„Es ist mir nicht nur eine große Freude, es ist eine tiefe Ehre, auch für mich persönlich“, sagte Wilmer zu Beginn des Gottesdienstes, den er zusammen mit Pfarrer Martin Sinnhuber, dem Spiritual der Clemensschwestern, Pastor Peter van Briel aus Halverde und Pfarrer Thomas Berger aus Dinslaken feierte. Mit Schwester Euthymia, die als Emma Üffing 1914 in Halverde geboren wurde und 1955 in Münster starb, verbindet Wilmer seit seiner Kindheit eine besondere Beziehung. Ihr Grab auf dem Zentralfriedhof besucht er bis heute regelmäßig.
Generaloberin Schwester Gisela Maria Manders begrüßte besonders die Angehörigen: „Sie sind als Verwandte von Schwester Euthymia heute sehr stark vertreten.“ Die jüngere Generation wirkte sogar beim Gottesdienst mit: Marie, eine Urgroßnichte der Seligen, stand mit ihren Cousinen und Cousins nicht nur als Messdienerin am Altar, sondern trug auch eine Fürbitte vor und bat für gute Vorbilder und Wegbegleiter, besonders für junge Menschen.
“Ik kann dat woll”
Für Bischof Wilmer ist die Botschaft Schwester Euthymias auch 25 Jahre nach ihrer Seligsprechung aktuell. Besonders Barmherzigkeit sei ein Wesenszug, der ihr Leben geprägt habe. An einem Beispiel aus ihrer Kindheit machte er deutlich, woher ihr besonderes Selbstbewusstsein gekommen sei. Als die 14-jährige Emma Üffing 1928 sah, wie die Pferde des Milchgespanns ihres Bruders Franz durchgingen, sprang sie ihnen entgegen und griff nach den Zügeln. Sie ließ sich ein Stück mitschleifen, bis die Pferde zum Stillstand kamen. Ihr Bruder blieb unverletzt. Auf die Frage, wie sie nur so etwas habe tun können, soll sie auf Plattdeutsch geantwortet haben: „Ik kann dat woll, ich kann das schon.“
Für Wilmer steckt darin viel von der späteren Ordensfrau: „Dieses ,Ich kann das wohl‘, ein ruhiges Selbstbewusstsein ohne Arroganz, hat sie zeitlebens gezeichnet und geprägt.“ Besonders deutlich habe sich diese Haltung während des Zweiten Weltkriegs gezeigt. 1943 war Schwester Euthymia im St.-Vincenz-Hospital in Dinslaken eingesetzt und pflegte dort unter anderem polnische, russische und französische Kriegsgefangene, die aus Hunger die Mülltonnen des Krankenhauses durchsuchten. Schwester Euthymia habe die entsprechenden Mülltonnen gesäubert und darin Butterbrote für die Gefangenen versteckt. „Das war hochgefährlich“, betonte der Bischof.
Wilmer: “Schwester Euthymia ist das Herz von Münster”
Sie habe Menschen nicht danach beurteilt, woher sie kamen oder welcher Nationalität sie angehörten. „Schwester Maria Euthymia griff in die Zügel um der Menschen willen“, verdeutlichte Wilmer. In ihrer Haltung werde Barmherzigkeit konkret: Menschen nahekommen, sie annehmen und ihnen beistehen.
Zu dieser Barmherzigkeit gehörte für Euthymia auch ihre tiefe Beziehung zu Gott. Während ihrer Zeit in Münster arbeitete sie in der Waschküche der Clemensschwestern. Immer wieder zog es sie zur nahegelegenen Servatii-Kirche, wo sie lange Zeit in Stille und im Gebet verbrachte. „Schwester Maria Euthymia ist das Herz von Münster“, fasste Bischof Wilmer zusammen. „Schwester Maria Euthymia ist die Prophetin gegen alle Formen von Hass.“ Sie könne deshalb auch heute eine besondere Fürsprecherin sein – „eine wunderbare Patronin für alle Kriegsgefangenen dieser Welt“.
Auf den Spuren von Schwester Euthymia
Am Mittwoch, 7. Oktober, dem Jahrestag ihrer Seligsprechung, können Interessierte sich in Münster erneut auf die Spuren der Seligen begeben. Um 9.30 Uhr und um 14.30 Uhr beginnen im Euthymia-Zentrum an der Loerstraße Führungen mit Bildern und Texten über ihr Leben und Wirken, den Seligsprechungsprozess und ihre Bedeutung bis heute. Die anschließenden etwa 60-minütigen Führungen werden von Barbara Gorschlüter und Franz-Josef Neutzler geleitet. Die Teilnahme ist kostenlos.
Ann-Christin Ladermann


















