Ökumenischer CSD-Gottesdienst in Münster: Weiter von Gerechtigkeit träumen

, Stadtdekanat Münster

Unter dem Leitwort „Dream On“ haben sich am Sonntag (16. August) anlässlich des Christopher Street Days (CSD) rund 100 Menschen zu einem Ökumenischen Gottesdienst vor der Heilig-Geist-Kirche in Münster versammelt.  

Die Teilnehmenden des CSD-Gottesdienstes versammelten sich unter der Regenbogenflagge am Turm der Heilig-Geist-Kirche.

© Bistum Münster/Thomas Mollen

Pfarrerin Klara Robbers von der Alt-Katholischen Kirche erinnerte an das Motto des diesjährigen CSD, das sich auf das Grundgesetz bezieht: „Die Würde des Menschen ist unantastbar – Queeres Leben schützen“. „Als Christ:innen glauben wir, dass Gott die Welt, dass Gott uns Queers gut geschaffen hat. Gott liebt mich, Gott liebt Dich, so, wie Du bist. Wir sind Ebenbilder Gottes und unsere Würde ist unantastbar und schützenswert.“

„Wir sind hierhergekommen, wie wir sind, mit unseren Träumen und Wünschen, Ängsten und Sorgen. Gestärkt und ermutigt von der Gemeinschaft, der Offenheit und Freundlichkeit, die wir in den letzten Tagen und ganz besonders gestern auf dem CSD erfahren durften“, erläuterte Nici Perret vom AK Queer der evangelisch-theologischen Fakultät der Uni Münster und fuhr fort: „Zugleich sind wir betroffen und aufgewühlt vom Hass und der queerfeindlichen Gewalt, die sich zuletzt beim Anschlag auf den CSD in Berlin ein weiteres Mal gezeigt hat.“ Schon zu Beginn des Gottesdienstes hatte man eine Kerze im Gedenken an die Opfer des Anschlags, an den 2022 beim CSD in Münster angegriffenen und später verstorbenen Malte C. sowie alle Verstorbenen der Community angezündet. 

In seinen Predigtgedanken griff Friedrich-Raik Harder vom Evangelischen Kirchenkreis Münster die Lesung aus dem Buch der Weisheit auf, in dem es heißt: „Du liebst alles, was ist und verabscheust nichts von dem, was du gemacht hast; denn hättest du etwas gehasst, so hättest du es nicht geschaffen.“ Wir teilten die Welt gerne ein, argumentierte Harder, in diejenigen, die zu uns gehörten, und die „Anderen“. Zu diesen zählte er jene Menschen, die anderen Menschen ihre Würde absprächen. Dagegen müsse man aufstehen. Aber auch diese Anderen seien nicht außerhalb von Gottes Liebe. „Gott sieht über die Verfehlungen hinweg, damit eine Tür offen bleibt. Umkehr soll immer möglich sein“, so Harder. Man müsse einen Menschen nicht immer auf seinen schlimmsten Makel festlegen. 

Auf die Seligpreisungen aus der Bergpredigt ging Ruth Fehlker, Geistliche Leiterin der katholischen Frauengemeinschaft (kfd) im Bistum Münster, ein. „Jesus spricht darin Menschen an, die wissen, wie sich Trauer, Wut, Sehnsucht, Schmerz und Ungerechtigkeit anfühlen. Und er sagt Ihnen nicht: Gewöhnt euch dran, das Leben ist halt so, sondern: Selig seid ihr!“ Das klinge gewagt, meinte Fehlker, denn danach sehe die Wirklichkeit nicht aus. Der Anschlag auf den CSD in Berlin ginge ihr in dem Zusammenhang ebenso wenig aus dem Kopf wie andere Momente von Gewalt und Diskriminierung. Es sei zynisch, zu denken: „Irgendwann wird es doch gut, irgendwann wird es das wert gewesen sein.“ Denn es seien Dinge zerstört worden, die nicht mehr zu reparieren seien. So seien die Worte der Bergpredigt aber auch nicht gemeint, sagte Fehlker. Jesus sage vielmehr: „Gott weiß um diesen Schmerz. Er weiß um den Durst nach einer Welt, in der Menschen ohne Angst leben können, wenn sie sichtbar lieben, wenn sie sichtbar queer sind.“ In eine Wirklichkeit, die noch nicht so sei, sage Gott: „Das ist nicht alles. Der Schmerz bekommt nicht das letzte Wort.“ Sich mit etwas abzufinden, das sei keine Kategorie Gottes. Und auch sie wolle sich nicht damit abfinden, dass Menschen überlegen müssten, ob und wie sie in der Öffentlichkeit Zuneigung zeigen dürften oder sich fragen müssten, ob sie in ihrer Familie noch willkommen seien, wenn sie sagten, wen sie liebten oder wer sie seien.

 „Träum weiter!“, diesen Satz würden wir oft spöttisch benutzen, wenn etwas utopisch erscheine. Fehlker deutete ihn zu einem Appell um: „Träum weiter von Gerechtigkeit, auch wenn sie noch nicht da ist.“

Der Ökumenische CSD-Gottesdienst wurde von einem breiten Bündnis verschiedener kirchlicher Initiativen und Gruppen gestaltet: dem Evangelischen Kirchenkreis Münster, der Queergemeinde Münster, dem Regenbogen-AK der Neuapostolischen Kirche, dem AK Queer der evangelisch-theologischen Fakultät, der katholischen Pfarrei St. Joseph Münster-Süd, der Katholischen Frauengemeinschaft (kfd) im Bistum Münster und der Alt-Katholischen Pfarrgemeinde Münster. 

Thomas Mollen