Tagung Migrationsseelsorge

Migration als Zeichen der Zeit zu sehen und die Herausforderungen an eine Seelsorge für Katholiken anderer Muttersprache für Gegenwart und Zukunft unter verschiedenen Aspekten auszuloten, dies hatte sich die Tagung "Dem Fremden Heimat geben" am Freitag und Samstag (29. Und 30. August 2014) in der Akademie Franz Hitze Haus in Münster vorgenommen.

Die rund 20 überwiegend mit der Ausländerseelsorge bzw. –beratung befassten Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Deutschland betrachteten dabei historische ebenso wie theologische und praktische Aspekte der "Wanderung".

Der Tagungseinstieg hatte sich generell mit der Einwanderung und der Rolle der Katholischen Kirche dabei sowie mit dem Hintergrund der Migrationsseelsorge beschäftigt; Migrationsforscher Prof. Dr. Dietrich Thränhardt vom Institut für Politikwissenschaft der Universität Mainz und die Theologin Joana Reppenhorst vom Bischöflichen Generalvikariat Münster sorgten für einen informativen Beginn. Monsignore José Antonio Arzoz von der Delegatur für die spanischsprachige Seelsorge in Bonn zeigte erfolgreiche Ansätze der Integration unter dem Oberthema "Vom Gastarbeiter zum deutschen Staatsbürger" auf.

Um das geistige Potenzial, das Migration mitbringe, kümmerte sich am zweiten Tagungstag der münstersche Weihbischof Dieter Geerlings in seinem Referat. Die großen Wanderungsbewegungen als Herausforderung: "Dieses Phänomen eröffnet uns als Christen einen neuen theologischen Horizont, denn es ist nicht nur eine wirtschaftliche, ethische und politische Aufgabe, sondern auch ein heilsgeschichtlich wichtiges Zeichen der Zeit". Geerlings sah allerdings auch, dass "zwischen Idealen wie der Fortsetzung des Pfingstereignisses oder dem Aufbau einer neuen Menschheit" und der real erlebten Situation in der Gesellschaft eine große Kluft bestehe. Seine Hauptaussage aber war, dass Migration ein Ort der Theologie und der Gotteserfahrung sei, mithin eine große Chance, den Blick zu weiten, sich für Gerechtigkeit und Solidarität einzusetzen und Vielfalt und Verschiedenheit friedlich zu leben: "Ein Lernort zur Humanisierung der Menschheit", wie es die Theologin Regina Polak nenne.

In einem weiten Bogen nahm Weihbischof Geerlings ("ich bin als Enkel niederländischer Großeltern selbst Migrant in dritter Generation") die Zuhörer mit durch die Wanderungsbewegungen der Geschichte – sowohl der politischen als auch der biblischen von Abraham über den Wanderprediger Jesus bis zu Bischof Liudger, der das Christentum nach Westfalen brachte. Die Mehrheit der Texte der Heiligen Schrift seien im Kontext von Exil, Flucht, Vertreibung, Wanderung und Diaspora entstanden – in diesen Situationen geschehen Offenbarungen Gottes. "Alle diese Ereignisse werden als Lernerfahrung und Erfahrungsschatz genutzt und verarbeitet, und biblische Theologie wird zu einer Theologie der Migration", so Geerlings. "Das sind Lernwege mit Gott".

Aus den gegenwärtigen Erfahrungen Perspektiven für die Zukunft aufzuzeigen, das versuchte der Nationaldirektor Ausländerseelsorge im Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, Stefan Schohe. Etwa 400 muttersprachliche Gemeinden gebe es in 27 Bistümern, rund 30 Sprachgruppen zugeordnet. "Wir reden damit von nahezu viereinhalb Millionen Katholiken oder 19 Prozent aller katholischen Christen in Deutschland", zeigte Schohe die Größenordnung auf. Schlaglichter warf er auf den kirchrechtlichen Status der muttersprachlichen Seelsorge, auf die Neuordnung der Pastoralstrukturen mit ihren Folgen auch für die ausländischen Missionen und vor allem auch auf die wachsende Verantwortung der Laien. "Die Suche nach zeitgemäßen Formen von interkultureller Seelsorge, von Beheimatung und Integration statt Assimilation bleibt eine Daueraufgabe in den deutschen Bistümern", zeigte sich Schohe überzeugt.

"Einen konstruktiv-realistischen Blick" auf die derzeitige Situation der Migrationsseelsorge habe die Tagung geworfen, so die beiden Moderatoren Heinz Meyer und Franz-Thomas Sonka, Referent für Seelsorge für Katholiken anderer Muttersprache im Bistum Münster. Der lebhafte Austausch in den Pausen und nach den Referaten hatte deren Aussagen vielfach durch weitere Erfahrungen aus der Alltags-Praxis ergänzt.

Text: Bischöfliche Pressestelle
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