Pilgern hat viele Facetten

Zeit für die großen Fragen des Lebens: Die haben Jugendliche in der Schule oft nur wenig. Doch sie sind da, die Fragen nach dem, was einen ausmacht, nach dem Glauben, nach dem Leben.

Die ARD stellt bis Samstag, 17. Juni, eine Woche unter das Motto "Woran glaubst Du?". Auch dem Bistum Münster ist es wichtig, gerade Jugendlichen für diese Fragen Raum zu geben. Schon seit vielen Jahren bietet es "Tage religiöser Orientierung", kurz TrO, für Jugendliche ab Klasse 9 an. Mehr als 10.000 Jugendliche im nordrhein-westfälischen Teil des Bistums nutzen dieses dreitägige Angebot in einer der Jugendbildungseinrichtungen.

Daniel Meyer zu Gellenbeck, Referent für TrO im Bischöflichen Generalvikariat in Münster, weiß, wie wichtig ein solches Angebot für viele Schülerinnen und Schüler ist: "Es geht um ein gemeinsames Nachdenken, ein sich Ausrichten und miteinander Standpunkte finden. Der Glaube an Gott ist dabei auch im Blick. Als eine von vielen Möglichkeiten." Die Palette der möglichen Themen sei groß. Es gebe kein Standardprogramm, in jedem Kurs werde neu ausgehandelt, was den Schülern gerade wichtig erscheint. "Unserer Erfahrung nach beschäftigen sich viele Kurse mit Fragen nach Liebe, Partnerschaft und Sexualität, auch die Themen Klassengemeinschaft, Selbst- und Fremdwahrnehmung oder die Frage nach der persönlichen und beruflichen Zukunft werden häufig genannt", erklärt Meyer zu Gellenbeck.

Mit dem gemeinsamen Pilgern hat die Bischöfliche Realschule in Warendorf vor drei Jahren eine besondere Form der TrO-Kursarbeit eingeführt: "Sportlich, aktiv und trotzdem sehr intensiv", fasst Schulseelsorger Jens Hagemann das Angebot zusammen. Drei Tage lang pilgert er mit den Zehntklässlern auf dem Hermannsweg, rund 60 Kilometer von der Sparrenburg in Bielefeld bis zum Hermannsdenkmal in Detmold. "Pilgern bietet viele Facetten", weiß er aus eigener Erfahrung. "Auf einem Pilgerweg kann man viel über sich selbst lernen: man geht körperlich an Grenzen, kommt aber auch ins Nachdenken." Wie Meyer zu Gellenbeck weist auch er auf das Religiöse als ein Deutungsangebot unter mehreren hin. "Wir wollen Jugendlichen damit die Möglichkeit geben, diese existenzielle Erfahrung – es ist anstrengend, schön oder besonders, gemeinsam unterwegs zu sein – auf ihr Leben hin zu bedenken", erklärt er.

Katharina Brand, ehemalige Schülerin der Bischöflichen Realschule, möchte die Erfahrung des Pilgerns bei "TrO unterwegs" nicht missen. Vor zwei Jahren pilgerte sie mit ihrer Klasse auf dem Hermannsweg. "Es war schön, gemeinsam etwas zu schaffen, das man vorher noch nie gemacht hat", blickt die heute 17-Jährige zurück. Viele Klassenkameraden und auch Lehrer habe sie in der ungewohnten Gesprächsatmosphäre von einer anderen Seite kennengelernt. Die Impulse von Schulseelsorger Hagemann an bestimmten Stationen auf dem Weg hätten sie dazu gebracht, über Dinge nachzudenken, die im Schulalltag oft keinen Platz hatten. "Was treibt mich in meinem Leben an? Was macht mich aus? Wie sieht mein Lebensweg aus? Ich habe an diesen drei Tagen intensiv darüber nachgedacht, was ich aus meinem Leben machen möchte", sagt Katharina Brand. Bis heute sei ihr vor allem ein langes Gespräch mit ihrer Lehrerin in Erinnerung geblieben "über Themen, die nichts mit Schule zu tun hatten".

Auch den Schülerinnen Maria Tegelkamp und Eva-Maria Strübbe ist das Zusammensein außerhalb der Schule positiv in Erinnerung geblieben. "Die Stimmung untereinander war viel lockerer und hat dazu geführt, dass neue Gesprächsthemen aufgetaucht sind", erinnert sich Maria Tegelkamp, die Wandern schon vorher zu ihren Hobbys zählte. Während die 17-Jährige auf den Abschnitten, auf denen die Schüler für sich allein pilgerten, am besten Nachdenken konnte, nutzte Eva-Maria Strübbe die gemeinsame Strecke, um sich mit zwei Betreuern über den Weltjugendtag im polnischen Krakau auszutauschen. "Wir haben herausgefunden, dass wir alle drei dort waren und haben dann Erinnerungen ausgetauscht", erzählt die Schülerin. Im September wird Schulseelsorger Hagemann wieder mit Zehntklässlern der Bischöflichen Realschule aufbrechen, um drei Tage im Wiehengebirge zu pilgern.

Ein offenes, ökumenisches "TrO unterwegs"-Angebot des Bistums findet im Oktober statt. Das Netzwerk TrO im Bistum Münster lädt zusammen mit der evangelischen Jugendbildungsstätte Tecklenburg und dem Schulreferat des Evangelischen Kirchenkreises Steinfurt-Coesfeld-Borken und Tecklenburg Schulklassen und Schülergruppen dazu ein. Vom 1. bis zum 4. Oktober pilgern die Teilnehmer von Osnabrück nach Münster mit inhaltlicher Gestaltung zum Reformationsgedenken. Als Vorbereitung auf den Katholikentag 2018 in Münster ist außerdem ein ähnliches Angebot als Friedensgang Anfang Mai geplant. Weitere Informationen gibt es im Internet auf www.tro-unterwegs.de .

Bildunterschrift: Drei Tage lang pilgern die Schülerinnen und Schüler der Bischöflichen Realschule Warendorf auf dem Hermannsweg.

Text: Bischöfliche Pressestelle / 12.06.17
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