Startschwierigkeiten einer katholischen Hochschule in Indonesien
Guter Schulunterricht setzt gute Lehrerausbildung voraus. Was für Deutsche selbstverständlich klingt, bringt in anderen Teilen der Erde enorme Herausforderungen mit sich – zum Beispiel in Indonesien.
Dort, auf der Insel Sumba, arbeitet die aus Epe (Gronau) stammende Schwester Mathilde Franke am Aufbau einer katholischen Hochschule mit. Die 67-Jährige vom Orden der Schwestern der Liebe vom kostbaren Blut berichtet von "einem schmerzlichen Entstehungsprozess" mit vorläufig gutem Ende.
Die Initiative zur Hochschulgründung ging 2008 von Bischof Edmund Woga CSsR aus, der sich wegen der sinkenden Qualität der Lehrerausbildung sorgte. Viele Lehrkräfte hatten nur das Gymnasium absolviert, danach allenfalls noch einen Vorbereitungskurs. Die daraus resultierende schulische Situation bezeichnet Schwester Mathilde als "reine Katastrophe: Es gab keinen regelmäßigen Unterricht, keine ordentlichen Räume und Lehrmittel, keine Disziplin."
Die schlechte Schulbildung habe ihrerseits schlecht ausgebildete Schüler und Schülerinnen hervorgebracht, für die ein Studium oft unmöglich gewesen sei. Wer dennoch habe studieren und das auch finanzieren können, habe Sumba dazu verlassen müssen und sei in der Regel nicht zurückgekehrt, da es auf der Insel wenig entsprechende Stellen gegeben habe.
Um das zu ändern, wandte sich der Bischof an Romo Marcel Lamunde, den Vorsitzenden der katholischen Schulstiftung. Dessen Bruder, Universitätsdozent Pak Norbert Lamunde, bereitete sich gerade auf seinen Ruhestand auf Sumba vor und war "Feuer und Flamme" . "Er nahm Kontakt mit der Zentralregierung in Jakarta und der örtlichen Regierung auf und warb an seiner Universität in Mataram auf der Insel Lombok um Dozenten", berichtet die Ordensfrau.
Zunächst habe alles sehr verheißungsvoll ausgesehen, erzählt sie weiter: "Das Bildungsministerium in Jakarta gab grünes Licht, die örtliche Regierung unterstützte das Gründungsgremium mit einer größeren Summe Geld, einige Stammesälteste spendeten Land für den neuen Kampus, Schüler und Studierende pflanzten über 1000 Bäume und zäunten das Gelände ein."
So hätten sich 2009 die ersten Studierenden eingeschrieben. Die Vorlesungen hätten zunächst in fünf von Mittelschule und Gymnasium gemieteten Räumen stattgefunden. "Die Gastdozenten gaben sich zugunsten des Aufbaus der Hochschule zufrieden mit einem geringen Gehalt und den ärmlichen Umständen," hebt Schwester Mathilde hervor.
Der nächste Schritt erwies sich indes als schwierig: die nötige Anerkennung vom Bildungsministerium. Schwester Mathilde berichtet von einem "langen und bitteren Weg." Wenn auch niemand gern darüber spreche, so vermuteten Insider doch, dass die Islamisierung des Landes die Zentralregierung bewogen habe, immer neue Hürden aufzubauen: "Entweder hatten wir angeblich Formalitäten nicht beachtet, es war auf einmal auf Seiten der Regierung neues Personal zuständig, Termine wurden verschoben, oder es gab plötzlich neue Auflagen und Bestimmungen." Ganze Pakete mit Aktenbündeln, die zur Information oder Beglaubigung ins Ministerium geschickt worden seien, seien angeblich nicht angekommen, mit der Folge, dass "künftig alles Material persönlich nach Jakarta geflogen und überbracht werden musste."
Inmitten all der Schwierigkeiten sei Rektor Pak Norbert Lamunde an einem Herzinfarkt verstorben. Sein Nachfolger Pak Willy Yape Kii habe die Sache energisch, klug und zugleich geduldig in die Hand genommen, vor allem im Interesse der Studierenden, für die die "Hinhaltetaktik" besonders schwierig gewesen sei. Denn als die ersten 2013 ihr Studium hätten abschließen können, hätten sie mangels staatlicher Anerkennung fast mit leeren Händen da gestanden, nachdem ihre Eltern oft unter allergrößten Mühen ihr Studium finanziert hatten.
Die Lösung war teuer: Die staatliche Universität in der Provinzhauptstadt Kupang auf der Insel Timor übernahm die Studierenden – die dafür allerdings 200 Euro zusätzliche Einschreibegebühr zahlen mussten. Hochschule und Katholische Schulstiftung hätten diese Kosten übernommen; allerdings hätten sie dafür alle für den Kampus bestimmten Mittel aufgebraucht und dennoch zu wenig Geld gehabt. Nur mit Krediten und dank der Hilfe einiger deutscher Bistümer habe man diese Klippe bewältigt, schildert Schwester Mathilde dankbar.
Kurz vor Weihnachten dann das überraschende Happy end: Romo Marcel Lamunde und Pak Willi Yape dürfen die Anerkennungsurkunde unterschreiben. Schwester Mathilde erinnert sich an bewegende Szenen, als beide mit der Urkunde am Flughafen auf Sumba eintrafen: "Tränen der Freude auf allen Seiten. Ein Heer von Studierenden auf Mopeds begleitete die beiden zum Grab von Pak Norbert. In aller Form wurde dort die Urkunde verlesen, gebetet und gefeiert. Abschließend wurden auf dem Kampus drei Bäume zur Erinnerung gepflanzt."
Mit einem festlichen Gottesdienst in der Kathedrale von Weetebula sollen nun noch im Januar "das Ende dieses langen, bitteren Weges und der Beginn einer neuen Seite in der Geschichte Sumbas" gefeiert werden. Schwester Mathilde freut sich darauf – und auf eine hoffentlich störungsfreiere, erfolgreiche Zukunft der ersten Hochschule auf Sumba.
Text: Bischöfliche Pressestelle
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