Ökumenereferent des Bistums über das Reformationsgedenken

Die Erinnerung an 500 Jahre Reformation ist für katholische und evangelische Christen ein Anlass zum Feiern, aber auch zum gegenseitigen Anerkennen von Schuld und zur Bitte um Versöhnung. Das meint Dr. Michael Kappes, der beim Bistum Münster die Fachstelle Ökumene leitet.

In Zusammenarbeit mit der Akademie Franz Hitze Haus organisiert sie in diesem Jahr eine Veranstaltungsreihe zum Reformationsgedenken, die am Freitag, 20 Januar, mit dem Forum "Christusfest – Reformationsgedenken 2017 – ökumenisch" von 16 bis 21 Uhr beginnt.

Reformationsgedenken statt Reformationsjubiläum – geht es denn nicht ums Feiern? "Wenn der gemeinsame Christusglaube und die Erneuerung der Kirche aus dem Evangelium, die zentrale Anliegen Martin Luthers und der übrigen Reformatoren waren, im Mittelpunkt stehen sollen, so können und wollen wir dies gerne ökumenisch mitfeiern", erklärt Kappes die katholische Sichtweise. In diesem Sinne habe die Evangelische Kirche in Deutschland die katholische Kirche offiziell zur Mitfeier des Reformationsgedenkens 2017 als "Christusfest" eingeladen, was die Deutsche Bischofskonferenz gerne angenommen habe.

Ebenso sei man sich aber auf beiden Seiten einig, "dass neben Freude und Dank über die Wiederentdeckung der gemeinsamen Glaubensmitte angesichts der – nicht gewollten, aber eingetretenen – Kirchenspaltung des 16. Jahrhunderts und ihrer schrecklichen Folgen das wechselseitige Bekennen von Schuld und die Bitte um Versöhnung Raum haben muss", betont Kappes. Es gehe um einen Prozess der "Heilung der Erinnerungen." Dieser werde am 11. März in einem zentralen ökumenischen Versöhnungsgottesdienst in Hildesheim seinen Ausdruck finden.

Natürlich können und sollten auch Pfarreien lokal das Reformationsgedenken gestalten. "Nutzt 2017 als Chance der Belebung und Vertiefung der ökumenischen Beziehungen vor Ort", rät der Ökumenereferent. Beide Seiten sollten gemeinsam überlegen, wie Bestehendes oder Neues in den Bereichen Gebet und Gottesdienst, Bibelarbeit oder in sozial-diakonischer Projektarbeit so ausgerichtet werden könnten, dass der gemeinsame Glaube gefeiert, biblisch neu erschlossen und tatkräftig bezeugt werde. Für konkrete Anregungen empfiehlt Kappes beispielsweise die Broschüre "Christusfest. Ökumenisches Zugehen auf das Reformationsfest 2017. Eine Arbeitshilfe für Gemeinde und Unterricht".

Sie steht unter www.bistum-muenster.de/downloads/Generalvikar/2016/Christusfest_download-Version.pdf um Download bereit.

Insgesamt habe sich in der Ökumene viel getan. "Aus einem feindlichen Gegen- und Nebeneinander hat sich in den letzten Jahrzehnten vielerorts ein selbstverständliches, ökumenisches Miteinander entwickelt", sagt Kappes, "das erfreuliche Ergebnis der intensiven Dialoge, dass das, was uns verbindet, viel stärker ist als das, was uns noch trennt, wird in den Gemeinden vor Ort lebenspraktisch und konkret erfahren." Theologisch seien die Unterschiede im Kirchen- und Amtsverständnis die größten Stolpersteine auf dem Weg zur Einheit.

Trotzdem ist Kappes überzeugt, dass es neben dem Glauben auch die künftigen Aufgaben sind, die die Kirchen verbinden. "Die größte gemeinsame Herausforderung liegt darin, wie wir in einer zunehmend säkularen und multireligiös geprägten Gesellschaft die Botschaft von der Barmherzigkeit und Menschenfreundlichkeit Gottes so verkünden und bezeugen, dass die Menschen heute darin ein Angebot gelingenden Lebens für sich entdecken", sagt er, "dies wird nur gemeinsam gelingen."

Text: Bischöfliche Pressestelle / 20.01.17
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