Podiumsdiskussion: Wie Archive die Demokratie stützen

, Bistum Münster, Stadtdekanat Münster

Welche Rolle können Archive als Orte verlässlicher und nachprüfbarer Informationen in demokratischen Staaten einnehmen? Diese Frage stellt ein Podiumsgespräch in der Volkshochschule (vhs) Münster am Dienstag, 15. September, ab 19 Uhr. Anlass gibt der „Tag der Demokratie”. „Fakten - Fakes - Fiktionen: Sind Archive unverzichtbar für unsere Demokratie?" lautet der Titel der Diskussion, zu der Münsters Archive – darunter das Bistumsarchiv – gemeinsam einladen.

An einer Podiumsdiskussion zum Tag der Demokratie am 15. September im vhs-Forum nehmen teil: (von oben links im Uhrzeigersinn) Prof. Ewald Frie (Foto: Valentin Marquardt), Dr. Tobias Herrmann (Foto: Studioline Photography), Dr. Traudl Bünger (Foto: Daniel Debray), Dr. Michael Jung (Foto: privat), Sandra Lüpkes (Foto: Ilona Domina) und Severin Bohn (Foto: privat). Veröffentlichung mit dieser Pressemitteilung honorarfrei.

Auf dem Podium im vhs-Forum an der Aegidii-Straße 70 sitzen Personen, die sich mit Forschung und Recherche in Archiven auskennen: Severin Bohn, Werkstudent am Landtag Brandenburg und Preisträger des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten, die Autorin Dr. Traudl Bünger, die ein politisch motiviertes Lebensgeheimnis ihres Vaters journalistisch aufarbeitete, Prof. Ewald Frie, Professor für Neuere Geschichte an der Universität Tübingen, Dr. Tobias Herrmann, Präsident des Landesarchivs Nordrhein-Westfalen, Geschichtslehrer Dr. Michael Jung, der zu lokalhistorischen Themen forscht, sowie die Schriftstellerin Sandra Lüpkes, die historische Begebenheiten in literarische Form bringt – zuletzt mit ihrem Roman „Ein Ort, der bleibt“. Dr. Christoph Lorke, Historiker am Institut für westfälische Regionalgeschichte des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, moderiert die Veranstaltung.

Das Bistumsarchiv, das Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen, das LWL-Archivamt für Westfalen sowie Stadtarchiv und Universitätsarchiv Münster ermöglichen die Diskussion gemeinsam. Sie wollen darauf aufmerksam machen, dass der freie Zugang zu Archiven ein Wesensmerkmal des freiheitlichen Rechtsstaats ist. Dr. Heinz Mestrup, Leiter des Bistumsarchiv, erläutert die demokratische Bedeutung von Archiven: „Wir erleben in Zeiten von Digitalisierung und nun auch künstlicher Intelligenz eine ,Demokratisierung von Wissen‘. Der Zugang zu Informationen ist immer schneller und einfacher geworden – und damit aber auch die Gefahr, dass Wissen ungefragt und ungeprüft übernommen wird. Unseriöse, falsche, erfundene Informationen (Fakes) sorgen für Unsicherheit, Manipulation, die Verschiebung von Macht, für eine Spaltung der Gesellschaft und damit für eine Bedrohung der Demokratie. Vor diesem Hintergrund sind Archive, die die originalen, authentischen Quellen sichern, eine Stütze der Demokratie.“

Damit Archive diesem Auftrag gerecht werden können, braucht es laut Mestrup es „gut ausgestattete, starke, unabhängige Archive“. Der Fachmann ergänzt: „Die digitale Welt bietet Archiven die Chance, authentische Quellen schnell und einfach zur Verfügung zu stellen und einen großen Nutzerkreis zu erreichen. Wir können als Korrektiv gegenüber Falschmeldungen wirken. Zudem müssen Archive physisch als Orte wahrgenommen werden, in denen man auch selbst recherchieren kann, um an Informationen zu gelangen und die Zusammenhänge zu durchschauen.“ Diese Fähigkeiten gingen immer mehr verloren.

Umso mehr freut Mestrup sich auf das Podiumsgespräch. Die Gäste erlebten Archive aus unterschiedlichen Blickwinkeln und berichteten aus unterschiedlichen Erfahrungswelten. „Es wäre schön, wenn die oben beschriebene Bedeutung der Archive, aber auch das Spannende an der Archivarbeit, der Öffentlichkeit vermittelt werden könnte“, erhofft er sich von der Veranstaltung. 

Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei, eine Anmeldung nicht notwendig.

Stadt Münster und Anke Lucht