Paulusdom im Mittelpunkt einer hochkarätig besetzten Veranstaltung
"Feierraum – Gedächtnisspeicher: Der Dom zu Münster (1264-2014)". Das ist der Titel der "Internationalen Theologisch-Kunsthistorische Studienwoche Liturgie", die noch bis Freitag, 26. September, in der Akademie Franz Hitze Haus in Münster stattfindet.
Akademiedirektor Prof. DDr. Thomas Sternberg hat die mit 13 Historikern und Liturgiewissenschaftlern hochkarätig besetzte Veranstaltung eröffnet, die zum 18. Mal Praktiker und Theoretiker aus Kunst und Liturgie zusammenführt. Rund drei Dutzend Teilnehmer aus dem Aus- und Inland haben sich zu der Studienwoche eingefunden, Kunsthistoriker und Liturgiewissenschaftler, aber auch Priester, Lehrer, Dom- und Kirchenführer, interessierte Laien oder auch Handwerker, die mit kunsthistorischen Objekten zu tun haben.
Inhaltlich steht in diesem Jahr die Münstersche Bistumskathedrale aus Anlass des 750jährigen Domjubiläums im Mittelpunkt der Studienwoche – und vergleichbare Bauten. Wer sich mit einem solchen Bauwerk beschäftige, könne sich viele Themen von Liturgie und Kunstgeschichte neu erschließen, versprach Sternberg in seiner Einführung.
Den ersten Vortrag der Studienwoche hielt der Kirchenhistoriker Prof. Dr. Arnold Angenendt aus Münster. Sein Thema lautete "Kathedrale als Zeitenraum". Er beschrieb Hintergründe, die bei der Gestaltung und Ausstattung von Kirchbauten im Mittelalter und danach von Bedeutung waren. Leitidee für Kirchbauten sei das "neue Jerusalem" gewesen, die "Heimat der Christen im Himmel", das Paradies.
Eine Kathedrale zeige alle Stationen auf, die nach biblisch-christlicher Überzeugung im Leben auf dem Weg zum Paradies zurückzulegen seien, erklärte Angenendt. Dementsprechend seien in Dombauten Orte zu finden, an denen die Abfolge der Ereignisse am Ende der Zeiten dargestellt seien – entsprechend der theologischen Deutung in der jeweiligen Bauepoche.
Typische Elemente, die hier dargestellt würden, seien die Auferstehung der Toten, die Versammlung von Auferstandenen und Lebenden vor dem göttlichen Gericht, die Zuweisung der Guten zum Himmel, der Bösen zur Hölle und der übrigen zur Läuterung im Fegefeuer. Solche Elemente in unterschiedlichen Variationen fänden sich über den Eingang vieler Kirchen. "Wer in eine Kathedrale eintrat, ging durch das Gericht ", beschrieb Angenendt, "er konnte nur durchgehen, wenn er das Gericht bestanden hatte".
Gebeine von kirchlichen oder weltlichen Herrschern hätten ihren Platz in manchen Epochen nur im Eingangsbereich von Kathedralen gefunden: Dies entspreche der Vorstellung, auch ihnen obliege der Weg zum letzten Gericht. Nur für Apostel, Heilige und Märtyrer gebe es Ausnahmen: Sie bräuchten kämen direkt ins Paradies, weshalb ihre Gebeine unter Altäre gebettet seien. Angenendt belegte seine theoretischen Ausführungen anhand von zahlreichen Fotos, die Motive aus Eingangsbereichen etlicher Kirchen unterschiedlicher Epochen zeigten.
Nach diesem für alle Kathedral- und Kirchbauten gültigen Einstieg geht es nun während der Studienwoche speziell um den Dom zu Münster. Experten beleuchten ihn kunsthistorisch in seiner Entstehung und Baugeschichte, in seiner Ausstattung und seinem architektonischen Kontext. Liturgiewissenschaftler öffnen den Blick für münstersche Eigenliturgien im Mittelalter, gottesdienstliche Aspekte des Wiederaufbaus und für neue Gottesdienstformen. Im Rahmen von Exkursionen erkunden die Teilnehmer den Paulusdom und betrachten dessen Skulpturenschmuck im Westfälischen Landesmuseum.
Text: Bischöfliche Pressestelle
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