Reise in eine unbekannte Welt

Schüler und Lehrer der Josef-Pieper-Schule als Gäste und Praktikanten in einem Gesundheitszentrum in Kaduha/Ruanda.

"Muzungu!" Dieses Wort begleitete die Reisegruppe der Josef-Pieper-Schule auf der 3-stündigen Fahrt von der Hauptstadt Kigali in das 80 km entfernte Kaduha. "Weiße!", das riefen die Kinder den Reisenden begeistert zu. Diese Freundlichkeit und Offenheit der Menschen überraschte – Ruanda, vielen in Erinnerung durch den schrecklichen Bürgerkrieg zwischen Hutus und Tutsis, ist heute ein Land, in dem Freiheit und Frieden einen hohen Stellenwert zu haben scheint. Im Juli hatten sechs Angehörige der Josef-Pieper-Schule Rheine im Rahmen einer bestehenden freundschaftlichen Verbindung mit dem Gesundheitszentrum in Kaduhadie Gelegenheit, einenEinblick in die Gesundheitsversorgung Ruandas zu erhalten.

Die Unterkunft in dem Gesundheitszentrum ermöglichte für zwei Wochen einen unmittelbaren Eindruck und ganz neue Erfahrungen der vier Studierenden und zwei Lehrer, die mit ihren bisherigen beruflichen Erfahrungen im deutschen Gesundheitssystem durchaus einen Vergleich ziehen konnten. Der Zugang zur medizinischen Versorgung der dortigen Bevölkerung im Gesundheitszentrum ist für umgerechnet drei Euro im Jahr möglich. Für diesen Preis gibt es eine Versicherung, um Menschen zu untersuchen und zu behandeln. Dieser Betrag hört sich für hiesige Verhältnisse sehr niedrig an – aber nicht jeder kann sich diese Summe leisten. Das durch indische Karmeliterinnen geführte Zentrum versorgt Menschen, deren Erkrankungen nicht zwingend einen Aufenthalt im Krankenhaus nötig machen. So arbeiten in dem Gesundheitszentrum in der Hauptsache Krankenpfleger und Verwaltungspersonal.

Die Krankenpfleger sind Multitalente: Sie versorgen Infektionskrankheiten, Wunden und unterstützen Frauen bei der Geburt. Damit die Frauen nicht zu Hause oder auf der Straße entbinden müssen, können sie in das Gesundheitszentrum ziehen, sobald die mögliche Geburt bevorsteht. Manchmal wohnen sie über zwei Monate dort, bis die Geburt stattfindet. In dieser Zeit werden Sie von Ihren Ehemännern mit Essen versorgt. Bei der Geburt selbst sind die Partner nicht anwesend. Lediglich die Frau, der Krankenpfleger und eine Helferin sind vor Ort. Die Krankenpfleger sorgen für Schmerzstillung, Wehenförderung und die Versorgung von Mutter und Kind. Die Kinder werden registriert und gewogen. Nach wenigen Tagen verlässt die Familie das Gesundheitszentrum.

Der Sozialarbeiter hält durch regelmäßige Besuche in den umliegenden Dörfern weiter Kontakt zu den Familien. Er ist zuständig für die Beratung der Dorfbewohner, insbesondere der Frauen. Er vermittelt beispielsweise Wissen zu einer gesunden Ernährung der Kinder, aber auch dem Gebrauch unterschiedlicher Medikamente. Jedes Dorf hat eine "Gesundheitskiste" aus Holz. Darin befinden sich Testkits für Malaria, die entsprechenden Medikamente, Verhütungsmittel und Verbandsmaterial. Die Grundausstattung stellt das Gesundheitsministerium zur Verfügung. Nach Angaben des Sozialarbeiters werden flächendeckend alle Familien in Ruanda erreicht und können im Bedarfsfall behandelt werden. Die Reise war eine bereichernde Erfahrung für alle Teilnehmer. Denn nicht nur die Einblicke in das Gesundheitswesen, sondern auch der Kontakt zur Bevölkerung, den Straßenkindern und Schülern sorgte für tiefsitzende Eindrücke, die alle Besucher dieses wunderschönen Landes nachhaltig das Leben in Deutschland mit anderen Augen betrachten lässt.

Foto: Doris Möde
Text: Doris Möde/Ewald Brünen (Josef-Pieper-Schule Rheine)
Mail: sekr.leitung-schule[at]bistum-muenster.de