„Pilger der Hoffnung“, „Mutmacher“ und „Persönlichkeit, die verbindet“

, Bistum Münster, Stadtdekanat Münster

Bei seiner Amtseinführung am 21. Juni im St.-Paulus-Dom Münster haben geladene Gäste den neuen Bischof von Münster, Dr. Heiner Wilmer SCJ, in Grußworten gewürdigt.

Ministerpräsident Hendrik Wüst

Für das Land Nordrhein-Westfalen sagte Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU): „Wo Kirche den Menschen nahe ist, kann sie Orientierung geben, Hoffnung stiften und Zusammenhalt schenken.“ Wilmers Amtsantritt falle in eine schwierige Zeit. „Unsere Gesellschaft und auch die Kirchen befinden sich in einem tiefgreifenden Wandel und stehen vor großen Herausforderungen. Gerade in dieser herausfordernden Zeit kann die christliche Botschaft der Liebe ein wichtiger Orientierungspunkt sein“, sagte der Ministerpräsident. Er sei überzeugt, dass Wilmer der Richtige sei, um den christlichen Kern in den Herzen vieler Menschen zu erreichen.

„Unsere Gesellschaft braucht eine starke Stimme für die christlichen Werte. Unsere Gesellschaft braucht die gelebte Nächstenliebe in den Kitas, in den Schulen, in den Krankenhäusern, in den Senioreneinrichtungen und an vielen, vielen anderen Stellen. Unsere Gesellschaft braucht Brückenbauer zwischen Generationen, sozialen Gruppen, Religionen und Kulturen“, sagte Wüst, „ich bin überzeugt, lebendige Kirchen sind tragende Säulen einer starken, einer solidarischen Gesellschaft.“ Auch die Demokratie brauche starke Kirchen, denn leider versuchten „die Feinde der Demokratie, aus den Sorgen und Nöten vieler Menschen politisches Kapital zu schlagen.“ Vor diesem Hintergrund lud der Ministerpräsident die Kirchen und alle christlichen Menschen ein: „Lassen Sie uns gemeinsam Mutmacher sein und den Angstmachern an den politischen Rändern entgegenstehen!“

Bischof Dr. Michael Gerber

Die Deutsche Bischofskommission (DBK), deren Vorsitzender Bischof Wilmer selbst ist, vertrat bei dessen Einführung der stellvertretende Vorsitzende, Bischof Dr. Michael Gerber aus Fulda. Die Glückwünsche der Bischöfe kämen „aus tiefem Herzen“, betonte er. „Wir haben Dich als Mitbruder kennengelernt, der aus einer geistlichen Tiefe schöpft, der theologisch fundiert und erfahrungsbezogen authentisch argumentiert und dem es ein großes Anliegen ist, kollegial zu agieren und Brückenbauer zu sein“, sagte Gerber weiter. Er habe selbst erfahren, wie sehr Wilmer in seinem bisherigen Bistum Hildesheim als Bischof und Mensch geschätzt werde. Die Menschen im Bistum Münster dürften sich auf ihren neuen Bischof freuen.

Gerber ging auf die Pilgerwege ein, die Wilmer in den Tagen vor seiner Amtseinführung im Bistum Münster mit verschiedenen Gruppen und in verschiedenen Regionen gegangen war. „Du wirst jetzt, jeden Tag neu, als Pilger in Deinem Bistum aufbrechen“, sagte er. Mit Blick auf die Aufgaben als Bischof von Münster und Vorsitzender der DBK ergänzte Gerber: „Das sind zwei große Aufgabenpakete, die jetzt in Deinem Pilgerrucksack liegen, und Du darfst Dir sicher sein, dass wir als bischöfliche Mitbrüder, aber gerade und ganz besonders auch durch die engagierten Frauen und Männer im Sekretariat der Bischofskonferenz, mit Dir dieses Gepäck schultern.“ Gerber bedankte sich zudem für den langjährigen Einsatz des neuen Bischofs von Münster als Vorsitzender der DBK-Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen und als Europabischof. Wilmer werde „mit dem Pilgerstab in der Hand für viele Menschen ein Pilger der Hoffnung“ werden.

Oberbürgermeister Tilman Fuchs

Im Namen der Stadt Münster überbrachte Oberbürgermeister Tilman Fuchs (Bündnis 90 / Die Grünen) Glückwünsche und hieß den neuen Bischof in der Stadt willkommen. Dabei führte er aus, dass Bistum und Stadt mehr verbinde als eine lange gemeinsame Geschichte: „Uns verbindet die Verantwortung für die Menschen, die hier leben. Wir begegnen denselben Hoffnungen, denselben Sorgen und Ängsten und denselben Fragen nach Orientierung in einer Zeit des immer schnelleren Wandels.“ Vieles, was Menschen zusammenhalte und ihnen bisher Orientierung gegeben habe, sei heute weniger selbstverständlich. Frieden und Demokratie seien in Gefahr, das Vertrauen in viele gesellschaftliche Institutionen schwinde. Gesellschaftliche Debatten würden härter und unversöhnlicher geführt, Unterschiede stärker betont als das Verbindende.

„Umso wichtiger sind Persönlichkeiten und Orte, die verbinden statt trennen, die zuhören statt ausgrenzen, die Vertrauen schaffen, statt Misstrauen zu säen“, betonte der Oberbürgermeister, „wir brauchen Menschen und Institutionen, die Verbindungen schaffen, die Zuversicht geben und den Blick auf das Gemeinsame und den Zusammenhalt richten.“ Mit Bischof Wilmer gewinne man in Münster einen solchen Menschen. Denn, so begründete Fuchs: „Sie haben in Ihrem bisherigen Wirken immer wieder gezeigt, wie wichtig Ihnen der Dialog ist – mit den Gläubigen, mit der Gesellschaft und mit Menschen unterschiedlicher Überzeugungen. Sie suchen das Gespräch, Sie hören zu, und Sie scheuen auch die schwierigen Fragen nicht.“ Er freue sich auf die Zusammenarbeit ebenso wie die Menschen in Münster und im ganzen Bistum, sagte der Oberbürgermeister abschließend: „Denn die Aufgaben der Zukunft werden wir nur gemeinsam bewältigen – mit Mut, mit Zuversicht und mit einem klaren Blick auf das, was uns verbindet.“

Brigitte Lehmann und Ulrich Vollmer, Diözesankomitee im Bistum Münster

Für das Diözesankomitee im Bistum Münster, den Zusammenschluss der organisierten Laiinnen und Laien, gratulierten Brigitte Lehmann aus Geldern-Walbeck und Ulrich Vollmer aus Rosendahl-Holtwick. Dazu überreichten sie dem Bischof einen Regenschirm in Regenbogenfarben. Der Regenbogen, stellte Lehmann fest, sei das „Zeichen des Bundes zwischen Gott und uns Menschen.“ Vollmer ergänzte: „So bunt und vielfältig wie ein Regenbogen sind auch die Menschen in unserem Bistum.“ Die vom Diözesankomitee vertretenen Menschen in den Verbänden, Organisationen, Initiativen, Pfarreien und Pastoralen Räumen gäben der Kirche von Münster ein Gesicht. „Nur zusammen wird es uns gelingen, die frohe Botschaft Jesu Christi den Menschen näher zu bringen und damit zugleich unserem Auftrag, als Christen und Christinnen Gesellschaft und Kirche mitzugestalten, gerecht zu werden“, sagte Lehmann. Vollmer sicherte dem Bischof zu: „Gemeinsam und auf Augenhöhe werden viele Gläubige gerne bereit sein, ihre unterschiedlichen Kompetenzen und Begabungen in die Arbeit vor Ort, aber auch in die Bistumsgremien einzubringen.“

Bischof Dr. Heiner Wilmer SCJ

Bischof Wilmer zeigte sich dankbar für die Glückwünsche und Grußworte ebenso wie für den vorausgegangenen Gottesdienst. Er dankte einigen Ehrengästen sowie allen Besucherinnen und Besuchern im Dom – auch auf Englisch, Französisch, Niederländisch, Spanisch und Polnisch. Ebenso wandte er sich an jene, die vom Domplatz oder auch von zu Hause aus per Live-Übertragung den Gottesdienst verfolgten. „Kirche ist schön, sie ist attraktiv, gerade, wenn Menschen zusammenkommen, miteinander glauben, miteinander singen, miteinander hoffen“, sagte der neue Bischof und betonte: „Der, der uns diese dichte Erfahrung schenkt, ist Gott.“

An seinen Vorgänger Bischof Dr. Felix Genn em. gewandt sagte Wilmer: „16 Jahre lang hast du dieses große und bedeutende Bistum geleitet, mit Umsicht, mit Glauben, mit Menschenfreundlichkeit und mit einer Bescheidenheit, die nie laut sein musste. Du hast tiefe Spuren hinterlassen, sehr große Fußstapfen. Ich schaue mit großem Respekt und tiefer Dankbarkeit auf Dein Wirken hier im Bistum.“ Auch dankte Wilmer dem bisherigen Diözesanadministrator Dr. Antonius Hamers und allen, die in der Sedisvakanz das Bistum geführt hatten, ebenso allen, die die Amtseinführung vorbereitet und durchgeführt hatten.

Anke Lucht