Projektwoche Nächstenliebe

Nächstenliebe in den unterschiedlichsten Facetten lernen derzeit elf Schülerinnen und Schüler der städtischen Gesamtschule Warendorf in einer Projektwoche kennen.

Unter der Leitung von Schulseelsorger Jens Hagemann sowie den Lehrkräften Stefanie Bußmann und Janina Mehm erarbeiten die Siebt- und Achtklässler mit besonderem Förderbedarf biblische Geschichten über Nächstenliebe und lernen Orte kennen, an denen diese konkret gelebt wird.

Beim Besuch der Bahnhofsmission Münster, einer ökumenischen Einrichtung des Caritasverbands sowie der Diakonie, erlebten sie am 13. April, was es heißt, sich ohne Vorbehalte um seinen Nächsten zu kümmern.

Mehr als eine Stunde lang stand Christine Kockmann, Leiterin der Bahnhofsmission, den Schülern Rede und Antwort. "Jeder wird bei uns als Gast empfangen, wir nehmen jeden an, so wie er ist", erzählte Kockmann. Rund 55 Ehrenamtliche im Alter von 18 bis 81 Jahren kümmern sich in Münster um Menschen auf Reisen sowie Menschen in akuten und existenziellen Nöten. Ihr Erkennungszeichen: die blaue Weste mit rot-gelbem Logo. "Die tragen alle 2000 Mitarbeiter in den mehr als 100 Bahnhofsmissionen in ganz Deutschland", sagte die Leiterin.

Die beiden Zielgruppen der Bahnhofsmission verdeutlichte sie anhand von Beispielen. "Wir helfen der älteren Dame beim Ein-, Aus- und Umsteigen, wir tragen für die junge Mutter das Gepäck, wenn sie nach einer Rückenoperation nicht schwer heben darf und begleiten den Jungen, der seine Oma besucht, während der Bahnfahrt, weil er zu klein ist, um alleine zu reisen." Bei der sogenannten aufsuchenden Arbeit laufen die Mitarbeiter außerdem durch Bahnhof und Umgebung und halten aktiv nach Menschen Ausschau, die Hilfe brauchen.

Als zweite Zielgruppe kümmere sich die Bahnhofsmission um arme Menschen, sagte die Leiterin. Oft sei der Gastraum in dem Gebäude tagsüber Anlaufstelle für wohnungslose oder suchterkrankte Menschen, die auf der Suche nach Gemeinschaft seien. "Jeder bekommt von uns eine Tasse Kaffee und wenn er möchte ein Butterbrot und ein Gespräch", erklärte Christine Kockmann den Schülern. Allein im vergangenen Jahr spendeten die Münsteraner der Bahnhofsmission rund 800 Pakete Kaffee.

Ein Menschenfreund müsse man sein und etwas mutig, wenn man in der Bahnhofsmission mitarbeiten wolle. Denn gelegentlich komme es auch zu unangenehmen Situationen, bei denen sogar die Polizei eingeschaltet werden müsse, erzählte Kockmann. Dennoch sei sie der Überzeugung, den besten Arbeitsplatz zu haben: "Ich habe das Glück, nur mit Menschen zusammenzuarbeiten, die das freiwillig tun", sagte sie, aus Nächstenliebe also.

Bei den Schülern kamen ihre Erzählungen gut an. "Voll spannend", zog die 15-jährige Sarah-Marie nach dem Besuch ein Fazit. Und auch der 14-jährige Manoojan war begeistert: "Das war echt toll, weil man viel über die Bahnhofsmission erfahren hat, was man vorher nicht wusste."

In den verbleibenden zwei Tagen der Projektwoche wollen die Mädchen und Jungen an ihrer Schule die Pausenaktion "15 Minuten für deine Welt" des Bischöflichen Hilfswerks Misereor umsetzen. "Wir wollen in riesigen Buchstaben mit Straßenmalkreide das Wort ‚Nächstenliebe‘ auf den Schulhof schreiben und damit öffentlich ein Zeichen für Nächstenliebe setzen", erklärte Schulseelsorger Hagemann.

Bildunterschrift: Viele Fragen stellten die Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule Warendorf bei ihrem Besuch in der Bahnhofsmission Münster.

Text: Bischöfliche Pressestelle 13.04.16
Kontakt: Pressestelle[at]bistum-muenster.de