Pfarrer Hatwig absolviert Kurs ,Leiten und Führen‘

So hat sich Thomas Hatwig seinen Traumberuf, seine Berufung immer vorgestellt: "Ein Pfarrer, den die Leute vor Ort auf der Straße treffen, der einer von ihnen ist, der sie mit Namen kennt."

In der katholischen Kirche von heute aber ist der 41-Jährige mit einer anderen Wirklichkeit konfrontiert – einer Wirklichkeit, für die er sich mit 16 Kollegen bei der anderthalbjährigen Fortbildung ,Führen und Leiten‘ des Bistums Münster fit gemacht hat.

Zwar ist Thomas Hatwig noch kein leitender Pfarrer. Vielmehr arbeitet er mit je einer halben Stelle als Pfarrer im Seelsorgeteam von St. Laurentius und als Diözesankurat der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) im Bistum. Den Kurs hat er „in der Vorbereitung auf Kommendes" belegt. Außerdem sei auch die DPSG „wie eine große Pfarrgemeinde, in der ich leitender Pfarrer bin, inklusive Finanzhaushalt und Personalverantwortung. Dort muss ich den gleichen Spagat wie leitende Pfarrer bewältigen, zwischen Seelsorge und Fachaufsicht." Auch die Einbindung von Ehrenamtlichen sei – ebenso wie in einer Pfarrei – ein Thema. „Durch die Fortbildung wollte ich für mich klären, wann ich wo welche Rolle habe", beschreibt Hatwig.

Der gebürtige Nordwalder, der zuvor Ausbildungen als Technischer Zeichner und Busfahrer absolviert hatte, wurde 2006 zum Priester geweiht. Seit 2010 ist er in Senden, ab Dezember 2013 als Pastor mit dem Titel Pfarrer. Er weiß: „Gerade in einer großen Pfarrei muss man darauf achten, wie der leitende Pfarrer vor allem Hirte sein und bleiben kann." Denn dann ist sein eigener Wunsch: „Ich möchte der Seelsorge auch demnächst, wenn ich einmal leitender Pfarrer sein sollte, immer Vorrang einräumen vor Management-Aufgaben."

Für diesen Wunsch hatte Hatwig von der Fortbildung die Vermittlung von methodischer Kompetenz erwartet, Informationen über Krisenmoderation und betriebswirtschaftliches Haushalten. „Stattdessen haben wir sehr stark reflexiv gearbeitet, haben hinterfragt, wo wir uns in der Gemeinde verorten, wo wir weniger und wo wir mehr machen können", beschreibt er, „wir haben den Blick auf uns und unsere Teams geschärft und darauf, welche Charismen wir fördern können." Für ihn sei der kollegiale Austausch besonders wertvoll gewesen.

Gemeinsam setzten sich die Priester in fünf inhaltlich voneinander unabhängigen Modulen mit ihrer Biografie ebenso auseinander wie mit der Pfarreientwicklung sowie Grundsätzen von Führung und Leitung. Auch Teamarbeit und Teamkultur waren Themen.

Außerdem erarbeitete jeder Teilnehmer ein Praxisprojekt. Hatwig analysierte Organisation und Leitungsstrukturen der DPSG. Das hat dazu beigetragen, dass er schon Erkenntnisse aus der Fortbildung in konkrete Maßnahmen umgesetzt hat. Beispielsweise hat er die Mitarbeitergespräche in der DPSG neu strukturiert. Außerdem wurden Stellenbeschreibungen erstellt, „um Kompetenzen klar zu haben", wie Hatwig erläutert. Dies erleichtere ihm die Arbeit sehr: „Ich kann jetzt genau abgrenzen, wann konkret ich gefragt bin und wann nicht."

Klarer geworden sei ihm außerdem der Unterschied zwischen dem kompletten Delegieren von Zuständigkeiten und dem Übertragen einer in sich abgeschlossenen Aufgabe. „Wenn ich einmal leitender Pfarrer bin, werde ich darauf achten, nach Möglichkeit zu delegieren, was nicht in die Seelsorge gehört", hat er sich vorgenommen. Vor diesem Hintergrund wünscht er sich aufbauend auf dem Gelernten weitere Fortbildungen, „in denen ich ganz konkret erfahre, wie man Management-Aufgaben beispielsweise an Zentralrendanturen oder Verwaltungsangestellte übertragen kann."

Überhaupt hat Hatwig die Fortbildung auch und gerade als „Grundbaustein" gesehen. „Davon ausgehend möchte ich herausfinden, welche Kompetenzen mir in welchen Bereichen noch fehlen." Beispielsweise könnte er sich Fortbildungen im Bereich der Moderation vorstellen.

Über ganz konkrete Ergebnisse und über den kollegialen Austausch hinaus hat ihm die Fortbildung aber auch geholfen, für sich selbst die gewandelte Rolle des Pfarrers anzunehmen. „Heute ist der Pfarrer nicht mehr automatisch ,einer von uns‘, sondern oft ein Dienstleister, der zu bestimmten Anlässen benötigt wird", meint er. Gleichzeitig ist er überzeugt, dass Seelsorge „den persönlichen Kontakt braucht – allerdings kann das manchmal eben auch ein Pastoralreferent statt des Pfarrers sein." Bei dieser Einsicht aber bleibt für Hatwig der wichtigste Wunsch bestehen: „Dass wir auch in fusionierten Gemeinden eine Gemeinschaft sind, in der man Christus erfährt und durch die man gestärkt durchs Leben geht." Bei der Erfüllung dieses Wunsches soll ihm die Fortbildung helfen.

  • Die erste Auflage der Fortbildung ,Führen und leiten‘ haben von September 2013 bis Februar 2015 17 Pfarrer aus dem Bistum Münster absolviert. Veranstalter war die Hauptabteilung Seelsorge Personal des Bistums. Die Fortbildung sollte die Teilnehmer für die Anforderungen fit machen, vor denen leitende Pfarrer heute in den größer gewordenen Pfarreien stehen. Fünf dreitägige Kurseinheiten thematisierten die Bereiche ‚Biografie und Rolle‘, ‚Team und Teamentwicklung‘, ‚Pfarreientwicklung‘ und ‚Führen und leiten‘. Ergänzend erarbeiteten die Teilnehmer ein Praxisprojekt. Eine zweite Fortbildung ‚Führen und Leiten‘ hat im September 2014 mit zwölf Teilnehmern begonnen. Für die von September 2015 bis Februar 2017 laufende dritte Reihe können sich Geistliche noch bis zum 29. Juni anmelden.

Weitere Informationen gibt es bei der Hauptabteilung Seelsorge-Personal per E-Mail unter fortbildung-seelsorgepersonal[at]bistum-muenster.de.

Text: Bischöfliche Pressestelle
Kontakt: pressestelle[at]bistum-muenster.de