Peter Havers: Vertrauen! Trotz allem.

, Bistum Münster

Themen gibt es viele, Meinungen noch mehr. Nicht immer werden sie sachlich vorgebracht und ausgetauscht. Und viel zu oft bestimmen Empörung, Negativität, Ich-Bezogenheit und gegenseitige Attacken die Diskussionen. „Die Montagsmeinung“, das Meinungsformat des Bistums Münster, soll hier ein anderes Zeichen setzen. Persönlichkeiten aus Gesellschaft und Kirche, die sich dem Bistum verbunden fühlen, setzen sich darin mit Themen auseinander, die für sie und andere relevant und aktuell sind. Die Autorinnen und Autoren lassen es aber nicht bei Klagen und Kritik. Sie haben vielmehr konstruktive Ideen und Lösungsansätze. Diese teilen sie mit uns an dieser Stelle alle 14 Tage montags.

Heute kommt die Montagsmeinung aus dem Offizialatsbezirk Oldenburg, konkret von Peter Havers. Er ist in Essen an der Ruhr geboren und aufgewachsen, hat eine Tischlerlehre absolviert und anschließend Theologie an der Ruhruniversität Bochum studiert. Die anschließende Ausbildung zum Pastoralreferenten führte ihn unter anderem an das Steinbart-Gymnasium in Duisburg und die Kirche am Campus in Vechta. Zudem gründete er mit einem Kollegen „Bleib laut!“, eine Agentur für Poetryslams, Textworkshops und Beratung. Seit 2025 ist er beauftragt, das Haus Meeresstern auf Wangerooge als Hotel und Seminarhaus mit christlicher Prägung aufzubauen und neu zu eröffnen. 

Peter Havers

© privat

Sie haben möglicherweise im Einleitungstext schon gelesen, dass ich derzeit das Haus Meeresstern leite. Mit einem Kollegen in der Geschäftsführung und knapp 25 Mitarbeitenden dürfen wir seit Mai 2026 Gäste begrüßen und sie auf der schönen Nordseeinsel Wangerooge willkommen heißen. Das ist ein spannender Job, auch, weil ich viel dazulerne. Bei manchem, was mir hier zum ersten Mal begegnet, muss ich einfach nur den Kopf schütteln. 

Zum Beispiel bin ich sehr verwundert, dass hier so viel verschwindet. Das scheint üblich im Hotelgewerbe und irgendwo in meinem Hinterkopf wusste ich davon, aber hier muss ich mich damit konkret beschäftigen.

Es ist wirklich verrückt: Noch haben wir in den Zimmern keine Inventur gemacht, aber letzte Woche wurde deutlich, dass die fünf Föhne, die wir zur Eröffnung zu viel gekauft hatten, nun nicht mehr ausreichen, um die fehlenden Exemplare in den Zimmern zu ersetzen. Auch Handseife und Duschgel mussten wir schon nachbestellen, einige Kosmetikspiegel fehlen ebenfalls, und den Reinigungswagen mit den Handtüchern, den Wasserflaschen für die Zimmer und den Nachfüllpacks für die Kosmetik können unsere Mitarbeitenden nicht unbeaufsichtigt im Flur stehen lassen. 

Irgendetwas bewegt Menschen offensichtlich dazu, die Gegenstände im Hotel mitgehen zu lassen. Und es ist klar, dass es Diebstahl ist, wenn unser Eigentum mit auf die Heimreise der Gäste geht. Shampoo-Flaschen müssen sogar bewusst losgeschraubt werden und können nicht zufällig in den Koffer gefallen sein. Ich spreche hier auch nicht von kleinen Probierpackungen, von der Duschhaube oder vom kleinen Nähset. Nein, der Diebstahl ist eine Tat, und diese ist weder gut oder akzeptabel noch moralisch vertretbar. Ich gehe davon aus, dass es niemand wirklich nötig hat, einen Kosmetikspiegel zu stehlen, und auch eine irgendwie gelebte Kapitalismuskritik kann ich ausschließen.

Die Anonymität des Hotelzimmers paart sich offenbar mit dem Gedanken „Haben ist besser als brauchen“. Die Gelegenheit, die sich im Zimmer bei der Abreise ergibt, und die Tatsache, dass für den Aufenthalt bezahlt wurde, scheinen einzuladen, beim Kofferpacken Grenzen zu übertreten und maßlos zu sein. Zudem gehört das Diebesgut keiner Einzelperson, sondern einem mittelgroßen Betrieb. Dass den Preis letztlich die Allgemeinheit oder in unserem Fall indirekt alle anderen Gäste bezahlen, scheint kein Argument zu sein.

Gleichzeitig bleiben die Menschen, die uns besuchen, Gäste. Das ist wichtig für die Differenzierung. Denn letztlich ist es ja ein kleiner Teil der Gäste, die ein solches Verhalten an den Tag legen, und die meisten, mit denen ich darüber spreche, schütteln wie ich einfach den Kopf. Um konstruktiv damit umzugehen, lege ich mir gerade ein gesundes Maß an Realismus zu. So können wir vielleicht doch die Gelegenheiten minimieren und verhindern, dass die Verlockung, etwas mitzunehmen, zu groß wird. 

Mir ist aber wichtiger, dass wir das Vertrauen in den Gast nicht verlieren und ihn weiterhin als Gast und Mensch hier begrüßen. Dieses Vertrauen ist schließlich die Grundlage für Beziehungen, und von denen leben wir nun einmal. 

Diesen letzten Satz dürfen Sie gerne betriebswirtschaftlich verstehen. Gleichzeitig stelle ich fest, dass das beschriebene Phänomen sich an anderen Stellen unserer Gesellschaft auch zeigt. Menschen übertreten Grenzen und agieren maßlos. Neben dem Griff an die eigene Nase scheint mir das Wichtigste zu sein, das Vertrauen in menschliche Beziehungen nicht zu verlieren; von denen leben wir nun einmal.

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