieren müssen. „Ziel ist es, Sicherheit zu geben und gleichzeitig Raum für individuelle Trauer zu lassen“, betonte Verena Schrimpf.

Notfallsysteme in Schulen

Judith Matern, stellvertretende Schulleiterin des Overberg-Kollegs in Münster, gab in ihrem Workshop „Hinter den Kulissen – Strukturen in Schule“ Einblicke in die organisatorischen Abläufe einer Schule. „Eine Schule funktioniert wie ein kleines Dorf mitten in der Stadt. Krisen und Notfälle gibt es dort ganz genauso wie in der übrigen Gesellschaft“, erläuterte die Pädagogin. In Krisensituationen sei es deshalb entscheidend, die richtigen Ansprechpartner schnell zu finden und zu wissen, wie Entscheidungen getroffen werden. Die Teilnehmenden lernten die Notfallsysteme kennen, die allen Schulen in Nordrhein-Westfalen zur Verfügung stehen. Anhand eines Fallbeispiels konnten die Strukturen praktisch nachvollzogen werden.

Pfarrer Ingo Janzen nahm in seinem Workshop besondere Situationen in den Blick, die im schulischen Umfeld auftreten können. Anhand konkreter Beispiele wie dem eines Schulbusunfalls machte er deutlich, wie schnell ein Einsatz komplex werden kann. 

Martin Remke, katholischer Koordinator für die Notfallseelsorge im Kreis Warendorf und in Münster, fasste am Ende zusammen: „Der Tag hat gezeigt, wie wichtig die Vorbereitung und der Austausch für Einsätze im schulischen Umfeld sind. Wer gut vorbereitet ist, kann in schwierigen Situationen Ruhe bewahren und den Menschen im Schulumfeld Halt geben. Genau darin liegt die besondere Aufgabe der Notfallseelsorge – gerade dann, wenn der Alltag plötzlich zerbricht.“

Ann-Christin Ladermann
 

Rund 70 Notfallseelsorgende aus den Kreisen Warendorf, Borken, Coesfeld, Steinfurt und der Stadt Münster kamen zu dem Fortbildungstag „Notfallseelsorge in der Schule“ zusammen.

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