Studierende besuchen Kranke an der Uniklinik Münster

, Bistum Münster, Stadtdekanat Münster

„Wir freuen uns, wenn die Menschen, die wir besuchen, sich freuen.“ Das sagen Ida Schulze Tast, Oskar Mahler und Thomas Mählmann einstimmig und überzeugend. Mit diesem Satz bringen die drei Studierenden zum Ausdruck, was ihren Einsatz für Patientinnen und Patienten des Universitäts-Klinikums Münster (UKM) ausmacht: Sie wenden sich Menschen zu, die im Krankenhaus wenig oder keinen Besuch bekommen und neben ihrer Krankheit mit Einsamkeit zu kämpfen haben.

Etwa 25 Studentinnen und Studenten engagieren sich im ehrenamtlichen Besuchsdienst. Dazu gehören (von rechts) Oskar Mahler, Ida Schulze Tast und Thomas Mählmann sowie Leo Wittenbecher, Leitender Seelsorger an der Uniklinik Münster.

© Hubertus Kost

Die Studierenden sprechen stellvertretend für etwa 25 Kommilitoninnen und Kommilitonen aus unterschiedlichen Fachbereichen der Universität Münster, die für eine gemeinsame Aufgabe unterwegs sind: Engagement beim Ehrenamtlichen Besuchsdienst der Seelsorge am UKM, einem Teilbereich der Seelsorge, in der haupt- und ehrenamtliche Kräfte aktiv sind. Der Besuchsdienst ist eine Kooperation der Seelsorge am UKM und der Katholischen Hochschulgemeinde. Der Dienst, den es seit drei Jahren gibt, ergänzt die klassische Krankenhaus-Seelsorge, erläutert Leo Wittenbecher, Leitender Seelsorger am UKM.

Ida Schulze Tast etwa studiert Psychologie und führt gern Gespräche. Eine ideale Voraussetzung für den Einsatz im Besuchsdienst. Sie schätzt die Begegnung mit Menschen, „die mir sonst nicht begegnen würden.“ Wie geht man dabei aufeinander zu? Mit der einfachen, aber sehr ernst gemeinten Frage „Wie geht es Ihnen?“ Das klappt nicht immer, aber meistens „Und dann ist der erste Kontakt schon hergestellt“, sagt die Studentin. Die Gespräche gingen häufig über „small talk“ hinaus. Patientinnen und Patienten seien oft bereit, über ihr Leben zu erzählen. Einfach zuhören sei ganz wichtig.

Die Erfahrung macht auch Oskar Mahler. Der Medizin-Student erlebt, dass Patienten und Patienten, die zunächst zögerlich sind, dann aber „auftauen“ und mit ihm ins Gespräch kommen. Die Frage, die er oft hört: „Warum machen Sie das?“ Seine Antwort: „Weil ich mir gern Zeit für Sie nehme.“ Schon allein dieser Satz schaffe eine Verbindung, sagt der angehende Mediziner. Durch alltägliche Gespräche sinke die Hemmschwelle für Themen wie zum Beispiel Krankheit oder Tod. 

Thomas Mählmann ist als Pianist und als Gesprächspartner überwiegend auf der Palliativ-Station im ehrenamtlichen Einsatz. Sein Angebot „Wenn Sie das möchten, setze ich mich gern für einige Zeit zu Ihnen“ werde gern angenommen. „Mit Musik baue ich eine Brücke vom Krankenhaus in die reale Welt“, sagt der Student, der Mathematik- und Musiklehrer werden möchte. Viele Menschen, auf die er zugeht, „möchten oft einfach nur die Gelegenheit nutzen, mit jemanden zu plaudern“. 

Zeit und Gespräche anbieten, das möchten Ida Schulze Tast, Oskar Mahler und Thomas Mählmann, und sie betonen, dass sich der Besuchsdienst auf keinen Fall aufdrängt. „Wir sind da, wenn jemand Kontakt zu uns haben möchte und Hilfe braucht.“ Zeit für Gespräche ist ein zentraler Bereich beim Einsatz der ehrenamtlichen Kräfte. Zu den Aufgaben gehören auch die Begleitung bei Spaziergängen und zu Untersuchungen, außerdem ist der Besuchsdienst auf der Kinderstation gern gesehen als Vorleser und als Spiele-Partner für die jungen Patienten. 

In einem Qualifizierungsseminar werden die Studierenden auf ihre Aufgaben vorbereitet, Gesprächsführung ist zum Beispiel ein Kernthema. Pro Semester gibt es drei Abend-Veranstaltungen, in denen die Arbeit reflektiert wird. Der ehrenamtliche Besuchsdienst der Seelsorge hat „Win-win-Charakter“: Das Team hilft und unterstützt Menschen in sensiblen Lebenssituationen und existenziellen Lebenslagen. Dabei machen alle Mitwirkenden zugleich wichtige Erfahrungen für ihren Berufs- und Lebensweg.

Bildunterschrift: Etwa 25 Studentinnen und Studenten engagieren sich im ehrenamtlichen Besuchsdienst. Dazu gehören (von rechts) Oskar Mahler, Ida Schulze Tast und Thomas Mählmann sowie Leo Wittenbecher, Leitender Seelsorger an der Uniklinik Münster. 

Hubertus Kost

Mit dem Ehrenamtspreis zeichnen das Bistum Münster, das Diözesankomitee und das Online-Nachrichtenmagazin Kirche+Leben beispielhafte, innovative oder nachhaltige Initiativen und Projekte aus und würdigen diejenigen, die freiwillig und mit viel Engagement und Fantasie anpacken, wo Hilfe nötig ist.