Telgte-Pilger aus Münster trotzten Kälte und Schneegestöber

Wer am Sonntagmorgen (10. März 2013) nicht unbedingt nach draußen musste, hat nach einem Blick aus dem Fenster bestimmt gut überlegt, ob er sich wirklich in winterliche Kälte und Schneegestöber begeben will. Gut 60 mutige Teilnehmer der Stadtwallfahrt ließen sich aber auch von der kalten Nässe nicht abhalten, zu Fuß nach Telgte aufzubrechen.

"Wir mussten uns noch früher motivieren, als wenn wir zur Schule gemusst hätten", erklärten Jugendliche aus der Messdienerleiterrunde der Gemeinde Liebfrauen-Überwasser, die während des Weges nach Telgte Lautsprecher, Fahnen und Kreuz trugen. Sie fanden das aber nicht wirklich schlimm, und manch einer nahm auch nicht zum ersten Mal an der Stadtwallfahrt teil. Die jüngste Pilgerin, die achtjährige Theresia, stapfte fröhlich durch Schnee und Matsch und erzählte, dass sie ja sonst auch zu Fuß zur Schule ginge. Nicht so weit allerdings...

Auch sie war nicht zum ersten Mal dabei, wie viele andere Wallfahrer der Gruppe, die zum Teil seit 50 und mehr Jahren von Münster nach Telgte pilgern. Ein Ehepaar, das inzwischen in Warendorf lebt, kommt Jahr für Jahr zurück nach Münster, um wie gewohnt an der Stadtwallfahrt teilzunehmen. Mit von der Partie waren Gemeindemitglieder unter anderem der Stadtgemeinden wie St. Mauritz, St. Lamberti, Heilig Kreuz oder Liebfrauen-Überwasser, dazu Freiwillige des Malteser Hilfsdienstes. Pilger waren Alleinstehende und Ehepaare, eine Ordensschwester aus dem Franziskushospital, eine Mutter dreier Kinder, für die Wallfahrten eine ganz besonders persönliche Form des Glaubenslebens sind, Junge und Ältere, alle gut zu Fuß. Als Geistliche Leiter nahmen Weihbischof Dr. Stefan Zekorn und Dr. Hans-Werner Dierkes teil.

Der Beginn der Wallfahrt fand um 7.15 Uhr im Paradies des frisch restaurierten St.-Paulus-Domes statt. Hier gab es einen geistlichen Impuls zum Motto des Weges, einem Vers aus dem Zweiten Korintherbrief des Paulus: "Als Glaubende gehen wir unseren Weg". Dierkes stellte das Leitwort unter zwei Gesichtspunkten vor, nämlich als Möglichkeit zur Reflexion über den eigenen Glauben einerseits und andererseits als Gebet um das Geschenk des Glaubens. Beides füge sich in das vom emeritierten Papst Benedikt XVI. ausgerufene Jahr des Glaubens ein, das auch das Zweite Vatikanische Konzil vor 50 Jahren in Erinnerung rufe.

Bei der kurzen Andacht an der St.-Mauritz-Kirche hielt Dierkes, der seit 2012 auch Leiter des Referates für Wallfahrtsseelsorge im Bistum ist, in einer Meditation Gedanken über den Weg fest, der "als Metapher für unser Leben alles umfasst, was uns bewegt", aber als Glaubensweg auch Christus in den Mittelpunkt stelle.

Auch Weihbischof Zekorn ist als Wallfahrer kein Unbekannter. Er hatte dazu aufgefordert, der bevorstehenden Papstwahl in besonderer Weise zu gedenken: "Das ist für unsere Kirche eine wichtige Entscheidung", sagte er und bat, "die Kardinäle durch unser Gebet zu unterstützen". Seine Predigt bei der abschließenden Messe in Telgte war auf das Sonntagsevangelium mit dem Gleichnis vom barmherzigen Vater ausgerichtet. Einen besonderen Akzent legte Zekorn auf die Liebe Gottes, die wie die Liebe des barmherzigen Vaters im Gleichnis Vorbild für die gegenseitige liebende Zuwendung der Menschen sein könne, in jedem Fall aber absolut verlässlich sei.

Am Ende der Wallfahrt durch die winterliche Landschaft zwischen Münster und Telgte standen die Ankunft beim Gnadenbild, die gemeinsame Messfeier, die Aussicht auf Wärme und Behaglichkeit für den Rest des Tages und die allgemeine Freude über den gemeinsam gegangenen Weg.

Text/Foto: pbm
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