Rita Austerhoff aus Wadersloh leitet ehrenamtlich Begräbnisfeiern

, Kreisdekanat Warendorf

Eine Beerdigung zu leiten, das war eigentlich nicht das, woran Rita Austerhoff als Erstes gedacht hatte. Als sie sich im Sommer 2024 beim Pfarrer ihrer Heimatpfarrei St. Margareta in Wadersloh meldete, wollte sie sich ehrenamtlich engagieren, mit Menschen arbeiten und sie begleiten. Sterbebegleitung, Trauerbegleitung, vielleicht Besuche bei älteren Menschen – all das konnte sie sich durchaus vorstellen. Dann machte ihr Pfarrer Klüsener einen anderen Vorschlag: Trauer- und Begräbnisdienstleiterin.
 

Rita Austerhoff aus Wadersloh ist ehrenamtliche Trauer- und Begräbnisdienstleiterin.

© Bistum Münster

Rita Austerhoff war bei dem Gedanken nicht ganz wohl. Einen Wortgottesdienst vor einer Gemeinde zu halten, schien ihr kaum vorstellbar. Nach reichlich Bedenkzeit sagte sie schließlich doch zu. Im November wurde die 58-Jährige für den Begräbnisdienst beauftragt. Inzwischen hat sie einige Beerdigungen geleitet. Es waren Abschiede von Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebensgeschichten.

Genau das ist der Wadersloherin wichtig. Für die Vorbereitung einer kirchlichen Trauerfeier mit Wortgottesdienst möchte sie den Verstorbenen kennenlernen. „Nicht nur ein reiner Lebenslauf, sondern das So-Sein eines Menschen“, beschreibt sie ihren Anspruch. Dafür nimmt sie sich Zeit. Im Trauergespräch gehe es um die Wünsche der Angehörigen, aber auch um Erinnerungen und Trauer. Viele wüssten gar nicht mehr genau, wie eine kirchliche Trauerfeier abläuft, sagt Rita Austerhoff. Das Gespräch solle deshalb auch Sicherheit geben – und Raum schaffen, über den Menschen zu sprechen, von dem Abschied genommen wird. 

Praktisches Üben in der Ausbildung gibt Sicherheit

Doch die Begleitung müsse nicht mit dem Tag der Beisetzung enden: Wenn Angehörige es wünschen, können auch danach Gespräche und weitere Begleitung stattfinden – etwa bei der Trauerbewältigung oder dabei, neue Lebensräume nach dem Verlust zu gestalten.

Wie viel Nähe in einem solchen Gespräch entstehen kann, erlebte Rita Austerhoff schon bei ihrer ersten Beerdigung. Sie versuchte die verschiedenen Facetten der 90-jährigen Verstorbenen in ihrer Traueransprache zusammenzubringen. Die Angehörigen reagierten positiv. 

Sicherheit hat ihr das praktische Üben in der Ausbildung gegeben: Traueransprachen schreiben und vortragen, komplette Gottesdienste vorbereiten und Rückmeldungen bekommen. „Jeder ist dann anders“, sagt sie. Manche sprechen frei, andere arbeiten lieber mit einem Manuskript. Wichtig sei, dass man Blickkontakt zu den Trauernden halte und seine eigene Sprache bewahre.

Christlicher Dienst am Menschen

Ihr eigener Glaube spielt für Rita Austerhoff eine wichtige Rolle. Die katholische Kirche ist seit der Kindheit Teil ihres Lebens. Heute versteht sie den Begräbnisdienst als christlichen Dienst am Menschen. Gebete und die Hoffnung auf ein Leben bei Gott gehören für sie selbstverständlich dazu. Gleichzeitig müsse eine Trauerfeier zu dem Menschen und zu den Angehörigen passen.

Rita Austerhoff arbeitet hauptberuflich als Sozialpädagogin und Fachleitung in einer Wohneinrichtung für psychisch erkrankte Menschen. Ihr Ehrenamt muss deshalb mit ihrem Berufsalltag vereinbar sein. Beerdigungen übernimmt sie grundsätzlich freitags oder samstags und möchte möglichst ein Wochenende zur Vorbereitung haben. Denn die Beschäftigung mit der Lebensgeschichte und das Gespräch mit den Angehörigen lassen sich für sie nicht nebenbei erledigen.

„Eine Beerdigung ist nicht schön“, weiß Rita Austerhoff. Verlust und Trauer blieben. Aber sie möchte dazu beitragen, dass die Angehörigen einen guten Abschied erleben. „Wenn ich Menschen auf diesem Weg etwas Hilfreiches geben kann“, dann sei das für sie ein guter Dienst. Im Mittelpunkt soll dabei nie sie selbst stehen. Bei einer Beerdigung gehe es schließlich nicht um die Person, die vorne steht: „Es geht um den Menschen, von dem Abschied genommen wird – und um diejenigen, die mit diesem Verlust weiterleben müssen.“

Ann-Christin Ladermann