In seinem geistlichen Impuls erinnerte Frank Thiel von der neuapostolischen Gemeinde daran, dass Jesu Jünger alle unterschiedliche Persönlichkeiten gehabt hätten: So sei Petrus handfest und aufbrausend gewesen, einer, der im entscheidenden Moment sein Schwert zücken konnte. Johannes hingegen könne man eher als Feingeist bezeichnen. „Sie alle waren anders, aber gemeinsam“, führte Thiel aus und deutete diesen Gedanken auf die Anwesenden um: „Auch hier auf dem Domplatz ist hunderte Male Begabung versammelt: Der eine hat handwerkliches Geschick, jemand anders vielleicht eine besonders schöne Stimme.“ Die Anzahl der Gaben und Talente, die Gott uns verliehen habe, sei sehr vielfältig und alle diese Gaben seien gleich viel wert. Deshalb sei es notwendig, Respekt vor der Andersartigkeit, den besonderen Begabungen unserer Mitmenschen, zu haben, folgerte Thiel.
Ökumenischer Pfingstmontag: Die Unterschiedlichkeit feiern
, Stadtdekanat Münster
Bei hochsommerlichen Temperaturen hatten sich am Pfingstmontag rund 900 Gläubige auf dem Münsteraner Domplatz zusammengefunden, um gemeinsam ein ökumenisches Fest des Glaubens zu feiern. Der „Ökumenische Pfingstmontag“, alle zwei Jahre veranstaltet von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Münster, stand diesmal unter dem Motto „Gemeinsam anders“.

Bei Sonnenschein und hochsommerlichen Temeperaturen waren rund 900 Menschen zum Ökumenischen Pfingstmontag auf dem Domplatz gekommen.
© Bistum Münster/Thomas MollenPastorin Annika Enders von der baptistischen Gemeinde ergänzte das Gleichnis vom verlorenen Sohn und dessen missgünstigen Bruder mit einer Erinnerung an ihre eigenen Jugend: Für den barmherzigen Vater sei klar gewesen, dass er beide Söhne gleich liebe, aber das sei für den älteren Bruder möglicherweise nicht so offensichtlich gewesen. „Wie schnell lodert Eifersucht auf, wenn man sich nicht sicher ist, wo man steht und was man hat? Ich konnte es kaum aushalten, dass meine jüngste Schwester Dinge konnte, die ich nicht konnte. Hätte ich als Ältere nicht alles besser können müssen?“ Erst als sie älter wurde und verstanden habe, dass ihr Wert nicht davon abhänge, welche Talente sie habe, sondern dass Gott sie unabhängig davon liebe, „konnte ich die Unterschiedlichkeit feiern“, so Enders.
„Was für die beiden Brüder gilt, gilt auch für unsere zerrissene Gesellschaft“, konstatierte Pfarrer Friedrich Stahlhut vom evangelischen Kirchenkreis: „Frieden in unserer Stadt, in unserem Land, können wir nur schaffen, wenn wir alle bereit sind, uns zu verändern“, sagte er.
Weitere Elemente des Gottesdienstes gestalteten Pfarrer André Sühling von der katholischen und Pfarrerin Klara Robbers von der alt-katholischen Kirche.
Für die musikalische Begleitung des Gottesdienstes sorgten die Band unter der Leitung von Hans Werner Scharnowski, die Pfingstbläser unter der Leitung von Anja Bareither sowie der Projektchor unter der Leitung von Jutta Bitsch.
Im Anschluss an den Gottesdienst blieben die Gläubigen zu einem Picknick auf dem Domplatz beisammen. Das gemeinsame Offene Singen wurde später aufgrund der Hitze in den St.-Paulus-Dom verlegt.
Thomas Mollen
